Als ich so 10 oder 12 war, habe ich das Buch mehrfach verschlungen, so fasziniert war ich von dieser Geschichte: Der schottische Edelmann Lord Glenarvan weiht auf offener See sein neues Dampfschiff ein, mit dem er künftig gern Vergnügungsreisen unternehmen möchte. Dabei fängt die Besatzung einen Hai, in dessen Magen eine Flaschenpost gefunden wird. Der Brief darin ist von Meerwasser und Haimagensäure großenteils zerstört. Aber die verbliebenen Wortfetzen lassen darauf schließen, daß der vor Jahren verschollene schottische Kapitän Grant den Brief als Hilferuf schickte und daß er sich dabei nahe dem 37. südlichen Breitengrad aufhielt. Unglücklicherweise kann die Längengradangabe nicht rekonstruiert werden.
Nach Bekanntwerden des Fundes wenden sich die Kinder des Kapitän Grant an Lord Glenarvan mit der Bitte, er möge sich bei der Admiralität in London für eine Suchexpedition einsetzen.
Glenarvan denkt nicht sehr optimistisch darüber, wie intensiv die Engländer nach einem Schotten suchen würden. Zudem ist er ein wahrhafter Edelmann, so daß er beschließt, die Suche nach seinem Landsmann, dessen frühere Verdienste ihm bekannt sind, selbst mit seinem neuen Schiff durchzuführen. Grants Kinder begleiten ihn. Nach der Abfahrt stoßen sie an Bord auf den zerstreuten Geographen Paganel, der in der Dämmerung einfach nur auf das falsche Schiff gegangen war und nun an der Reise teilnehmen muß.
Es beginnt ein Ratespiel, welche genaue Position wohl im Brief genannt war, und man beschließt, zunächst in Südamerika zu suchen. Ihr beschwerlicher Weg führt sie über die Anden. In Patagonien werden sie Zeugen ebenso beschaulicher wie lebensbedrohender Naturschauspiele. Doch Grant finden sie nicht.
In Australien bekommen sie es mit Verbrechern zu tun, und in Neuseeland müssen sie aus der Gefangenschaft bei den Maori fliehen. Und auch zum Schluß wird's nochmal dramatisch - ...
Wunderbare Landschaftsbeschreibungen, ausgefeilte Handlungsstränge und einige Einblicke in die schottische Mentalität machen den Roman zu einem kleinen Juwel.
Obwohl nicht alles unblutig abläuft, wird der Leser dank der Dialoge nicht ratlos zurückgelassen. Deshalb kann man jedem Kind, das mit Abenteuergeschichten schon grundsätzlich vertraut ist, auch dieses Buch uneingeschränkt empfehlen.
Das Buch wird oft in gekürzter Fassung verkauft. Davon rate ich dringend ab - hier gibt es keine überflüssigen Passagen.