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Produktinformation
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Nunmehr gibt es unter dem Titel Kinderjahre eine Fortsetzung für das Kleinkindalter bis zur Pubertät. Im Mittelpunkt seiner Betrachtungsweise steht das Kind in seiner persönlichen Entwicklung. Hierbei betont er ausdrücklich, dass die Individualität ausschlaggebend ist, denn so, wie jedes Kind eine unterschiedliche Nahrungsmenge benötigt, um satt zu werden, so dauert es eben auch unterschiedlich lange, bis es keine Windeln mehr braucht, lesen kann oder bereit ist sich für einen längeren Zeitraum von der Mutter zu lösen.
Bei seinem kinderorientierten Erziehungsstil sind drei Kriterien für Largo unabdingbar: Wenn für die Kinder Geborgenheit, Zuwendung und soziale Anerkennung in erster Linie von Eltern oder den zuständigen Bezugspersonen geschaffen sind, wird sich ein Kind nach seinem eigenen Tempo normal entwickeln.
Kinderjahre ist ein flüssig und gut lesbarer Ratgeber, der mit zahlreichen Beispielen aufwartet, in denen übernächtigte oder verzweifelte Eltern Hilfe finden. Sehr ausführlich geht Largo auf die Spielwarenindustrie ein, die gekonnt mit den Ängsten und dem schlechten Gewissen der besorgten Eltern spielt und diese hemmungslos ausnutzt, indem sie eine Fülle von Förderspielen für die Kleinen anbietet.
Es ist bestimmt nicht so, dass es nach der Lektüre dieses Buches keine Streitigkeiten mehr in der Familie geben wird, doch vielleicht kann man sie in Zukunft gelassener mit Karl Valentin angehen: "Wir können Kinder nicht erziehen, die machen uns eh alles nach." --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Mit dem Buch „Kinderjahre" hat der bekannte Kinderarzt nun eine Fortsetzung seines Bestsellers verfasst, welche die Entwicklungsdauer vom Kleinkind bis zur Pubertät umfasst. Auch diesem Werk liegen Erfahrungen aus den erwähnten Zürcher Studien zugrunde.
Der Arzt gibt dem Leser auf den ersten Seiten klar zu verstehen, was er mit diesem Buch bezweckt: „Dieses Buch beschäftigt sich nicht mit Verhaltensstörungen und Erziehungsschwierigkeiten. [...] Es will aufzeigen, weshalb Kinder gehorchen." Das Ziel ist es, bei Eltern und Erziehenden Einsicht und Verständnis wecken, weshalb bestimmte Leistungen - körperliche wie geistige - nicht von allen Kindern gleich und gleichzeitig erbracht werden können. Am Beispiel der Sauberkeitserziehung äussert sich Largo sehr kritisch gegen eine defektorientierte, die Schattenseiten aufzeigende Erziehungsliteratur, welche nur zu oft empfiehlt, mit Grenzen und Massnahmen unerwünschtes Verhalten zu ändern.
Im Mittelpunkt von Largos Sichtweise steht immer das Kind in seiner persönlichen Entwicklung. Von grosser Tragweite ist deshalb die Individualität eines jeden. So verschieden Kinder sind, so unterschiedlich sind auch ihre Entwicklungsschritte, Fähigkeiten und Bedürfnisse: Das eine schläft lange, ein anderes nur kurze Zeit; dieses isst viel, jenes wenig, um zufrieden zu sein.
Jedoch nicht nur die Kinder sind verschieden; auch die Eltern, die Erziehenden. Kinder erziehen kann nicht erlernt werden, wie eine Berufsausbildung. Als weiterer Faktor für die Sichtweise der Erziehung eines Kindes spielen ebenfalls die persönlich erlebten Erfahrungen aus der eigenen Kindheit eine Rolle. Diese Umstände gestalten das Zusammenleben unterschiedlich, oft sogar schwierig, und bringen mannigfaltige Erziehungsmuster hervor. Die Folge ist, dass Eltern und Kinder verunsichert sind. Hier setzt Largo an: Wenn Eltern ihr Kind richtig verstehen und seinen Entwicklungsstand kennen, können sie im Umgang mit ihm das richtige Mass finden. Diese Umschreibung nennt der Autor das „Fit-Konzept", eine Übereinstimmung zwischen Umwelt und Kind. An sich ist diese Erkenntnis nichts Neues, neu jedoch ist, dass Largo das Fit-Konzept auf eine biologische Grundlage stellt: „Wenn die körperlichen und psychischen Grundbedürfnisse eines Kindes befriedigt u n d die Gesetzmässigkeiten seiner Entwicklung beachtet werden, geht es dem Kind und den Eltern gut. Werden sie missachtet, leiden Kind, Eltern und oft auch die Gesellschaft darunter." Diese Unstimmigkeiten (Misfits genannt) sind - laut Largo - die Hauptursachen für Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern.
Largo versteht es blendend den Laien auf die Quintessenz des Buches - das Fit-Konzept - hinzuführen. Zu Beginn zeigt er die Vielfalt gleichaltriger Kinder auf und beschreibt die Entwicklung von Selbst- und Fremdwahrnehmung. Danach äussert er sich zur Bedeutung organischer und funktioneller Strukturen (Anlage), die die Entwicklung des Kindes beeinflussen; leitet darauf zum Faktor Umwelt über, der Grundbedürfnisse stillt und Erfahrungen zulässt, um danach auf die Wechselwirkung von Anlage und Umwelt hinzuweisen.
Als Grundvoraussetzungen einer normalen gesunden Entwicklung bezeichnet der Autor die Geborgenheit, die Zuwendung und die soziale Anerkennung durch die Eltern oder andere Bezugspersonen. Dieser Thematik räumt er deshalb auch viel Platz ein. Mit anschaulichen und einleuchtenden Beispielen wird dem Leser aufgezeigt, dass „Misfits" in diesen Bereichen zu schweren Entwicklungsverzö-gerungen führen können.
In den Kapiteln Intelligenz und geistige Kompetenzen geht Largo tiefer auf die kognitive Entwicklung ein. Dem Lernen wiederum widmet er viel Raum. Es ist ihm wichtig, die einzelnen Entwicklungsschritte, aber auch viele Faktoren, welche das Lernen beeinflussen, zu erläutern. Nun endlich hat der Autor den Laien soweit sensibilisiert, um ihn - am bereits beschriebenen - Fit-Konzept „schnuppern" zu lassen. Sachlich schlüsselt er das Konzept auf, vergleicht es mit anderen Erziehungsstilen, wägt Vorteile ab, zeigt jedoch auch Grenzen auf.
Remo H. Largos Werk liest sich flüssig. Es gliedert sich in acht Kapitel, welche in sich wiederum unterteilt sind. Das Wichtigste eines jeden Unterkapitels wird am Schluss knapp und klar zusammengefasst. Das Buch vermittelt auch einem Laien einen guten und umfassenden Einblick auf die entscheidenden Faktoren, die es bei der Erziehung von Kindern zu beachten gilt. Wer „Erziehungsrezepte" erwartet, wird hier sicher nicht fündig; wer sich jedoch auf die Idee des Fit-Konzepts einlässt, sich mit den Entwicklungsschritten der Kinder auseinandersetzt, der findet eine Fülle von Lösungsansätzen, die ihn in seiner positiven Auseinandersetzung mit Kindern weiterbringt und welche sein Handeln hinterfragen.
Als Vater zweier Kinder im Alter von 8 und 10 Jahren habe ich während der Lektüre des Buches unweigerlich meinen Erziehungsstil hinterfragt. Besonders Situationen, die als schwierig, nervenaufreibend oder konfliktgeladen in meiner Erinnerung haften, habe ich im bezug auf das „Fit-Konzept" zu analysieren versucht und dabei nach Gründen für die eine oder andere Schwierigkeit gesucht. Diesen Vergleich mit dem Alltag erachte ich als sehr bereichernd.
War im Buch "Babyjahre" noch die gesamte Information nach zwei Gesichtspunkten angeordnet, nämlich Thema (z.B. Schlafen, Spielen) einerseits und Alter andererseits, so ist dieses Buch nun vollkommen anders gegliedert. Etwas das ich auf den ersten Blick vermisste, das sich aber bei der Lektüre als korrekte Entscheidung des Autors herausstellte, denn anders als in "Babyjahre" versucht der Autor hier viel mehr ein Konzept zu vermitteln, denn eine Schilderung der Entwicklungsstufen.
Das Konzept das Largo vermitteln möchte nennt er Fit-Konzept. Er vertritt darin die Meinung, dass Kinder sehr gut selbst wissen, wann sie für welchen Schritt in der Lage sind. Dem Kind etwas anderes anzubieten, als das wofür es gerade bereit ist, bringt keinen schnelleren Fortschritt, sondern kann im Extremfall sogar zu einer Verlangsamung der Entwicklung führen. Largo erklärt das an vielen Beispielen, aber jedermann ist klar, dass ein Kind nicht früher Gehen lernen kann nur weil die Eltern es zum Aufstehen anhalten. Es wird diese Fähigkeit erwerben, wenn es weit genug ist. Eine Ansicht aus die als Montessori-Schule auch in die Bildungspolitik Einzug gehalten hat. Man kann zu Montessori stehen wie man will, aber das Konzept von Largo ist gleichsam brillant wie gut umsetzbar. Er belegt diese Meinung auch mit Studien an denen er auch selbst mitwirkte. Interessant ist dann die Darstellung, dass die verfrühte Sauberkeitserziehung (wie in den 60er Jahren noch praktiziert) zu keiner früheren Ausbildung der entsprechenden Kompetenzen bei den Kindern führte.
Wie bereits angedeutet ist der Kern dieses Konzepts, dass die Eltern "bloß" die Umwelt schaffen müssen in denen das Kind sich nach seinen eigenen Bedürfnissen entwickeln kann. Er räumt auch mit dem tradierten Missverständnis auf, dass Kinder verzogen würden, wenn ihre Bedürfnisse befriedigt werden. Kinder sind nicht von Natur aus böse. Aber er stellt auch klar, dass antiautoritäre Erziehung ebenso zum Scheitern verurteilt ist, denn das Kind kann nur dort Entscheidungen treffen, wo es bereits die entsprechenden Kompetenzen entwickelt hat.
Was qualifiziert nun Remo H. Largo um solche Aussagen zu machen? Nun er ist Kinderarzt der international anerkannt publiziert, d.h. also kein Niemand auf dem Parkett der Wissenschaft, sondern ganz im Gegenteil ein renommierter Autor auch für ernsthafte Wissenschafter und nicht bloß für uns interessierte Laien. Dennoch ist es ihm gelungen, das Buch so zu schreiben, dass wirklich jedermann das Buch leicht verstehen kann.
Was mir noch sehr gut gefiel? Das Buch ist sehr gut gegliedert und didaktisch hervorragend gefasst. Alle Regeln über das Verfassen von guten Sachbüchern wurden eingehalten, so wird vor jedem Kapitel kurz das kommende Thema erläutert und am Ende des Kapitels findet sich eine schlagwortartige Zusammenfassung der wichtigsten Aussagen des Kapitels. Hier können sich viele andere Sachbuchautoren ein Scheibchen abschneiden.
Mein Gesamturteil kann daher nur lauten: Hervorragend! Wenn Sie _ein_ Buch über Erziehung und Umgang mit Kindern suchen, dann ist es dieses das Sie lesen wollen. Es vermittelt ein valides und hochwertiges Erziehungskonzept, ist leicht verständlich und gut fassbar geschrieben. Top!
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