Für einen solche günstigen Preis einen guten Erziehungsratgeber zu bieten: das ist dem Familientherapeuten und Sozialpädagogen Achim Schad in kompakter Weise gelungen.
Der langjährig erfahrene Erziehungsberater hilft hier vor allem Eltern jüngerer Kinder bis zum Eintritt in die Pubertät dabei, mit klarer Struktur, Selbstreflexion und Ideen für Konsequenzen. Ob da das Titelbild einer Steinschleuder aber passend gewählt ist, erscheint mir eher zweifelhaft. Dafür ist das Buch aber sehr kleinschrittig gegliedert und ermöglicht es, sowohl das Buch in einem durchlesen zu können, als auch die erst einmal relevanten Passagen für sich zu erarbeiten.
Insbesondere die Hinweise zu Beginn des Buches über die kleinen und größeren Ursachen für Erziehungsschwierigkeiten machen den Müttern und Vätern keine Vorwürfe, sondern tragen den Umständen Rechnung, dass sich die Anforderungen an Erziehung als auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren stark verändert haben und von einer geringer werdenden "Halbwertzeit der Werte und Gewissheiten" auszugehen ist.
Im zweiten Teil des Buches stehen "Hilfen und Lösungswege" im Mittelpunkt. Machtfragen, Fordern und Verwöhnen wird zunächst thematisch behandelt, ehe beispielsweise der Grenzziehung beim Essen, Schlafengehen, Hausaufgaben, Wutanfällen und im Geschwisterstreit genauer untersucht wird.
Dabei schafft es Achim Schad sehr lebens- und familiennah sich zu äußern. Im weiteren geht es um die Zunahme der Übertragung von Verantwortung. Die im ganzen Buch immer wieder eingebrachten kurzen Beispiele helfen so auch anschaulich beim Abschnitt Konsequenzen statt Strafen. Ein besonderes Augenmerk rückt Schad auf die Erziehung von Jungen sowie auf den Teufelskreis beim immerwährenden Blick auf die negativen Handlungen beim Kind.
Zum Schluß des großen Mittelteils wird die Elternrolle besonders erörtert; denn hier gibt es einen hohen Bedarf an Unterstützung, weil sich Väter und Mütter in ihren Aufgaben und Rollenverteilungen viel mehr absprechen müssen als noch vor Jahrzehnten. Dabei geht Schad detaillierter auf Patchwork- und Scheidungsfamilien ein sowie die Großelternbeziehung.
Im Teil 3 fasst Achim Schad die wichtigsten Aspekte des Buches nich einmal zusammen. Hier beschreibt er vortrefflich problematische Familienstrukturen und zeigt auf, was Kinder wirklich in der familiären Erziehung benötigen.
Eine gut recherchierte und übersichtliche Darstellung von Internetseiten für Familien sowie eine hilfreiche Literaturauswahl runden das Buch ab.
Man braucht hier als Eltern keine Angst zu haben, dass man perfekt sein muss oder zu allgemeine oder zu detaillierte Hilfestellungen bekommt. Gänzlich fehlen auch ausführliche Fallproblematisierungen, die einen hohen therapeutischen Bedarf vermuten lassen. Vielmehr geht es Achim Schad darum, im ganz gewöhnlichen Familienalltag mehr Vertrauen und Sicherheit zu vermitteln. So ist das kompakte, gut leserliche und verständliche Buch mit einzelnen klarstellenden Abbildungen und Zeichnungen eine hervorragende Einladung, die Erziehungsverantwortung als Eltern in die Hand zu nehmen und sich bei Bedarf nicht zu scheuen, die ein oder andere Hilfestellung bei entsprechenden Stellen zu suchen und zu finden. Kein Allheilmittel, aber eine gute Dosis für eine erste Handlungskompetenz-Stärkung! Und sicher auch für professionelle Erzieher/-innen und Berater/-innen eine gute Informationsquelle.