Irgendwo in der Wüste liegt ein Dorf. Die Bewohner werden über Generationen von diversen Wächterbanden schikaniert und unterdrückt. Und das, obwohl immer mal wieder Personen auftauchen, die dieses Gewaltregime beenden. Es sind dies 5 an der Zahl. Adham, Gabal, Rifaa, Kasim und Arafa. Sie kennen sich nicht, da sie verschiedenen Generationen angehören. Ihnen gemeinsam ist aber, das sie alle ihren 'Auftrag' vom großen Gabalawi erhalten haben (mehr oder weniger). Dieser Gabalawi von dem jeder (außer im ersten Kapitel) als '"unser aller Großvater"' spricht, lenkt und leitet, zuerst direkt, dann irgendwie doch eher unsichtbar, die Geschicke der 5 Männer und somit natürlich auch die der Dorfbewohner. Er lebt im sagenumwobenem Großen Haus am Rande der Wüste. Je weiter das Buch fortschreitet, desto länger hat niemand mehr den Großvater und das Innere des Großen Hauses gesehen. Doch seine Taten und vor allem die seiner 5 Auserwählten bleiben lebendig, da sie immer wieder in den Kaffeehäusern in Form von Liedern zum Besten gegeben werden und sowieso irgendwie immer über allem zu schweben scheinen.
Man muss kein Fachmann zum Thema Religion sein, um sofort die Ähnlichkeiten der Protagonisten mit diversen Gestalten der Religions- und Menschheitsgeschichte zu erkennen. Und wie die großen Vorbilder, schaffen es ja auch die Figuren hier nicht den endgültigen Frieden zu schaffen. Dann fragt man sich unweigerlich warum, es läuft doch alles bestens. Aber hier sterben mit den Menschen auch ihre Ideen.
Ein großartiges Buch, welches sich um die großen Fragen der menschlichen Existenz dreht. Was muss ich tun um glücklich zu sein? Kann man Gewalt mit Gegengewalt bekämpfen? Bekommt man Tradition und Fortschritt unter einen Hut usw.
Es ist lehrreich, leicht lesbar, propagiert Toleranz, hinterfragt blinde Ergebenheit und berührt durch seine völlig unaufgeregte, fast naive Erzählweise den Leser auf fast allen der 570 Seiten. Spannung fehlt genauso wenig wie Tragik und an Aktualität hat es, meines Erachtens nach, seit dem Erscheinen nichts eingebüßt. Ich bin sehr froh es für mich entdeckt zu haben und wünsche diesem Werk noch viele Leser mehr. Die Verleihung des Nobelpreises hat 1988 dazu beigesteuert und ich hoffe, das der baldige erste Todestag des Autors auch einige Buchhandlungen dazu verleiten wird die Werbetrommel etwas zu rühren.