Dieses Buch beginnt mit dem schönsten ersten Satz, den ich je gelesen habe (Ich werde dich morgen lieben, denn heute kenne ich dich noch nicht.) und endet mit dem schönsten Satz, den ich je gelesen habe (Dann wird mir klar, dass das Wort "Fremder" eines der schönsten Versprechen der Welt ist, ein farbenfrohes Versprechen, schön wie die Freiheit.) und drückt damit meiner Meinung nach genau die Hoffnung aus, von der das ganze Buch Seite um Seite, Zeile um Zeile durchzogen ist.
Toulouse in den 1940ern, es tobt der zweite Weltkrieg, doch auch der Widerstand schlägt Wurzeln. Doch es ist ein sehr einsames Leben, das sich die jungen Leute ausgesucht haben: Alleine wohnen, denn wenn man festgenommen wird, sollte kein anderer beteiligt sein. Keine Liebschaften, denn man sollte nicht gestehen, weil man Angst um den anderen hat. Aber auch wenn das Leben der Brigarde 34 hart ist, sie Hunger leiden, Angst haben, ist ihre Tätigkeit trotzdem auch von Erfolg gekrönt. Es sind die kleinen Siege, die sie erringen. Und niemals, wirklich niemals wird ein Unschuldiger getötet und sei er auch noch so ein Dummkopf. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen schnappt die Falle eines Tages zu und einige Widerstandskämpfer finden sich in Gefangenschaft wieder und werden letztendlich in einem Viehtwaggon Richtung Deutschland deportiert.
Das Schicksal der Kinder (wenige sind über 20 Jahre alt) ist schwer, sie kämpfen für die Freiheit, sie nehmen Entbehrungen auf sich, kämpfen aktiv für ein besseres Leben, für einen neuen Frühling. Marc Levy beschreibt alles sehr eingehend, manchmal ist das, was er schreibt, gar nicht auszuhalten. Er verzichtet auf unnötige Gefühlsduselei und schreibt teilweise in einem sehr nüchternen Stil, der alles zwar "lesbarer" macht, aber dadurch den Schrecken noch viel mehr widergibt. Und immer wieder werden in einzlenen Sätzen die Schicksale der Widerstandskämpfer abgetan: Josephine und Andrè wussten nicht, dass sie in einem Jahr in Dachau sterben würden. (sic!) Diese "Vorausschauen" ließen mich teilweise unbefriedigt zurück, denn ich hätte gerne gewusst, wie es dazu gekommen ist.
Obwohl den Kindern so viele schreckliche Dinge passieren, obwohl viele von ihnen hingerichtet werden, sie wie Tiere nach Deutschland deportiert werden, sie geschlagen werden, nichts zu essen bekommen, (fast) sterben, liest man aus jeder Zeile in diesem Buch die Hoffnung heraus. Vielleicht ist das Buch sehr nüchtern beschrieben, vielleicht hakt es an Levys Schreibstil an manchen Enden, aber die Hoffnung ist es, die alles aufwertet. Die durchdringt einen voll und ganz und obwohl die Geschichte, die das Buch wieder gibt, eine sehr schreckliche ist, hatte ich danach irgendwie ein hoffnungsvolles Gefühl in mir. Irgendwie seltsam.
Ganz besonders gefallen hat mir die Aussage, dass es viele Arten von Widerstand gibt... es sind nicht immer die großen Kämpfe, aber teilweise wird schon dadurch Widerstand geleistet, dass man jemanden nicht verrät, jemanden warnt, dass es in einem Zug eine zweite Kontrolle geben wird.
Das Buch hat einen besonderen Stil, den ich am Anfang etwas befremdend fand: "Weißt du, Claude und ich ...."
Alles in allem ist dieses Buch einfach wundervoll, es ist ein besonders Zeugnis, eine Mahnung, nie die Hoffnung aufzugeben.