Was sind die Grundbedürfnisse unserer Kinder? Thomas Grüner ermutigt Eltern, dieser Frage in ihrem Erziehungsalltag mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Einfühlsam und klar schildert der Psychologe und Gründer des Freiburger Instituts für Konflikt-Kultur die Sehnsucht aller Kinder nach Sicherheit, Liebe, Freiheit, Spaß und Anerkennung. Erziehung, so Grüner, kann nur gelingen, wenn Eltern diese fünf kindlichen Grundbedürfnisse kennen und ernstnehmen.
Grüners „kleine Elternschule" ist eine positive Herausforderung für Eltern. Um Kinder „stark und glücklich" zu machen, wird Ihnen so einiges abverlangt: leistungsfreie Zeit schenken, eindeutig und überprüfbar kommunizieren, schnell und deutlich Grenzen setzen, standhaft bleiben. All dies kostet Kraft. Die Ausflüchte, zu denen Eltern oft greifen, um Konflikte zu umschiffen und einen konsequenten Erziehungsstil zu vermeiden, benennt Grüner offen. Ohne erhobenen Zeigefinger verweist er auf ihre Ursachen: die Angst der Eltern, von den eigenen Kindern abgelehnt zu werden oder aber die Sorge, vor anderen Eltern als „Zuchtmeister" dazustehen. Und nicht zuletzt die verquere Vorstellung, Kinder und Eltern könnten einfach Freunde sein und als solche eine basisdemokratische Erziehungskultur pflegen, in der die Eltern ihre Erziehungsziele plausibel machen und die Kinder zu guter Letzt einsehen, dass es besser ist, um acht ins Bett zu gehen.
Auch die Kindern werden gefordert. Denn wer Eltern rät, klare Grenzen zu ziehen, der mutet Kindern zu, die Frustration der Begrenzung zu erleben. Wer Eltern rät, das Verhalten (nicht die Person!) ihres Kindes offen abzulehnen, der mutet Kindern zu, diese Ablehnung zu verkraften. Und wer Eltern rät, von ihren Kindern für verletzendes oder gewalttätiges Verhalten eine Wiedergutmachung einzufordern, der mutet Kindern zu, die Konsequenz ihres Verhaltens mit voller Wucht zu spüren.
Erstaunlicherweise, und dies belegt Grüner mit vielen Beispielen und Zitaten aus seiner beruflichen Praxis, werden genau diese „Zumutungen" von Kindern als hilfreich empfunden - unter einer Bedingung: Sie müssen sich als Person mit ihren Gefühlen und manchmal heftigen Bedürfnissen von ihren Eltern angenommen fühlen.
Eltern werden in diesem Erziehungsleitfaden ermutigt, mehr Konsequenz und Klarheit zu wagen. Sie werden gleichzeitig aufgefordert, ihren Kindern viel Lob und Anerkennung für positives Verhalten zu zollen. Thomas Grüner erinnert daran, dass positives Sozialverhalten nicht „normal" ist, sondern eine Fähigkeit, die sich unser Nachwuchs hart erkämpft. Kinder, die Grenzen akzeptieren oder in der Lage sind, sich in andere einzufühlen, passieren Meilensteine auf ihrem abenteuerlichen und oft beschwerlichen Weg durch die Erziehungslandschaft der Erwachsenen.
Dass Eltern diesen Weg auch als Schatzsuche gestalten können, bei der am Ende eine Belohnung winken soll und darf, ist eine der vielen guten Nachrichten dieses Buches!