Das Buch beginnt im Jahre 2003 mit dem Fund einer Frauenleiche: Imogen Selber-Weiland wird erschossen in ihrer Wohnung von ihrer griechischen Haushaltshilfe aufgefunden.
Wir blenden zurück:
Klaus Marbach, Mitarbeiter am "Schweizerischen Idiotikon", einem Mundart Wörterbuch arbeitet am Bergier Bericht mit, einem Bericht, der sich mit der Rolle der Schweiz im zweiten Weltkrieg befassen soll. Diese Arbeiten beginnen etwa Mitte der 90er Jahre und er lernt als weiteres Mitglied der Kommission Manon de Montmollin kennen. Sie heiraten einander und trennen sich bereits nach kurzer Zeit, nachdem Manon sich anderweitig verliebt hat.
Marbach nimmt sich ein bestimmtes Dossier, in welchem es um einen Enkel eines Schweizer Dialektforscher geht, nochmals vor und stösst bei seinen Nachforschungen auf die Fotokopie eines Zeitungsblattes. Auf einem Bild ist eine "Kinderhochzeit" zu sehen. Es ist Imogen Selber-Weiland und Marbach sucht die Mutter des Mädchens auf und beginnt Nachforschungen im Schweizerisch-Deutschen Grenzland...
Auch wenn das Thema "Schweizerischer Kriegsbeteiligungen" offensichtlich erstaunlich spät zur Bearbeitung gelangt, so hätte es doch Gelegenheit geboten eine fesselnde und vor allem ueber die Generationen und die Deutsch - Schweizerischen Spracheigenheiten "hinweg" aktuelle Geschichte zu schreiben.
Nur die Sprache, in der sich die Geschichte dahin bewegt ist einfach viel zu überfrachtet. Da öffnet sich eine "Flucht von Feininger Zeichnungen am Ende in den von Kondensstreifen gefaserten Berghimmel", Sonnenterassen besitzen einen zyklopischen Unterbau und Menschen Elefantennasen, unförmige Hände zeigen ungeschickte Behutsamkeit. Menschen sehen sich "unverwandt" an und sind es offenbar doch nicht.
Das Buch ist mühsam. Es lässt sich nicht verschlingen. Man kann erahnen, wie schrecklich die Tätigkeit eines Geschichtswissenschaftlers für den Historiker Klaus Marbach in der Schweiz sein muss. Ueberhaupt scheint das Leben manche Gefahren zu bergen, nach dem vierten Whisky - wird "every genius bisexual". Das erscheint alles so unwirklich, dass man sich unwirklich fragt, wer von der Bergier Kommission ist denn gemeint, der hier eine schnelle Nummer mit einem Japaner in einem "unprätentiösen Hotel" hat. Eben, "die Welt ist ein Minenfeld", heisst es später, wenn Marbach auf Imogen trifft: "Die Frau vor ihm aber stand mit offenem Schritt"...
Wer jedoch die Mühe auf sich nehmen möchte, wer akzeptiert, dass hier ein Stück Geschichte bis in die Gegenwart mit zerknittertem Mund und beflissener Befangenheit berichtet wird, der stösst auf ein zumindest ungewöhnliches Stück Literatur. Aber der Leser bringe Zeit und Fleiss mit, um dann bis zum Ende der Geschichte, das ja oben steht zu gelangen... und vielleicht zu verstehen