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Kindheit in Ostpreußen
 
 
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Kindheit in Ostpreußen [Gebundene Ausgabe]

Marion Gräfin Dönhoff
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Siedler Verlag; Auflage: 15 (1. September 1988)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3886803325
  • ISBN-13: 978-3886803323
  • Größe und/oder Gewicht: 19,8 x 12,6 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
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Marion Dönhoff
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Produktbeschreibungen

Der Spiegel

Das kluge Exzellenzchen

Zu ihren frühesten Kindheitserinnerungen gehört der Besuch eines berühmten Mannes, mit dem die kleine Komtess die kühnsten Erwartungen verbindet. Im Sommer 1916 erscheint auf Schloss Friedrichstein, dem Familiensitz ihres einflussreichen Vaters August Karl Graf Dönhoff, der siegreiche Generalfeldmarshall Paul von Hindenburg, um sich im zunehmend strapaziösen Ersten Weltkrieg ein paar Tage lang Urlaub zu gönnen. Die Eltern wissen das zu schätzen – doch für die damals knapp siebenjährige Tochter der stolzen Gastgeber ist es ein ziemlich enttäuschendes Ereignis.

Statt der legendären Traumgestalt, die zwei Jahre zuvor in der Schlacht bei Tannenberg die erdrückende russische Offensive zurückschlug und immerhin 92.000 Gefangene machte, sieht sie da einen mit Pickelhaube bewehrten schnurrbärtigsteifen ältlichen „Nußknacker“ durch Haus und Park tappen. Ihrer Vorstellung vom „göttergleichen Helden“, lästert sie in der 1988 veröffentlichten Autobiografie „Kindheit in Ost¬preußen“, habe der jedenfalls kaum entsprochen.

Dass sich die zum Zeitpunkt der Publikation 78-jährige Journalistin Marion Gräfin Dönhoff dem merkwürdig hinfällig wirkenden Kriegsherrn und späteren Reichspräsidenten der Weimarer Republik mit dem Unschuldsblick eines jungen Mädchens nähert, ist für das Buch bezeichnend. Die dem Untergang geweihte Welt der Aristokraten aus der Perspektive einer unbefangen beobachtenden Insiderin zu spiegeln, nimmt dem ernsten Stoff die Erdenschwere – und die Methode verfehlt ihre Wirkung nicht.

Der 1909 geborene Spross eines der prominentesten ostelbischen Adelsgeschlechter, deren Vater zugleich Mitglied des Preußischen Herrenhauses und Reichstagsabgeordneter ist – während die Mutter Ria von Lepel der Kaiserin Auguste Viktoria als „Palastdame“ dient –, erfüllt so offenkundig eine tiefe Sehnsucht nach authentischen Informationen aus diesen Kreisen. Mehrere Monate lang behauptet sich das mit leichter Hand niedergeschriebene, in Wahrheit Zeile für Zeile äußerst sorgsam hingetupfte Sittengemälde auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Unprätentiös, aber ohne Einschränkung im entspannt souveränen Tonfall eines Menschen, der sich seines Standes sehr wohl bewusst ist, erzählt die Autorin von ihren Jahren in einem der kunstgeschichtlich bedeutsamsten Schlösser des Landes – „schöner als Versailles“, zitiert sie einen Gast. Dass in seinen „Königsstuben“ ehedem gar der Alte Fritz abstieg, wird da so aufreizend beiläufig berichtet wie sie sich mit dem Gestus der Selbstverständlichkeit über die in ihren Konventionen verfangenen Angehörigen auslässt.

Natürlich geht es in diesem einerseits von aufwendiger Re¬präsentation geprägten Alltag der so genannten landangesessenen Aristokratie in einem fort um „Haltung“ und „Ehre“ – neben den preußischen Tugenden der Entsagung und Askese von der Chronistin ausdrücklich belobigte Werte. Man ist groß, aber etwa nach Kriegsende auch groß in der Bescheidung, als die Dönhoffs die Marmelade klaglos ohne Butter aufs Brot streichen oder im Wald fleißig Eicheln sammeln, um daraus Ersatzkaffee herzustellen.

Schon früh fühlt sich das von den Eltern nur wenig beachtete jüngste der insgesamt sieben Kinder zum einfachen Volk der dazugehörigen Güter hingezogen. An den Verhaltensweisen der Arbeiter und Bauern und dem auf Schloss Friedrichstein reichlich vorhandenen Dienstpersonal schärft die kleine Marion ihr Differenzierungsvermögen und lernt fürs Leben.

Das auf den Fingern pfeifende, mit beträchtlicher Neugier ausgestattete „Exzellenzchen“ empfindet diesen Status einer außerordentlich Privilegierten bis weit in die Weimarer Republik hinein als durchaus gottgegeben. Oben und Unten, also die traditionell die Kommandogewalt ausübende Gutsherrschaft und die trotz ihrer Befreiung Anfang des 19. Jahrhunderts immer noch abhängigen „Dorfleute“, bilden nach ihrer Wahrnehmung eine erhaltenswerte „Mischung von institutioneller Distanz und persönlicher Vertrautheit“.

Keine ganz heile Welt, aber eine der denkbar schönsten, weil das 20 Kilometer östlich von Königsberg gelegene Ambiente darüber hinaus zugleich ein Naturparadies ist. Marion Dönhoffs Landschaftsmalerei, ihre sprachmächtige Beschreibung der Flora und Fauna, der unter hohem Himmel sich hinziehenden Alleen und aufregenden Kaninchenjagden, gehört zu den eindrucksvollsten Belegstücken einer an Literatur her¬anreichenden journalistischen Arbeit.

Sie habe Pferde, traut sie sich zu formulieren, als „dem Menschen ebenbürtige Geschöpfe“ kennen gelernt – ein auf den ersten Blick etwas überschießender Vergleich, der offen¬kundig einer existentiellen Erfahrung geschuldet ist: Im eisigen Januar 1945, als die Russen Ostpreußen erobern und Schloss Friedrichstein vollständig ausbrennt, trägt sie der treue Fuchs Alarich in einem abenteuerlichen siebenwöchigen Ritt sicher in den Westen.

Ansonsten verbietet sich die Autorin alle Sentimentalitäten, und in solcher in Kreisen von Flüchtlingen selten anzutreffenden Selbstzucht liegt der eigentliche Gewinn dieses Buches. Die tiefe Verbundenheit zu einem Landstrich, den der erste der Dönhoffs bereits im Jahre 1620 in Besitz nahm, wird am Ende klug relativiert. Die Rückschau unter dem Rubrum „Kindheitserinnerungen“ beschreibt vor allem einen schmerzlichen Lernprozess.

Denn trotz ihres adligen Ursprungs und der damit einhergehenden Bekenntnisse empfindet die spätere Chefredakteurin und Mitherausgeberin der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ letztlich deutlich mehr Sympathie für die 1918 ausgerufene Republik als für das marode Kaiserreich. Als erklärte Gegnerin der Nazis paktiert sie nach Beginn des Zweiten Weltkriegs mit der Widerstandsbewegung.
Über die Gründe dafür, weshalb die „rote Gräfin“ nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler mit einigen harten Verhören davonkommt, während der größte Teil der Freunde erschossen oder gehängt wird, streiten die Historiker noch. Aber an ihrer grundsätzlichen Haltung besteht kein Zweifel. Die Rolle des Adels in der Opposition zur NS-Diktatur wird für die promovierte Volkswirtin zum großen Thema. Im Bonner Staat unterstützt die Grande Dame der westdeutschen Publizistik Kanzler Willy Brandts auf Versöhnung ausgerichtete Politik mit dem Osten.

Ihre in der unmittelbaren Vor-Wendezeit veröffentlichte Kindheitsgeschichte ist ein Beitrag dazu. Sie nimmt vorweg, was sich für die Wiedervereinigung einer um die Gebiete jenseits von Oder und Neiße reduzierten Berliner Republik als unerlässlich erweist – den Verzicht.

„Zu lieben, ohne zu besitzen“, ahnt die Autorin in der Schlussphase ihres bewegten Lebens, „ist vielleicht der höchste Grad der Liebe.“

Nachwort von Hans-Joachim Noack zu Kindheit in Ostpreußen. SPIEGEL-Edition Band 8 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Wenn ich an die Wälder und Seen Ostpreußens denke, an die weiten Wiesen und alten Alleen, dann bin ich sicher, daß sie noch genauso unvergleichlich schön sind wie damals, als sie mir Heimat waren. Vielleicht ist dies der höchste Grad der Liebe: zu lieben ohne zu besitzen.« (Marion Gräfin Dönhoff )

»Amüsant … anschaulich … eindrucksvoll! Erinnerungen an eine untergegangene Welt, von der die Autorin ohne peinlichen Verklärungseffekt zu erzählen weiß.«

(Der Spiegel )

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Broschiert
"Kindheit in Ostpreußen" ist ein wahrhaft bezeichnender Titel für das Werk von Marion Gräfin Dönhoff. Es ist eine interessante Schilderung der Vorkriegswelt in Ostpreußen. Zentrum ist ein großer Adelssitz mit Namen Friedrichstein mitten in Ostpreußen, wo Marion Gräfin Dönhoff ihre Kindheit verlebte. Sie berichtet von ihren Kindheitserinnerungen, den Pferden und Hunden, ihrer Freude am Lesen, dem Alltag. In die Handlung verwoben sind viele Informationen über die damalige Zeit. Außerdem erfahren wir manches über die Bräuche und Sitten, über den Adel und seine Privilegien. Und schließlich gelangen wir zum "Ende des unbekümmerten Daseins". Veranschaulicht ist das Ganze durch zahlreiche Fotografien. Sehr interessant, aber wie die weniger Betuchten das Leben empfanden, hätte mich mehr interessiert. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mosaik einer verlorenen Heimat 29. Dezember 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Gräfin Dönhoff berichtet über ihre Kindheit nicht in Form einer chronologisch geordneten fortlaufenden Geschichte. Ihr Rückblick besteht vielmehr aus ungefähr zwei Dutzend einzelnen Facetten, nicht unbedingt logisch aufeinander folgenden Kapiteln von 3 bis 15 Seiten Länge, die einzelnen Personen, Orten oder Ereignissen gewidmet sind. Gegen Ende lässt sie zunehmend historische Hintergrundinformationen einfließen, die sie sich größtenteils bei der Abfassung ihrer Dissertation erarbeitet hat, als sie sich näher mit der Entwicklung der Güter ihrer Familie von der Ordenszeit bis zur Bauernbefreiung beschäftigt hat. Insofern erzählt sie nicht nur die Geschichte ihrer Kindheit, sondern lässt die Lebenswelt einer adligen Gutsherrenfamilie Gestalt annehmen, mit Land und Leuten, die dazugehören. Etliche schwarz-weiße Abbildungen (oft zeitgenössische Fotos) illustrieren die Texte. Nach der Lektüre kann man ahnen oder gar verstehen, warum so viele Menschen die Liebe zur ostpreußischen Heimat wie im Fall der Gräfin Dönhoff für den Rest ihres Lebens nicht mehr losgelassen hat, auch wenn es bei ihr so ganz anders verlaufen ist, als ihre Herkunft es zunächst vermuten ließ.
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16 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
beschreibt Gräfin Dönhoff Ihre Kindheit in Ostpreußen. Wie wunderbar kann man sich einfühlen in das Landleben der Kinder, die vielen hohen Besuche, ihr sehr unterkühltes Verhältnis zu ihrem Vater, die Pferde und Abenteuer.
Unbedingt lesenswert um einen privaten Einblick in die damalige Zeit des Adels in Ostpreußen zu bekommen.
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Die neuesten Kundenrezensionen
Enttäuschend
ich habe mir von dem buch sehr viel mehr versprochen.
meine vorfahren waren auch ostpreußen. Lesen Sie weiter...
Vor 8 Monaten von Leser1810 veröffentlicht
Kindheit in Ostpreussen
Ich selber habe das Buch nicht gelesen, sondern verschenkt. Die Leserin ist selber in den Kriegsjahren geboren und aufgewachsen. Lesen Sie weiter...
Vor 8 Monaten von monikit veröffentlicht
Eine untergegangene Welt...
Marion Gräfin Dönhoff, die ehemalige "Grande Dame" des deutschen Journalismus, beschreibt in diesem Buch (nicht nur) ihre Kindheit in Ostpreußen. Lesen Sie weiter...
Vor 11 Monaten von Mag Wolfgang Neubacher veröffentlicht
Einfach ein Klassiker der Nachkriegsliteratur
Die Autorin beschreibt eine untergegangene Gesellschaft in einem fesselnden und spannenden Stil. Es gelingt ihr richtig gut, Landschaft und Leute ihrer Heimat einzufangen und den... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 23. Dezember 2008 von Phylax
eine wahre ode an die heimat
was das exzellenchen da niedergeschrieben hat, spottet eigentlich jeder beschreibung. ich denke, eine bessere liebeserklärung an ihre heimat hätte die gräfin nicht... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 14. November 2007 von Christian Lorenz
faszinierendes Buch-schlechter Druck
Faszinierendes Buch.

Der Druck der Spiegel-Edition ist leider von geringer Qualität. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 4. Januar 2007 von Karl Vittel
War es wirklich so ?
Wenn jemand über das Land und die Menschen in Ostpreußen schreiben kann, dann ist es Marion Gräfin Dönhoff: Die großartige Schilderung des verlorenen... Lesen Sie weiter...
Am 14. Februar 2006 veröffentlicht
Es gibt nicht nur Dönhoffs im ostpreussischen Leben !
Die Erinnerungen des Fürsten Alexander zu Dohna-Schlobitten sind viel interessanter als "Kindheit in Ostpreussen", weil der Fürst 10 Jahre älter als die Gräfin... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 5. Juli 2004 von "violletd"
Interessant
Das schöne an diesem Buch ist, dass Marion Gräfin Dönhoff nicht einfach nur ihre Kindheit "heruntererzählt", sondern den Leser auch über historische... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 8. Februar 2004 von francon1973
Gegen das Vergessen
Ein hervorragendes Buch, das zur aktiven Auseinandersetzung mit der Problematik Ostpreußen anregt. Ergänzend dazu empfehle ich:

FERNES NAHES LAND. Lesen Sie weiter...

Veröffentlicht am 11. März 2002 von "schuette1970"
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