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Der Autor gliedert seine Betrachtung nach den verschiedenen Lebensabschnitten: Kinder aus alkoholbelasteten Familien während der Schwangerschaft, im Kindes- und Jugendalter und im Erwachsenenalter. Es folgt eine Darstellung der Transmissionsrisiken für Kinder alkoholkranker Eltern. Hier werden ausführlich biologische, psychologische und soziale Faktoren erörtert und gewichtet. Neben der Erörterung der Risiken legt der Autor großen Wert auf die Darstellung der protektiven Faktoren. Die dementsprechende Orientierung an der Resilienzforschung bezieht sich auf die Tatsache, dass das Erkrankungsrisiko für Kinder aus alkoholbelasteten Familien zwar deutlich erhöht ist (mehr als 30% werden selbst suchtkrank), sich aber dennoch ein Großteil von ihnen völlig normal entwickelt und eine völlig oder weitgehend intakte psychische Gesundheit aufweist.
In den Ausführungen wird deutlich, dass eine Transmission keinem einfachen Ursache-Wirkungsprinzip ("wenn Eltern trinken, dann trinken Kinder zwangsläufig auch") folgt, sondern ein komplexes Geschehen darstellt. Hierbei spielen für die Entwicklung kindlicher Auffälligkeiten, Störungen der seelischen Gesundheit und einer eigenen Abhängigkeit eine Reihe von belastenden Risikofaktoren eine Rolle, wie vor allem Erfahrungen von Kindesmisshandlung, eine dysfunktionale Familienatmosphäre, unzureichende Unterstützungssysteme in der Familie, Alkoholeffekte (unberechenbares und gewalttätiges Verhalten des Abhängigen) sowie elterliche Komorbiditäten und genetische Risikokonstellationen. Ebenso finden sich ressourcenorientierte kind- und umgebungsbezogene Schutzfaktoren wie die Entwicklung von Resilienzen, die Übernahme von starren, aber potenziell schützenden Rollen im Familienleben, soziale Kompetenzen, eine positive Lebenseinstellung, angemessene Bewältigungsstrategien, Einhaltung von familiären Ritualen und eine emotional positive Beziehung zum nicht-abhängigen Elternteil, die dazu führen, dass ein Kind den Familienumständen nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern die Möglichkeit der seelisch gesunden Entwicklung erlangt.
Zobel entwickelt schließlich ein Modell zur Transmission von Alkoholabhängigkeit, das Alkoholeffekte, Familieneffekte, biologische Effekte und Modelllerneffekte umfasst. Dadurch entsteht ein Eindruck, welche Faktoren bei der Transmission in alkoholbelasteten Familien eine Rolle spielen und welche als pathologische bzw. als resiliente Faktoren eine Rolle spielen können. Das Buch schließt mit einigen Bemerkungen und Schlussfolgerungen für die Praxis der Prävention und Therapie für betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Dem Autor ist eine gute Synopse der internationalen, vor allem amerikanischen, Forschung zum im deutschen Sprachraum völlig vernachlässigten Thema „Kinder aus alkoholbelasteten Familien" gelungen. Damit wird dem interessierten Wissenschaftler und Praktiker ein kompakter und schlüssig strukturierter Einblick in diesen Forschungsbereich gegeben, der in den USA jährlich mehr als 100 einschlägige Publikationen hervorbringt. Die Themen Resilienz, Familienkonstellation, Genetik, Alkoholembryopathie und Transmission erhalten die besondere Aufmerksamkeit des Autors.
In Zukunft sollten die Aspekte der Komorbidität, der Geschlechtsspezifität, der Drogenabhängigkeit, Alkoholmissbrauchs bzw. des schädlichen Gebrauchs in seinen familialen Auswirkungen und kindlicher Substanzgebrauch besondere Berücksichtigung erfahren, um den Forschungsbereich „Kinder und Sucht" weiter zu vertiefen. Es bleibt zu hoffen, dass das Buch eine breite Leserschaft findet, die auf der Basis der umfangreichen und differenzierten Informationen in Zukunft in verbesserter Weise mit der betroffenen Personengruppe umzugehen weiß.
Der Autor hat zwischenzeitlich ein weiteres Buch zu dem Thema unter dem Titel „Wenn Eltern zu viel trinken - Risiken und Chancen für die Kinder" im Psychiatrie-Verlag herausgegeben. Dieses Werk richtet sich schwerpunktmäßig an Betroffene aus alkoholbelasteten Familien sowie an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Sucht- und Jugendhilfe.
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