Schreibt ein 18-Jähriger seine erste Biographie, dünkt einem das doch etwas ungewohnt, verfrüht. Aber denke man, was alles vergessen gegangen wäre, wenn er dies nicht getan hätte: Wir können ihm dankbar sein, hat er's getan. Klaus Mann schreibt mit grosser Faszination und nicht weniger Stolz über die bereits gewesenen Jahre. Die einzelnen Titel der Kapitel lauten schon sehr vielversprechend. Beginnt er seine Rückschau mit „Kindliche Landschaft", in der er sich an die Eindrücke, Begebenheiten örtlicher und emotionaler Art im Alter von 4 Jahren aufwärts erinnert. Unter „Zwei grosse Abenteuer" gehört alle Aufmerksamkeit dem Blinddarmdurchbruch, der ihn fast das Leben kostete und dem Kinderfräulein Affa, die im Hause alles zusammengeklaut hatte und vor Gericht trotzdem noch als Siegerin hervorging.
Die Zeit im 1. Weltkrieg, den Hauch der Armut, welcher auch die Manns streifte. Seine Bewunderung für die Mutter Katia, die mit so wenigen Mitteln den ganzen Haushalt aufrechthielt. Fünf Jahre später die Inflation. Natürlich nimmt auch die Schulzeit ihren Platz ein. Klaus Mann als Gymnasiast, als Mitglied im Landerziehungsheim.
Ganz gerne erzählt er von den Lausbubenstreichen, die er mit Geschwistern und Freunden ausheckte. Triumph der Bösheit betitelte er dieses Kapital. Lügen und Klauen ein Tages-, Wochen-, Monatsthema. Und das Ganze auch recht prahlerisch ohne schlechtes Gewissen erzählt.
Den Abschluss macht er dann mit „Vor dem Leben". Er liebte das Theater, das Schreiben. So nahe am erwachsen werden, musste er doch etwas aus sich machen, deshalb wollte er den „Ton" finden, damit das Leben beginnen konnte. Seine Verlobung mit Pamela Wedekind bleibt kein Geheimnis und die vielen Freunde, denen man begegnet: Eine wunderbare Zusammenkunft. Klaus Mann erlaubt sich, seiner chronologischen Erzählung ab und zu vorzugreifen, was er auch prompt gesteht .
Ich mochte die lockere, mit vielen Worten geschwängerte Schreibweise und die Unbekümmertheit des 18-Jährigen Klaus sehr.