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Der Name Hans Katzenbogner wird wie kein anderer mit der Kinder- bzw. Spielleichtathletik in Verbindung gebracht. Der Autor ist Schulleiter an einer Grundschule und seit Jahrzehnten als Leichtathletiktrainer mit Kinder- und Jugendgruppen aktiv. Wie er bereits in zahlreichen Fachpublikationen für die Zeitschrift „Leichtathletiktraining" unter Beweis gestellt hat, versteht er es auch diesmal aus seinem umfangreichen Erfahrungsreservoir zu schöpfen und vor allem auf der Inhaltsebene Akzente für die Kinderleichtathletik zu setzen. Genau diese Kompetenz macht sich der Deutsche Leichtathletik Verband zu nutze, indem er das vorliegende Buch als Rahmentrainingsplan für die Kinderleichtathletik empfiehlt. Das Buch wird mit einer knapp gehaltenen Ideenskizze zu den Strukturen aktueller Kindheit eingeleitet, zu der der Autor seine thesenartigen Ideen für die Konzeption der Kinderleichtathletik gesellt. Offensichtlich geht die Bewegungszeit der Kinder vielerorts ebenso zurück wie das Interesse an Sportarten, in denen man sich langfristige Ziele setzen und diese dann in einem systematischen und mühevollen Training verfolgen muss. In diesem einleitenden Kapitel wird auch deutlich welches Bild sich der Autor von den Kindern gemacht hat, die für die Leichtathletik gewonnen und begeistert werden sollen: „Die Einstellung der jungen Menschen zum Sport hat sich vielfach geändert. Unverbindlichkeit und „Outfit" sportlicher Betätigungen bestimmen die Handlungsmotivation" (S. 4). Es soll deshalb auch im Leichtathletiktraining darum gehen, den kindlichen Drang nach permanenter Abwechslung ebenso zu berücksichtigen, wie auch deren Wunsch nach dem Spektakulären und Schnellebigen. Da diese Voraussetzungen im Grunde überhaupt nicht zu den traditionellen Werten leichtathletischen Leistens, Wettkämpfens und Trainierens passen plädiert der Autor dafür, die Kinderleichtathletik so zu thematisieren, dass sie von den Kindern als attraktive Freizeitbeschäftigung wahrgenommen werden kann. Im Zuge der als notwendig erachteten Reformbemühungen wird der Fokus wird also nicht auf die Defizite der Kinder, sondern auf die Methodik des Unterrichts und Trainings konzentriert. Statt des erhobenen Zeigefingers sind also innovative methodische Akzente und abwechslungsreiche Inhalte gefragt, womit die Stoßrichtung dieser „Kinderleichtathletik" beschrieben ist.
Aus den einleitend skizzierten Eckpunkten des konzeptionellen Ansatzes folgt für die Praxis, dass den Kindern dort ein vielfältiges leichtathletisches Bewegungs- und Lernangebot bereitgestellt werden soll, weshalb Katzenbogner konzeptionell auf den bewährten Fähigkeitsorientierten Ansatz zurückgreift und gleich im zweiten Kapitel den besonderen Stellenwert der koordinativen Fähigkeiten hervorhebt. Das die klassischen Fähigkeitsmodelle in der aktuellen bewegungswissenschaftlichen Diskussion vermehrt in Frage gestellt und deshalb durch Vorschläge zu sogenannten koordinativen Funktionen (HOTZ) oder koordinativen Anforderungen (NEUMAIER) ersetzt werden, erfährt der Leser in diesem Kapitel leider nicht. Dafür wird aber der Wert des Fähigkeitsansatzes, nämlich für eine vielfältige Praxis zu garantieren, überzeugend herausgearbeitet. Neben einigen methodischen Hinweisen zur Schulung der koordinativen Fähigkeiten (u.a. „Entwickeln von Bewegungsvorstellungen", „Variation und Kombination von Übungen", Bedeutung der Bewegungserfahrung, ...) findet der Leser bereits am Ende dieses übergreifenden Kapitels einen sorgfältig ausgewählten Fundus einschlägiger Übungs- und Spielvorschläge, der im Training für die kindgerechte Entwicklung der koordinativen und konditionellen Fähigkeiten eingesetzt werden kann. Die mit überaus gelungenen Fotos und präzisen Beschreibungen referierten Praxisvorschläge durchziehen das gesamte Buch. Dabei haben sich Autor und Fotograf auf eine repräsentative Auswahl der wichtigsten Spiel- und Übungsvorschläge konzentriert. Dieser praxisnahe rote Faden wird in den anschließenden Kapiteln mit Beispielen zu speziellen Übungen und Spielen fortgesetzt, die der Leser für die Entwicklung des Laufens, Springens und Werfens einsetzen soll. Auch hierbei wird jeweils ein knapper - aber treffender - methodischer Zugang gewählt bevor die Praxisbeispiele präsentiert werden. Der Autor erläutert zu jedem Inhaltsbereich auf wenigen Seiten ausgewählte Aspekte der Sachanalyse und vertieft einschlägige methodische Hinweise, die immer wieder zu ordnenden Übersichten zusammengefaßt werden. Auf diese Weise werden beispielsweise zum Themenbereich „Ausdauernd laufen" 40 (!) Praxisvorschläge, auf acht Kategorien verteilt, in einer Abbildung zusammengefasst, bevor ausgewählte Beispiele zu dieser Struktur exemplarisch vertieft werden. Nach demselben Muster werden auch andere Inhaltsbereiche zum Laufen (z.B. Starten, Staffellaufen und Hürdensprint) sowie die verschiedenen Themen zum Springen und zum Werfen differenziert aufgearbeitet und vertieft. Ergänzt werden diese Praxiskapitel durch eindrückliche und fototechnisch überaus gelungene Lehrbildreihen der wichtigsten Techniken und sorgfältig aufgearbeitete Hinweise zu Sicherheitsaspekten (z.B. zum Hochsprung Kap. 4.1. S. 18/19).
Eine weitere Nuance des hier zugrunde liegenden inhaltlich offenen Leichtathletikverständnisses findet man im sechsten Kapitel, in dem der Autor unter der Überschrift „überfachliche Inhalte" Vorschläge zur Integration des Turnens, des Spielens und des Rhythmischen Bewegens aufgreift. Auch hier werden die Grundtätigkeiten in den ausgewählten Bewegungsfeldern zuerst geordnet und im Anschluss mit der Darstellung ausgewählter Beispiele hinsichtlich ihres Lern- und Trainingswertes für die Kinderleichtathletik vorgestellt. Im siebten Kapitel wird mit der Betonung des Wettbewerbs ein weiterer Grundpfeiler der Kinderleichtathletik in das Buch hinein geholt. Abgeschlossen wird dieser Rahmentrainingsplan mit einer knapp gehaltenen Skizze zur pädagogischen Position der Kinder- bzw. „Spielleichtathletik" und einigen Hinweisen zum adäquaten Trainerverhalten. Zusammenfassend kann bilanziert werden, dass die theoretischen Bezüge der Kinderleichtathletik jeweils in prägnanter Form referiert und aus der Sicht des Autors auf den Punkt gebracht wurden, weshalb sich der Leser hier nicht durch die facettenreichen Fachdiskussionen durcharbeiten muss. Mit Hilfe der hieraus abgeleiteten methodischen Struktur gelingt es Herrn Katzenbogner schließlich die Vielfalt innovativer, spannender und herausfordernder Praxisideen für eine zeit- und kindgemäße Leichtathletik zu strukturieren. Während Pädagogen unter anderem von der Kinderorientierung und der dargebotenen Praxisvielfalt überzeugt sein werden, dürften selbst traditionell denkende Trainer von der sachlogischen Struktur und des konsequent durchgehaltenen Fähigkeitsorientierten Ansatzes (Koordination und Kondition) beeindruckt sein.
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