Wer heutzutage wie der Rezensent als Vater eines kleinen Sohnes im Vorschulalter die Hausmann- und Familienmanagerrolle übernommen hat, macht in den vier Jahren, in der der Sohnemann den Kindergarten besucht, mit den dort auftretenden Müttern der anderen Kindern die allerseltsamsten , außergewöhnlichsten und oft auch sehr ärgerlichsten Erfahrungen.
Von ihren Ängsten um die unsichere Zukunft ihrer Kinder zerfressen, ( was das mit ihrer eigenen zu tun hat, reflektieren sie meistens nicht bewusst) ruhen sie nicht, um ihren Kindern etwas zu bieten, was sie für Bildung halten. Sie verbringen dabei mehr Zeit damit, mit anderen Müttern über ihre Sorgen zu sprechen und darüber, was im Kindergarten wieder einmal nicht gut genug läuft, sie fahren länger ihre Kinder von einem Event ( Frühenglisch ist dabei nur die Spitze des Eisbergs) zum anderen, als dass sie zuhause mit ihnen spielen, erzählen, vorlesen oder basteln.
Wenn das letzte Kindergartenjahr angebrochen ist, bricht regelmäßig bei den Müttern der betroffenen Kindern eine regelrechte Panik aus. Da werden besondere Vorschulprogramme gefordert, man behauptet, die Kinder würden sich langweilen und vieles mehr. In den nun zu Ende gehenden vier Jahren, die mein Sohn den örtlichen, sehr guten Kindergarten besucht hat, habe ich unter anderem auch in der ehrenamtlichen Elternarbeit und bei meinen wöchentlichen "Lesezeiten" im Kindergarten, in denen ich Kindern Bilderbücher vorlese und Geschichten erzähle, habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass diese Haltung der Mütter, insbesondere derer, die nicht berufstätig sind, immer radikaler, fordernder und teilweise unverschämter wird.
Vielleicht kann das vorliegende Buch der Amerikanerin Romi Lassally diesen verängstigten und mit ihren wirklichen Erziehungsaufgaben total überforderten Frauen ein wenig die Augen öffnen und dabei auch ihre Seele entlasten. "Ich habe meinen Kindern immer noch nicht beigebracht, wie man die Uhr liest", behauptet sie in einer ihrer "1000 Beichten von ganz normalen Müttern", die zeigen, dass Kinder auch ganz gut ohne die mütterliche Perfektion aufwachsen, sich entwickeln und gedeihen können. Auch wenn man die amerikanischen Verhältnisse natürlich nicht 1:1 nach Deutschland übertragen kann, bietet das Buch eine Menge ermutigende, ehrliche und gleichzeitig lustige und entspannende Beispiele, die zeigen: auch Mütter sind nur Menschen.
Wenn sie sich denn trauen, solche zu sein, und keine perfekten Mütter. Eine vertiefte Debatte über die Rolle der Mütter und der Väter bei der Erziehung ihrer Kinder, über das, was Kinder heute vor allem brauchen, ersetzt dieses Buch natürlich nicht. Das ist aber auch nicht seine Absicht.