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Kindheit und Geschichte: Zerstörung der Erfahrung und Ursprung der Geschichte (Bibliothek Suhrkamp)
 
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Kindheit und Geschichte: Zerstörung der Erfahrung und Ursprung der Geschichte (Bibliothek Suhrkamp) [Gebundene Ausgabe]

Giorgio Agamben , Davide Giuriato
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (27. September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518223798
  • ISBN-13: 978-3518223796
  • Originaltitel: L'infanzia e storia. Distruzione dell'esperienza e origine della storia
  • Größe und/oder Gewicht: 17,8 x 12 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 469.788 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Giorgio Agamben
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ist der moderne Mensch noch zur Erfahrung fähig? Der titelgebende Essay geht von dieser Frage aus und gibt den thematischen Rahmen der Sammlung vor, der mit Motiven gefüllt wird, die, vordergründig gesehen, heterogener nicht sein könnten: die in unserer Kultur untergründige Komplizenschaft von Rationalität und Irrationalität; die Abspaltung der Begierde vom Mangel und das Auftauchen des Unbewußten; die Verlagerung des Abenteuerlichen vom Alltäglichen ins Außerordentliche; die Geburt des Ich und der Anspruch der modernen Dichtung auf das Unerfahrbare.
Zusammengeführt werden all diese Motive in einer Theorie der Kindheit: Zentrale Themen des zeitgenössischen Denkens - wie etwa die anthropologische Opposition von Natur und Kultur und die linguistische Opposition von langue und parole - erfahren hier eine neue Verortung, und zwar aus einer Perspektive, in der der Mensch der metaphysischen Tradition nicht mehr als "das mit Sprache begabte Tier", sondern als dasjenige Tier erscheint, das keine Sprache hat und sie deshalb von außen empfangen muß.

Über den Autor

Giorgio Agamben wurde 1942 in Rom geboren. Er studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluß des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken.
Als Herausgeber der italienischen Ausgabe der Schriften Walter Benjamins fand Agamben eine Reihe von dessen verloren geglaubten Manuskripten wieder auf. Seit Ende der achtziger Jahre beschäftigt sich Agamben vor allem mit politischer Philosophie. Er lehrt zur Zeit Ästhetik und Philosophie an den Universitäten Venedig und Marcerata und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris, Berkeley, Los Angeles, Irvine.

 


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Von H. Gebauer TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Sprachphilosophische und geschichtsphilosophische Komplikationen im Gespräch mit Benveniste, Wittgenstein, Heidegger, Foucault und Benjamin.

Wieder ist eines dieser abgründig-schwierigen Bücher von Agamben mit einem beinahe unschuldigen Titel: Kindheit und Geschichte. Zerstörung der Erfahrung und Ursprung der Geschichte auf deutsch erschienen. Das Buch ist zuerst 1978 auf italienisch erschienen und wurde dann von Agamben für die italienische Neuausgabe von 2001 überarbeitet und erweitert. Die erweiterte Neuausgabe liegt jetzt also auf deutsch vor. Auch bei diesem Band stellt sich eine Frustration schnell ein, wenn man nicht mit den Grundfrage der modernen Philosophie nach Wittgenstein, Heidegger, Benveniste, Foucault und Derrida vertraut ist, denn hinter dem beinahe naiven Titel verbergen sich die komliziertesten Reflexionen über die Sprache, die ich seit Heideggers Vortrag über Das Wesen der Sprache (1957) gelesen habe. Darüber hinaus spricht er aber auch ein im weitesten Sinne geschichtsphilosophisch interessiertes Publikum an.

Agamben schreibt im Vorwort das Projekt seines Werkes beschreibend: Wenn es für einen Autor eine Fragestellung gibt, die das motivum seines Denkens definiert, so fällt das Feld, das diese Fragen umreißen, restlos mit dem zusammen, auf das sich meine ganze Arbeit zubewegt. In meinen geschriebenen und ungeschriebenen Büchern habe ich immer wieder nur eines zu denken wollen: Was bedeutet: Es gibt Sprache, was bedeutet Ich spreche? Denn es ist klar, dass weder das Sprecher-Sein noch das Gesprochen-Sein, das jenem a parte objeti entspricht, reale Prädikate sind, die mit dieser oder jenen Eigenschaft identifiziert werden könnten. Sie stellen vielmehr transcendentia im Wortsinne mittelalterlicher Logik dar, d.h. Prädikare, die jede Kategorie transzendieren, obwohl sie in jeder enthalten sind. Sie müssen genauer als Archi-Transzendentalien oder als Transzendentalien der zweiten Potenz gedacht werden. (...) Derjenige, der das experimentum linguae vollzieht, muss sich deswegen in einer vollkommen leeren Dimension aufs Spiel setzen, in der nichts als die reine Äußerlichkeit der Sprache vor sich findet, jenes etalement du langage en son etre brut, von dem Foucault spricht. In Kindheit und Geschichte liegt der Ort einer solchen transzendentalen Erfahrung in jeder Differenz zwischen Sprache und Rede, die in keiner Sprachreflexion umgangen werden kann (p. 11). Im ersten Abschnitt dieses Buches mit dem Tiel versucht Agamben das Terrain dieses ambitionierten Projekts zu umreißen. Dieser Abschnitt ist der Schwierigste des gesamten Buches.

Gefolgt wird dieser Abschnitt von einer hinreißenden Reflexion über Das Land der Spielzeuge, die die Thesen aus Agambens Profanierungen (dt, 2006) zum Ritus und zum Spiel vorwegnimmt. Ein weiterer Abschnitt beschäftigt sich mit den abendländischen Hauptfiguren der Zeit- und Geschichtsphilosophie von den Griechen über die Gnosis bis zum materialistischen Geschichtsbild, der Bibliotheken von Aufsätzen überflüssig macht. Daran schließt ein schwieriger Essay über eine Methodenfrage bei Adorno und Benjamin um 1938 an, der für Spezialisten in Sachen Materialismus hoch interessant sein dürfte. Den letzten Abschnitt bilden zwei kurze Abschnitt über Fabel und Geschichte, sowie über das Programm für eine Zeitschrift.

Aufgrund der anspruchsvollen Vielschichtigkeit dieses Bandes möchte ich 5 Sterne vergeben. Obwohl der erste und längste Abschnitt den Leser vor extreme Schwierigkeiten stellt, kann der Band durch seine gedankliche Variabilität und Tiefe voll und ganz überzeugen.
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