Eine Rezension von buecherzeit :
Es ist die Geschichte von Max Weber, einem einfachen Menschen, der in einem Gefängnis eine Strafe wegen Selbstjustiz verbüßen muss: Er rächte seine Frau Anna, welche von zwei Männern brutal vergewaltigt und anschließend ermordet wurde. Nun aber soll Max, vorzeitig aus der Haft entlassen werden, da bei ihm eine tödliche Krankheit festgestellt wurde: Er hat Blutkrebs. Um Geld zu verdienen, sucht Max einen Bekannten aus dem Gefängnis auf. Er bekommt einen Auftrag, für den ihm 25.000 Kronen versprochen werden. Doch als Max Weber am ausgemachten Treffpunkt eintrifft, findet er den Freund tot vor und begegnet zwei zwielichtigen Gestalten. Diese wollen Max den Mord anhängen (überall sind seine Fingerabdrücke) und erpressen ihn. Wenn Max einen Menschen umbringt, so bleibt sein Sohn - sein Ein und Alles - am Leben. Er muss sich, da er seinen Sohn liebt und nicht mit dem Mord an Vincent Muus, seinem Freund, in Verbindung gebracht werden will, darauf einlassen und begibt sich nach England, wo er Sarah Zilken, eine einflussreiche Geschäftsfrau, ermorden soll. Er lernt Sarah Zilken und deren wundervolle Sekretärin Louise kennen und wird schließlich zu einem Abendessen eingeladen. Max soll die Geschäftsfrau durch ein professionelles Feuer töten, dass allerdings bei seinem Gespräch mit ihr, durch einen anderen gelegt, entfacht wird. Max kann noch im letzten Moment das Haus verlassen und überlebt den Anschlag so. Für Sarah Zilken allerdings bestehen keine Hoffungen mehr. Er trifft Louise, die Sekretärin, wieder und langsam lüftet sich das Durcheinander der letzten Tage. Louise weiß, dass Sarah Zilken Angst hatte und ständig auf der Flucht war. Man beschließt, dass Max untertaucht und den Mann der Zilken, Aksel Moreno, in Messina besucht. Über viele Umwege gelingt es ihm Moreno ausfindig zu machen und mit ihm ins Gespräch zu kommen. Aksel Moreno erzählt ihm die Geschichte von der "Loge", einer sektenähnlichen Gruppierung, aus der seine Frau und noch zwei andere austreten wollten, weil die Vorgehensweisen der Sekte ausuferten und sie mit deren Idealen nicht mehr zufrieden waren. Außerdem erfährt Max, dass er nicht wegen der Krankheit, sondern wegen einer "Reinigung innerhalb der Sekte" vorzeitig entlassen wurde. Max entdeckt die große Verschwörergruppe, der auch Kriminalbeamte angehören, und beginnt ein raffiniertes Katz- und Mausspiel...
Am Anfang des sehr abwechslungsreichen Buches, gestaltet der dänische Erfolgsautor Bjarne Reuter mit britischem Humor und einfachem Satzbau ein amüsantes Fragment, das im Gegensatz, wenn nicht zu dem gesamten Werk, so doch zum Anfang steht. Es gibt wenige solcher Momente in diesem Buch, was sicher mit dieser Kriminalgeschichte zu tun hat. Ja es ist eine Kriminalgeschichte; aber eine, welche ganz ohne Polizei und ohne Detektiv auskommt. Hier gibt es nur den einfachen Max Weber, der gerade weil er ein Mensch von nebenan ist, die Leser so gut unterhält. Mit Spannung verfolgt man das Geschehen im Buch: zittert, hofft und kämpft mit dem Helden. Zusammen mit ihm denkt man zurück an seine Frau und an seinen Sohn, der unberührt von alledem gerade eingeschult wird.
Bjarne Reuter schreibt mit Kinderspiele einen vielschichtigen und gesellschaftskritischen Roman, der manchmal kitschig, manchmal utopistisch, dann wieder mit dem nötigen Ernst - immer aber in dem richtigen Ton - die Angst vor der Ohnmächtigkeit des Individuums, die Liebe zu seinem Kind und das Familienideal, den brutalen Mord, den Fremdenhass und die Zusammenarbeit von Staat und Verbrechen darstellt.
Der Autor schreibt die Geschichte über den ruhelosen Einzelkämpfer Max Weber sehr offen, übergeht aber oftmals - absichtlich - das Detail und lässt dem Leser so ausreichend Platz für seine Fantasie. Dabei schafft es Bjarne Reuter durch Rückblenden und Einfügungen, durch geschickte Handlungsverfremdung und durch ein raffiniertes Personengitter eine Spannung in dem Leser aufzubauen, welche man nur bei wenigen Autoren dieser Zeit erlebt.
Kinderspiele - dieser Titel stellt sich bei der Lektüre als diskussionswürdig heraus. Zum einen könnte der Titel dadurch gerechtfertigt werden, dass alles Geschehen auf Grund der Liebe Webers zu seinem Kind basiert. Andererseits stellt sich dem Leser das Sektenspiel um die "Loge" als ein ausgeufertes Kinderspiel dar, aus dem Einige aussteigen, deren Gebote brechen wollen. Freunde werden zu Feinden.
Ein empfehlenswert mannigfaltiger und schneller Roman. Oliver Feiler.