Klavierwerke von Robert Schumann zählen zum festen Bestand unseres Konzertlebens. Umso mehr überrascht es, dass der große Alfred Brendel nur verhältnismäßig wenig Schumann gespielt hat, bevor er sich am 18. Dezember 2008 aus dem Konzertleben zurückzog. Sein Betätigungsfeld lag mehr bei Mozart, Beethoven und Schubert.
Brendel war immer devot. Auch dem Oeuvre eines weniger herausragenden Komponisten hätte er niemals weniger als absolute Wertschätzung entgegengebracht. Und so sind auch seine Schumann Einspielungen beseelt und geistreich.
Indes, einen neunen Blickwinkel zu eröffnen auf die zigmal aufgenommenen "Kinderszenen" op. 15, das gelingt ihm nicht. Als er die vorliegende Einspielung im Jahre 1980 vornahm, hatte er die Partitur offenkundig verinnerlicht. Die langsamen Sätze spielt er innig und intim, den schnellen lässt er den typisch schumannschen Humor angedeihen, der so charakteristisch besonders für seine Klavierwerke ist. Aber dennoch fühlt man sich nicht entrückt, wie wenn ein Wilhelm Kempff die Stücke neu erfindet, sie durchdringt und poetisch weiterspinnt.
Auch die "Kreisleriana" op. 16 gehört zu den unangefochtenen Repertoireklassikern der Klavierliteratur. Das Werk, dessen erste Teile zunächst etwas oberflächlich wirken, entwickelt seine lyrischen Tiefen erst mit den späteren Sätzen. Brendel lässt sich ein auf Schumann, erneut. Aber auch diesmal eröffnet er keine neuen Blickwinkel, nichts, was eine Martha Argerich nicht schon weit und tief ausgeleuchtet hätte. Aber immerhin: Das Niveau, das die Argerich hier vorlegt, zu erreichen, ist ja schon eine Kunst.
Ausgezeichnet wiederum ist Brendels Deutung der seltener gehörten "Fantasiestücke" op. 12. Überhaupt handelt es sich dabei um ein vernachlässigtes Meisterwerk Schumanns. Brendel spielt kräftig und espritvoll. Natürlich ist sein Anschlag lyrisch, aber zugleich zupackend. Er träumt auf dem Klavier, erzeugt farbenreiche Abstufungen und überraschende Effekte, die die Einspielung umso trefflicher machen.
Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet, nur leider ist die Aufmachung der CD für Decca Verhältnisse eher lieblos und wenig aussagekräftig. Was bleibt, ist eine weniger gelungene Platte von Alfred Brendel. Aber weniger gelungen heißt bei ihm ja schließlich immer noch sehr gut...