Was bedeutet Protestantismus im Jahre 15 der Berliner Republik. Was kann, was sollte er leisten? fragt Wolfgang Huber.
Nach Entgleisungen wie "Dominus Jesus" reden auch die überzeugtesten ökumenisch gesinnten Christinnen lutherischem Selbstbewußtsein das Wort. Sie werde nicht um die Anerkennung als Kirche bei Orthodoxie und Katholizismus betteln, sondern als Protestantin einfach eine solche verkörpern und in Gemeinschaft leben, meint Margot Käßmann.
In Manfred Kocks Beschäftigung mit moderner Kunst glaubt Wilfried Köpke, der diese Gespräche mit den drei exponierten Protestanten geführt und zu einem Buch zusammengestellt hat, das urevangelische Anliegen des Bildersturms wiederzuentdecken.
Es scheint in der evangelischen Kirche eine neue Bewegung zurück zu den Wurzeln zu geben, die selbstbewußt das Eigene vertritt, nachdem sie sich durch ein System "allen wohl und niemand wehe," angreifbar gemacht - bis hinein in die theologische Ausbildung und Ausrichtung, wie vor allem Herr Kock aufzeigt - und in eine Opferrolle hat drängen lassen. Ein im Buch nicht erwähntes, aber recht passendes Beispiel dafür ist m. E. der Streit um den Wegfall des Buß- und Bettages als arbeitsfreier Feiertag im Jahre 1995, der die Einführung der Pflegeversicherung mitfinanzieren sollte.
Die Überschrift ist ein Zitat aus dem Hebräerbrief (4.12), die als Motto über dem 31. Evangelischen Kirchentag 2007 in Köln stand, der diese Tendenz verstärkt und weitergeführt hat. Der Islam zum Beispiel war dort nicht nur ein gerngesehener Gast, sondern ein echt herausfordernder und, das war neu: herausgeforderter Gesprächspartner.
Das vorliegende Werk ist eine interessante Situationsanalyse im Vorfeld des 30. Kirchentages von Hannover 2005. Sehr spannend wird es für mich sein, wie der erwähnte Prozess weiterläuft. Werden wir gewisse Praktiken in der evangelischen Kirche bald aufgeben und andere einführen, weil Selbstbewußtsein mit Dogmatik verwechselt werden wird oder können wir die von Luther in bezug auf Paulus so hochgeschätzte "Freiheit eines Christenmenschen" weiter ausbauen, entwickeln und gestalten? Ich habe da hauptsächlich Dinge wie die Gastfreundschaft am Abendmahlstisch im Blick!
Vorschnelle Kassandrarufe sind allerdings meine Sache nicht. Die hohe Wertung für das Buch auch deshalb, weil ich glaube, daß der skizzierte Prozeß die protestantische Abteilung des Christentums einfach lebendiger, kräftiger und schärfer machen, kurz: ihr ein besseres Profil geben, wird.
Und ist nicht genau das in den letzten Jahren immer wieder lautstark eingefordert worden?