Es ist wohl wahr - neu ist die grundlegende Story von "Kinder der Ewigkeit" nicht: Ein Auftragskiller, der versucht eine ehrliche Laufbahn einzuschlagen, wird von einem mysteriösen Auftraggeber zu einem letzten Job getrieben und wird schließlich selbst vom Jäger zum Gejagten. Aber, die Welt und die Hintergründe, in der Brandhorst diese Geschichte ablaufen lässt, entschädigt für den etwas abgedroschenen Plot.
Die Story spielt in der fernen Zukunft. Die Menschheit hat sich über viele Lichtjahre hinweg in der Galaxis ausgebreitet. Mit Hilfe von Transport-Netzen, die von so genannten Webern gebaut werden, ist auch überlichtschnelle Raumfahrt möglich.
Darüber hinaus sind die Menschen nicht unwesentlich von den so genannten Magistern abhängig. Diese künstlichen Intelligenzen überwachen nicht nur die Transport- und Kommunikationsnetze, sondern stellen auch Regeln und Gesetze auf, nach denen die Menschen zu leben haben. So kontrollieren die Magister auch einen langwierigen, über mehrere Stufen ablaufenden (Behandlungs-) Prozess, nach dem sich bestimmte Menschen die Unsterblichkeit verdienen können. Diese Rahmenbedingungen spalten die menschliche Zivilisation in drei Schichten. Die Unsterblichen - Erlauchte genannt - die sich mit umfangreichen Privilegien ausgestattet, auf ihnen vorbehaltenen Planeten an ihrem ewige Leben erfreuen. Die Kandidaten, die auf dem Weg zur Unsterblichkeit sind, je nach Phase, in der sie sich befinden, einen gewissen Rang bekleiden und entsprechendes Ansehen genießen. Und Menschen von den niederen Welten, denen durch die Magister der Zugang zur Unsterblichkeit allein wegen ihrer Herkunft untersagt wird.
Esebian ist ein Kandidat hohen Ranges und hat sich seinen Status auf illegalem Weg als Auftragskiller verdient. Zwar versucht er, diesen Job an den Nagel zu hängen und sich den Rest seines Aufstiegs auf ehrlichem Weg zu erarbeiten, aber als plötzlich ein mysteriöser Fremder beim ihm auftaucht und ihm einen Auftragsmord anbietet, scheint die Unsterblichkeit greifbar nahe. Die Verlockung ist groß, doch Esebians Zielperson ist kein geringerer als der Vorsitzende des Dirketoriats der Erlauchten...
Tatsächlich gelingt es Esebian schließlich, seinen Auftrag zu erfüllen. Doch muss er bald feststellen, dass er betrogen wurde, ihm sein Auftraggeber nun selbst nach dem Leben trachtet und auch die Ermittlungsbehörden mit aller Macht die Jagd auf den Mörder des Erlauchten eröffnet haben.
Brandhorst erzählt diese Space Opera packend und spannend. Die Tatsache, dass der Hauptprotagonist alles andere als "ein Guter" ist, gibt der Story durchaus einen zusätzlichen Reiz. Die Figur des Esebian erinnert mich dabei durchaus an Valdorian, den Brandhorst-Leser aus der Kantaki-Trilogie (s.
Diamant,
Der Metamorph und
Der Zeitkrieg) kennen werden. Außerdem bilde ich mir ein, einige Zitate oder Anleihen bei anderen Science Fiction Romanen wieder erkannt zu haben. Die Möglichkeit Unsterblichkeit "verliehen" zu bekommen und die möglichen evolutionsbedingten Nachteile von Unsterblichkeit, erinnerten mich z.B. an Scott Westerfelds' Weltensturm (
Weltensturm, den zufällig Brandhorst ins Deutsche übersetzt hat). Den Weber, der sein Netz durch Galaxien webt, gibt es im gleichnamigen Buch von China Mievielle (
Der Weber: Perdido Street Station, Bd. 2) und wer John Keats (... dessen Name in Wasser geschrieben ist ...) in einem SF zitiert, der weckt natürlich die Erinnerung an Dan Simmons' Hyperion-Gesänge (
Die Hyperion-Gesänge, mein absoluter Favorit unter den Space Operas). Dabei hatte ich in keinem der o.g. Fälle das Gefühl, Brandhorst hätte bei anderen SF-Werken abgeschrieben oder Ideen geklaut - es waren eben einfach Zitate oder Reminiszenzen, die möglicherweise noch nicht mal beabsichtigt waren.
Aber wo wir gerade bei SCIENCE Fiction sind: mit wissenschaftlicher Fundierung hat Brandhorst offensichtlich nichts am Hut. So erklärt er auch nicht ansatzweise, wie die Weber-Netze eigentlich funktionieren oder gewebt werden, entledigt sich damit aber sehr einfach dem Problem der Zeitdilatation. Auch wie man sich das mit der Unsterblichkeit vorzustellen hat oder was nun wirklich bei den dazu notwendigen Behandlungen passiert, bleibt völlig unklar. Freunde der Hard-SF werden hierüber enttäuscht sein.
Mein letzter Kritikpunkt sind die unzähligen und aus meiner Sicht teilweise völlig überflüssigen Cliffhanger, mit denen Brandhorst fast jedes größere Kapitel abzuschließen versucht. Ständig schaut Esebian in den Lauf einer Waffe, stürzt irgendwo ab oder führt an sich selbst aussichtslose Not-OPs' durch. Da sich die Gefahr dann sehr oft und sehr schnell wieder verflüchtigt oder im wahrsten Sinne des Wortes in Luft(-spiegelungen) auflöst, hat mich das Ganze irgendwann echt genervt und gestört. Das war mir auch schon (und vor allem) beim letzten Teil der Kanataki-Trilogie aufgefallen, dass bei Brandhorst viel zu viel (fast) gestorben wird... und dann doch nicht. Ich habe mich bei diesen konstruierten Spannungsspitzen nicht selten an "Western von Gestern" (
Western von gestern - Zorro reitet wieder u.a.) erinnert. Wer diese Schwarz-Weiss-Serie damals im Fernsehen gesehen hat, wird wissen was ich meine.
Nichtsdestotrotz hat Brandhorst wieder gezeigt, dass er gute Space Operas schreiben kann und bei allen o.g. Mängeln habe ich mich doch gut unterhalten gefühlt.