Bücher von Günther Deegener liefern immer eine spannende Lektüre - ob wissenschaftlich oder eher populär angelegt. Das vorliegende Buch richtet sich zwar v.a. an Laien und Betroffene, bietet aber gleichwohl auch für Fachleute viele interessante Informationen und ist, wie immer bei Deegener, rundum gut lesbar.
In 24 Kapiteln beleuchtet Deegener verschiedene Aspekte des brisanten Themas. Er definiert „sexuellen Missbrauch", liefert Häufigkeitsangaben und räumt mit Vorurteilen z.B. über angeblich harmlosen „Erwachsenen-Kind-Sex" auf. Strategien der Täter und Folgen für die Opfer werden verdeutlicht. Auch die Situation der Mütter bei familiärem Missbrauch wird beleuchtet. Nicht zuletzt widmet Deegener mehrere Kapitel der Erörterung präventiver Maßnahmen und ihrer Wirksamkeit.
Viele Fragen werden beantwortet. So werden auch unterschiedlichste Adressaten von dem Buch profitieren: (ehemalige) Opfer und ihre Angehörigen, Lehrer, Mitarbeiter von Beratungsstellen, aber auch Tätertherapeuten. Gerade, wer mit Tätern arbeitet, verliert leicht die Folgen für die Opfer aus dem Auge. Er baut zu dem Täter eine (für die Therapie natürlich notwendige) Beziehung auf, findet diesen möglicherweise sogar sympathisch. Um so wichtiger ist es, sich immer wieder das Leiden der Opfer zu vergegenwärtigen. So sachlich das Buch auch verfasst ist, diesen Aspekt vergisst Deegener natürlich nicht. Zahlreiche Fallbeispiele illustrieren, was Opfer sexuellen Missbrauchs erleiden müssen und lassen den Leser sicherlich nicht unbeeindruckt.
Jedem, der sich mit sexuellem Missbauch befasst, sei das Buch ans Herz gelegt. Niemals reißerisch, aber dennoch beeindruckend. Einzig für Kinder ist es sicher nicht geeignet. Übrigens: Wer sich stärker für Ursachen des Missbrauchs interessiert, also sich stärker mit der Täterperspektive befassen möchte, dem sei Deegeners Werk „Sexueller Missbrauch - die Täter" empfohlen.