Sich als Eltern mit dem Tod von nahen Angehörigen zu beschäftigen, ist an sich schon schwierig, hat man doch die eigene Trauerarbeit zu leisten und zusätzlich dafür zu sorgen, dass das eigene Kind ebenfalls einigermaßen "heil" durch dieses schockierende Ereignis hindurchkommt.
Dieses Buch ist ein sehr persönliches: Die Autorin hat selbst als Kind ein Geschwister und später die eigene Mutter durch einen Suizid verloren. Vielleicht auch deshalb finde ich, dass dieses Buch sehr behutsam und einfühlsam an das Thema "Tod" herangeht. Mit sehr viel Respekt schreibt die Autorin von verschiedenen Situationen in den Familien, über die ein Todesfall hereinbricht. Vor allem in der ersten Hälfte des Buches geht es aber auch um den Abschied aufgrund eines vorhersehbaren Todes, bei dem Eltern und Angehörige die Kinder in der Familie begleiten können. Durch Gesprächsbeispiele gibt die Autorin viele Hinweise, wie man solche schwierigen Gespräche mit Kindern gestalten KANN. Ein wenig irritiert hat mich ein Gespräch, in dem um die Frage "Mama, stirbst du auch?" herumlaviert wird (besser wäre gewesen, diese Frage aus dem Buch herauszuhalten.) Aber so ist es wohl wie mit allen anderen Fragen auch, die um den Tod eines Elternteils, eines Geschwisters, eines Großelternteils oder sogar eines Haustieres herum auftauchen: Im Grunde sind Eltern immer wieder gefordert, intuitiv die richtigen Worte zu finden, ganz individuell auf das Kind einzugehen. Denn das ist eigentlich der Grundtenor dieses Buches: Es gibt so viele verschiedene Arten, wie Kinder trauern, es gilt nur, dies auch anzunehmen und nicht Gefühle von Wut oder Agressivität unterdrücken zu wollen oder das Kind zwingen zu wollen, sich aus seiner selbstgewählten Isolation herauszubegeben. Allerdings bleibt das Buch in vielerlei Hinsicht ein wenig "schwammig": Wirklich konkrete Ratschläge findet man denn auch in diesem Buch vergebens (außer bei der Frage nach einer Therapie): Zum Beispiel die Frage, ob Kinder mitgehen sollen zur Beerdigung oder wie es mit dem Schulbesuch nach einem Todesfall aussieht, wird nur beantwortet mit: "Das Kind entscheiden lassen." Nun, damit sind Kinder - auch je nach Alter - manchmal überfordert, und so können Eltern in der konkreten Situation durchaus auch überfordert sein, vor allem, wenn so viele wohlmeinende Menschen auch noch ihre "Tipps" parat haben. Dann ist es aber sicher gut, wenn Eltern schon vorher sich eine Meinung gemacht haben und vertrauen können darauf, dass das, was sie selbst für richtig halten, auch richtig ist.
In dem Buch wird auf viele verschiedene Situationen eingegangen, die eintreten können. Es muss nicht unbedingt der Tod eines nahen Angehörigen sein, es kann auch der Tod eines Elternteils eines Freundes sein, der ein Kind aus der Bahn wirft.
Ich finde, auch wenn es sehr schwierig ist, sich mit diesem Thema zu beschäftigen (die Angst davor ist in unserer Gesellschaft sehr groß, worauf auch die Autorin immer wieder hindeutet, wenn sie Situationen schildert, in denen außenstehende Erwachsene mit einem trauernden Kind sprechen), kann es nicht schaden, es trotzdem - auch schon bevor der Schlimmstfall eintritt - zu tun. Und ich finde, das gilt nicht einmal ausschließlich für Eltern: Berührt hat mich die in dem Buch geschilderte Situation, in der ein Direktor einer Schule einer Klasse die Nachricht vom Suizid eines Mitschülers überbringt und den Satz nachschiebt: "Das ist auch kein Wunder bei einer Klasse wie dieser, wenn sich einer umbringt." Hätte der Direktor mal vorher dieses Buch gelesen, hätte er hoffentlich diesen nie ungeschehen zu machenden Satz nicht geäußert.
Es mag Menschen geben, die rein intuitiv wissen, wie sie sich am besten verhalten in einer schwierigen Situation. Viele Menschen können aber mit solchen Situationen schlecht umgehen. Meine persönliche Meinung ist, dass dieses Buch (oder von mir aus auch ein anderes in dieser Richtung, aber dieses ist auf jeden Fall geeignet) eigentlich jeder Mensch mal lesen sollte, denn man kann immer mal als Nachbar oder entfernter Bekannter einer betroffenen Familie oder eines betroffenen Kindes mit diesem Thema konfrontiert werden. Es nimmt Berührungsängste, sensibilisiert für ein Tabuthema und gibt betroffenen Eltern Trost und das Gefühl, nicht allein zu sein.