Viele Kinder können nicht auf einem Bein hüpfen, haben Schwierigkeiten, einfache Anweisungen umzusetzen. Viele Kinder sind ungeschickte Kletterer, andere können sich nicht auf eine Sache konzentrieren. Und wieder andere weigern sich zum Erstaunen ihrer Eltern, auf der Wiese oder im Sand barfuß zu laufen. Immer mehr Kinder ecken mit unangepasstem Verhalten in der Öffentlichkeit an, gelten als „schlecht erzogen".
Rita Steininger erklärt in ihrem neuen Buch „Kinder lernen mit allen Sinnen", worin die Ursache dieser Auffälligkeiten zu suchen ist: Diese Kinder könnten Wahrnehmungsstörungen haben. Sie sind weder dumm noch haben ihre Eltern bei der Erziehung versagt.
Im ersten Teil ihres Buches führt die Autorin die verschiedenen Formen von Wahrnehmungsstörungen und ihre Symptome auf, sodass Eltern und Erzieher mögliche Störungen leichter erkennen können. Der zweite Teil, das Herzstück des Buches, gibt eine Fülle von Anregungen, wie betroffene Kinder von ihren Eltern gefördert werden können. Da gibt es vor allem Spiele für alle Gelegenheiten, zu zweit, mit der ganzen Familie oder beim Kindergeburtstag. Aber auch im Alltag kann man Kinder fördern - beim Kochen und beim Essen, beim Einkaufen und beim Spazierengehen.
Die Autorin hat einen umfassenden Ratgeber für Eltern und Erzieher vorgelegt, der seinem Namen alle Ehre macht: Er gibt ratlosen Eltern konkrete Hilfen an die Hand, wie sie ihr Kind verstehen, begleiten und sinnvoll fördern können. Wie beim ersten Titel der Autorin („Wie Kinder richtig sprechen lernen") ist es wieder ein großes Plus auch des neuen Buches, dass es absolut verständlich geschrieben ist. Es wendet sich nicht an professionelle Therapeuten, sondern an alle, die Kinder erziehen. Gründlichst recherchiert und in klarer, für Laien verständlicher Sprache geschrieben, ist dies Buch ein Lichtblick in der Fülle der Ratgeberliteratur - und ein Glücksfall und Pflichtlektüre für alle Eltern und Erzieher.
Dorothea Steinbacher