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5.0 von 5 Sternen
Forschung für die Suchtprävention, lesbar und informativ, 22. Februar 2001
Rezension bezieht sich auf: Kinder aus alkoholbelasteten Familien (Taschenbuch)
Kinder Alkoholabhängiger wachsen mit vielerlei Problemen auf: Sie erfahren weniger Fürsorge und Zuwendung, müssen mit elterlichen Konflikten leben und verlieren nicht selten früh ein Elternteil durch Trennung oder Tod. Ihr Risiko, selbst später alkoholabhängig zu werden, ist wesentlich höher als das von Kinder aus nicht alkoholbelasteten Familien. Diese Defizite und Risiken sind in den letzten zwei Jahrzehnten oft beschrieben worden und werden von Martin Zobel zusammenfassend vorgestellt. Darüber hinaus lenkt er aber das Augenmerk auf die Ressourcen und Bewältigungsstrategien dieser Kinder, denn schließlich werden die meisten nicht abhängig und entwickeln auch nicht unbedingt andere psychische Krankenheiten. Dieser Perspektivwechsel zeichnet diese gründliche, klar strukturierte und gut lesbare Promotion aus. Sie führt zu einem differenzierten Modell der Transmission der Alkoholabhängigkeit von der Elterngeneration auf die Kinder, aus dem sich die pädagogischen und therapeutischen Ziele und Möglichkeiten der Präventionsarbeit für diese Hochrisikogruppe ableiten lassen. Sie werden in jeweils eigenen Kapiteln sowohl für die Suchthilfe als auch für Eltern und Betroffene selbst skizziert. Diese Orientierung auf die praktische Umsetzung der Forschungsergebnisse und die eingangs skizzierte Haltung haben mir sehr gut gefallen. Für jeden, der mit alkoholbelasteten Familien arbeitet, bietet das Buch eine Fülle von Anregungen, es ist aber - und das ist für eine Promotion sicher ungewöhnlich - auch für interessierte Laien lesbar und informativ.
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20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kompaktes, informatives und schlüssig strukturiertes Buch, 21. Oktober 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Kinder aus alkoholbelasteten Familien (Taschenbuch)
Das vorliegende Buch des Suchtpsychologen und Psychotherapeuten Martin Zobel gibt einen Überblick zum aktuellen Stand der empirischen Forschung im Problembereich „Kinder aus alkoholbelasteten Familien". Es handelt sich dabei vor allem um die familiären, sozialen, kognitiven und psychopathologischen/ medizinischen Auswirkungen elterlicher Alkoholstörungen auf Kinder, Jugendliche und Jungerwachsene, um die physiologischen und subjektiven Reaktionen dieser Personen auf Alkohol und die Frage der Transmission von Alkoholabhängigkeit. In dem Buch, das eine aktuelle der Synopse der diesbezüglichen internationalen Forschung liefert, werden die Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren bei der Transmission der Alkoholabhängigkeit und die aktuellen Verursachungskonzepte schwerpunktmäßig thematisiert und kritisch gesichtet sowie empirisch anhand zweier Studien aus dem deutschsprachigen Raum, an denen der Autor maßgeblich mitgewirkt hat, überprüft.
Der Autor gliedert seine Betrachtung nach den verschiedenen Lebensabschnitten: Kinder aus alkoholbelasteten Familien während der Schwangerschaft, im Kindes- und Jugendalter und im Erwachsenenalter. Es folgt eine Darstellung der Transmissionsrisiken für Kinder alkoholkranker Eltern. Hier werden ausführlich biologische, psychologische und soziale Faktoren erörtert und gewichtet. Neben der Erörterung der Risiken legt der Autor großen Wert auf die Darstellung der protektiven Faktoren. Die dementsprechende Orientierung an der Resilienzforschung bezieht sich auf die Tatsache, dass das Erkrankungsrisiko für Kinder aus alkoholbelasteten Familien zwar deutlich erhöht ist (mehr als 30% werden selbst suchtkrank), sich aber dennoch ein Großteil von ihnen völlig normal entwickelt und eine völlig oder weitgehend intakte psychische Gesundheit aufweist.
In den Ausführungen wird deutlich, dass eine Transmission keinem einfachen Ursache-Wirkungsprinzip ("wenn Eltern trinken, dann trinken Kinder zwangsläufig auch") folgt, sondern ein komplexes Geschehen darstellt. Hierbei spielen für die Entwicklung kindlicher Auffälligkeiten, Störungen der seelischen Gesundheit und einer eigenen Abhängigkeit eine Reihe von belastenden Risikofaktoren eine Rolle, wie vor allem Erfahrungen von Kindesmisshandlung, eine dysfunktionale Familienatmosphäre, unzureichende Unterstützungssysteme in der Familie, Alkoholeffekte (unberechenbares und gewalttätiges Verhalten des Abhängigen) sowie elterliche Komorbiditäten und genetische Risikokonstellationen. Ebenso finden sich ressourcenorientierte kind- und umgebungsbezogene Schutzfaktoren wie die Entwicklung von Resilienzen, die Übernahme von starren, aber potenziell schützenden Rollen im Familienleben, soziale Kompetenzen, eine positive Lebenseinstellung, angemessene Bewältigungsstrategien, Einhaltung von familiären Ritualen und eine emotional positive Beziehung zum nicht-abhängigen Elternteil, die dazu führen, dass ein Kind den Familienumständen nicht hilflos ausgeliefert ist, sondern die Möglichkeit der seelisch gesunden Entwicklung erlangt.
Zobel entwickelt schließlich ein Modell zur Transmission von Alkoholabhängigkeit, das Alkoholeffekte, Familieneffekte, biologische Effekte und Modelllerneffekte umfasst. Dadurch entsteht ein Eindruck, welche Faktoren bei der Transmission in alkoholbelasteten Familien eine Rolle spielen und welche als pathologische bzw. als resiliente Faktoren eine Rolle spielen können. Das Buch schließt mit einigen Bemerkungen und Schlussfolgerungen für die Praxis der Prävention und Therapie für betroffene Kinder, Jugendliche und Erwachsene.
Dem Autor ist eine gute Synopse der internationalen, vor allem amerikanischen, Forschung zum im deutschen Sprachraum völlig vernachlässigten Thema „Kinder aus alkoholbelasteten Familien" gelungen. Damit wird dem interessierten Wissenschaftler und Praktiker ein kompakter und schlüssig strukturierter Einblick in diesen Forschungsbereich gegeben, der in den USA jährlich mehr als 100 einschlägige Publikationen hervorbringt. Die Themen Resilienz, Familienkonstellation, Genetik, Alkoholembryopathie und Transmission erhalten die besondere Aufmerksamkeit des Autors.
In Zukunft sollten die Aspekte der Komorbidität, der Geschlechtsspezifität, der Drogenabhängigkeit, Alkoholmissbrauchs bzw. des schädlichen Gebrauchs in seinen familialen Auswirkungen und kindlicher Substanzgebrauch besondere Berücksichtigung erfahren, um den Forschungsbereich „Kinder und Sucht" weiter zu vertiefen. Es bleibt zu hoffen, dass das Buch eine breite Leserschaft findet, die auf der Basis der umfangreichen und differenzierten Informationen in Zukunft in verbesserter Weise mit der betroffenen Personengruppe umzugehen weiß.
Der Autor hat zwischenzeitlich ein weiteres Buch zu dem Thema unter dem Titel „Wenn Eltern zu viel trinken - Risiken und Chancen für die Kinder" im Psychiatrie-Verlag herausgegeben. Dieses Werk richtet sich schwerpunktmäßig an Betroffene aus alkoholbelasteten Familien sowie an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Sucht- und Jugendhilfe.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Absolut empfehlenswert!, 31. August 2009
Der Name "Martin Zobel" ist im Gebiet der Suchtforschung alles andere als unbekannt. Dieses Buch allein gibt hunderte von Gründen dafür her. Die Problematik der "Kinder von Suchtkranken" wird tiefgründig und vielfältig beschrieben. Nicht nur soziale oder kognitive, auch biologische und psychische Aspekte werden gleichermaßen betrachtet und gegenübergestellt. Was mir am besten gefallen hat ist die Bandbreite an Studien, an denen der Autor selbst beteiligt war und welche er kritisch mit anderen vergleicht. In diesem Buch wird wirklich alles betrachtet, was es aktuell zu Thematik zu betrachten gibt (Vorgeburtlicher Alkoholkonsum, das Aufwachsen in einer Alkoholikerfamilie, die Kinder im Erwachsenenalter, Transmissionseffekte, Resilienzbedingungen).
Was mir ein wenig gefehlt hat: eine stärkere Geschlechterorientierung - alkoholkranke Mütter und Väter im Vergleich, die unterschiedlichen Bewältigungsmuster von Söhnen und Töchtern. Aber das ist mein privater Tick ^^.
Ansonsten ist es ein absolut notwendiges Werk in jeder Sammlung zum Thema!
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