Kinder zu erziehen, zu bilden und zu betreuen scheint nach wie vor im überwiegenden Maße die Aufgabe von Frauen zu sein. Sonnst kann man sich nicht vorstellen, dass dieses Titelbild gewählt worden ist. Nur Frauen mit Mädchen und Jungen stehen da in unterschiedlichen Posen nebeneinander und es fehlen die Männer. Dies wird der bundesdeutschen Realität keinesfalls mehr gerecht, insbesondere wenn man neben der Erziehung in Kindertageseinrichtungen noch andere Angebote für Kinder hinzunimmt. Dies ist aber schon fast der einzige Kritikpunkt, den man wohl als Auszubildende/r oder Sutdierende/r für einen pädagogischen Beruf bei diesem Band verschmerzen kann. Denn für diesen Personenkreis ist dieser fast 800 Seiten starke Sammelband ansonsten ein äußerst informativer und hervorragend strukturierter Fundus für die unterschiedlichen Fragestellungen in Ausbildung, Studium und Praxis. In sechs Großkapiteln sind untergliederte Bereiche intensiv erarbeitet worden.
So werden zunächst die Grundlagen des Erzieher/-innenberufs auf über 100 Seiten aufgezeigt. Dabei kommen sowohl die Persönlichkeit und das Rollenverständnis sowie die Organsiation und rechtliche Aspekte zur Geltung. Im Abschnitt "Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe" werden die unterschiedlichen Tageseinrichtungen, die offene Kinder- und Jugendarbeit sowie Hilfen zur Erziehung und die Ganztagesgrundschule detaillierter vorgestellt. Pädagogische, psychologische und soziologische Gesichtspunkte kommen im dritten Abschnitt zur Sprache, wobei hier der jüngeren gesellschaftlichen Entwicklung ein besonderes Augenmerk geschenkt wird. Für den direkten Kontakt zu den anvertrauten Kindern ist der Abschnitt IV der Glanzpunkt des Bandes. Denn hier werden geordnet nach Ästhetik und Kunst - Bewegung - Ethik, Religion und Philosophie - Gesundheit -Literacy - Mathematik - Naturwissenschaft und Technik - Medien - Musik und Rhythmik - Natur und Umwelt - Emotionale und soziale Kompetenz - Spiel - Sprache auf über 350 (!) Seiten die unterschiedlichen Spiel- und Bildungsaspekte erörtert. Es gelingt dabei in ausgewogenem Verhältnis Praxis, Theorie und Reflexion miteinander zu verknüpfen, so dass man als Praktiker/-in die jeweilige Bedeutung und Beispiele für die Umsetzung in die Praxis erhält. Im vorletzten großen Abschnitt wird auf Medizinische Notfälle und körperliche sowie psychische Erkrankungen eingegangen, aber auch dem Aspekt der Kindesmisshandlung und der Integration von Menschen mit Behinderung ausreichend Rechnung getragen. Der letzte Buchabschnitt stellt verwendete und weiterführende Literatur sowie die Autoren/-innen vor, verzeichnet die verwendeteten Bilder und enthält ein ausführliches Stichwortverzeichnis.
Eine Vielzahl von aktuellen, farbigen Fotos, Cartoons, Abbildungen, Graphiken unterstreichen die gut verständlichen Textpassagen. Immer wieder sind auch Internetlink- und Literaturempfehlungen in die Texte eingefügt.
Die farbige Untergliederung der großen Abschnitte am Seitenrand erleichtert die Orientierung und klare Piktogramme bzw. farbige Textunterlegungen mit Definitionen, zentralen Aussagen, Praxisbeispielen oder Reflexionsfragen helfen dabei, diesen schwergewichtigen Band als unerlässliche Hilfe in der Ausbildung zu nutzen. Dabei werden sowohl die Anleiter/-innen als auch die Auszubildenden oder Studierenden hiervon profitieren. Bei den Ausführungen zu Berufsverbänden bzw. Gewerkschaften werden leider nicht alle Verbände oder Gewerkschaften, die für sozialpädagogische Fachkräfte in Frage kommen genannt, sondern einzelne beispielhaft hervorgehoben. Hier wäre es gut gewesen, mehr Ausgewogenheit darzulegen.
Insgesamt ein ungewöhnlich breitgefächertes, topaktuelles und damit angemessen preiswertes Nachschlage, Lehr- und Lernwerk, das in passender Weise und Reihenfolge Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern darstellt!