Ein Buch der Reihe „Zeitgut", das mich besonders berührte. Ganz einfach deshalb, weil ich mich mit meiner Kindheit, meinem Erleben der Ereignisse um das Ende des 2. Weltkrieges und die Wirren danach darin wiederfinde. Mit allem Schrecklichen, das sich in die Kinderseele unauslöschlich einbrannte, aber auch mit den vielen kleinen Abenteuern und sogar Glücksmomenten, die ein Heranwachsender in einer Zeit des totalen Umbruchs und der Werteveränderung für sich persönlich erfährt.
Jürgen Kleindienst hat sich mit der Sammlung und Herausgabe der Buchreihe besonderer Prägung nicht nur für die „Dabeigewesenen" verdient gemacht. Vielmehr sind die authentischen Geschichten und Berichte, die markante Zeitabschnitte in Deutschland und hier wiederum thematisch „Kindheit", „Jugend" „Berufsfindung" usw. beleuchten, ein unschätzbares Dokument der Zeitgeschichte.
Der vorliegende Band 2 dieser Reihe, „Kindheit in Deutschland 1945-1950, Nachkriegskinder" umfasst 67 Geschichten und Berichte von Zeitzeugen. Gut recherchiert, gesammelt und sensibel überarbeitet, erleben wir mit den damaligen Kindern der Jahrgänge 1928 bis 1942, die durch Hunger, Kälte und Not, Flucht und Vertreibung gekennzeichnete materielle Situation in Deutschland. Verstricken uns in Abenteuer bei der Nahrungsbeschaffung, durchstehen Todesängste bei der ersten Begegnung mit den Besatzungsmächten, erinnern uns staunend an den lebensrettenden Einfallsreichtum unserer Mütter, Schmunzeln über erfolgreiche Diebereien, sogenannten Mundraub.
Die Verfasser sind heute Senioren, die sich für uns erinnern. Keine Schriftsteller, sie waren Krankenschwestern, Lehrer, Sekretärinnen, Hausfrauen ... Ihre damaligen Empfindungen fließen in die Geschichten ein und machen uns unsere Kindheitserlebnisse in Orten wie Aken, Berlin, Düsseldorf, Leipzig, Hamburg, Hannover, Köln, Jena, Weimar ... und über fünfzig anderen Orten lebendig.
Spannend und dennoch sensibel erzählt von den verschiedenen Autoren, mit einfachen, lebendigen Worten, ist es nicht nur ein
anrührendes Buch; man mag es bis zur letzten Begebenheit nicht aus der Hand legen.
Und dann noch etwas, jede dieser Begebenheiten birgt trotz versteckter oder offener Tragik, Überlebenswillen, Humor und
schließlich auch Optimismus in sich, ohne den das "Auferstehen aus Ruinen" unmöglich gewesen wäre.