Was für ein Buch! Ich bin hellauf begeistert. Dieses Buch birgt den Bann der Liebe. Keiner kitschigen, romantischen Liebe, sondern Liebe, die sich dem irdischen entreißt und absoluter Reinheit entgegenstrebt. Bar jeder Körperlichkeit, jeder Freundlichkeit.
Cocteau hat es geschafft, mich von dieser Welt hinfort und in Sphären zu führen, in denen nur klare und reine Emotionen voller Deutlichkeit und Kälte und dadurch bedingungsloser Aufrichtigkeit herrschen. Die Schleier der Vorstellung werden sanft zerrissen und übrig bleibt etwas elementares.
Grob die Story: Es geht um ein Geschwisterpaar (Paul und Elisabeth), die sich eine gemeinsame Welt voll geheimnisvoller Rituale, voller geheimnisvollen Verstehens geschaffen haben. Eine Welt, in der sie eins werden. In dieser Welt sind sie allein imstande, ihre tiefste Verbundenheit mit dem Anderen zu zelebrieren, ja, sich wahrhaft ihre Liebe einzugestehen, die des Geschlechtlichen nicht bedarf. Nach und nach finden noch zwei weitere Personen, Gerard und Agathe, Zugang zu dieser Welt. Sie erlangen erst das Vertrauen, schließlich auch die tiefste Verbindung mit diesen zwei völlig auf sich zurückgeworfenen Geschwistern. Doch irgendwann schlägt dann doch die weltliche und profane Liebe zu. Agathe verliebt sich in Paul und andersrum. Und Gerard außerdem noch in Elisabeth, aber das ist nebensächlich. Nun gesteht jetzt erst Agathe, dann auch Paul ihre Liebe der Elisabeth. Das wiederum ist der Elisabeth ein Grauen, sie fürchtet um ihr Leben. Denn ihr Leben hängt von Paul, ihrem Bruder, ab, und dieser droht ihr zu entgleiten. Also ersinnt sie eine List, die letztendlich dazu führt, dass Gerard und Agathe sich verheiraten. Doch Paul erholt sich von dieser Fügung nicht, vielmehr siecht er dahin, bis er schließlich zum Mittel des Freitodes greifen will. Schließlich glaubt er sich von Agathe verschmäht. Jetzt wird's richtig Shakespeare -mäßig, denn Paul gesteht mit seinen letzten Atemzügen Agathe seine Liebe. Diese beichtet ihm daraufhin die ihrige und so durchschauen beide das Komplott, welches Elisabeth geschmiedet hatte. Sie bringen ihr Hass entgegen. Sie wird ihren Bruder verlieren, seine Liebe noch vorher. Der Tod wird die einzige Möglichkeit bleiben, wieder vereint, wieder eins zu sein. So ergreift Elisabeth zum Revolver und erschießt sich vor den Augen des sterbenden Bruders. Der erkennt, dass diese Tat aus reinster Liebe geschah und strebt ihr nun willig im Tod entgegen.
So, dass die Zusammenfassung, insbesondere des letzten Teils. Und doch habe ich das wichtigste ausgelassen, denn das ist etwas, das sich nur schwerlich beschreiben lässt. Das ist der Bann, das ist die Magie, die durch die Sprache Cocteaus, durch seine überragenden literarischen Fähigkeiten, heraufbeschworen wird. Jeder Gedankengang erscheint aus der jeweiligen Position zwingend. Das tragische Finale der Geschichte unausweichlich. Es gibt keine Hoffnung, wahre Liebe kann in der Welt nicht bestehen.