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Produktinformation
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Ich erinnere mich an diese Frage und die Gefühle, die sie bei mir auslöste, deutlich: Mein Herz tat vor Freude einen Riesensprung! Obwohl ich nicht die geringste Ahnung hatte, was das sein sollte Deutschland Endlich durfte ich auch mal fort aus Nyango. Weg von einem Ort, an dem ich stets Hunger und oft Angst hatte. Ich würde ja wieder kommen
Als die 7-jährige Lucia Engombe sich im Dezember 1979 auf das Abenteuer ihres Lebens einlässt, weiß sie nicht, dass sie ein Spielball der Politik ist - und erst elf Jahre später als Fremde nach Afrika zurückkehren wird. Mit zahlreichen anderen namibischen Kindern wird sie von einem Tag auf den anderen in die DDR ausgeflogen - mit dem Ziel: Die neue Elite des zukünftigen unabhängigen Namibias heranzuziehen. Doch nach dem Mauerfall sind die afrikanischen DDR-Kinder nicht mehr erwünscht und werden 1990 in einer Nacht- und Nebelaktion in ihre unbekannte Heimat zurückgebracht. Als Kind Nr. 95 landet Lucia Engombe im Armenviertel der Hauptstadt Namibias und begibt sich auf eine schmerzhafte Suche: nach ihrer Familie und ihrer Identität.
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Lucia schildert sehr Persönliches und Bewegendes: Von der Suche nach Raupen und Mäusen im Flüchtlingslager, damit der immer währende Hunger gestillt wird. Von der Bettnässerei eines verängstigten Kindes auf weichen DDR-Matratzen. Von den Nachtmanövern der kleinen Pionieren unter der Regie eines SWAPO-Beauftragten. Sie berichtet von erster unschuldiger Liebe und von Teenagerschwangerschaften, die schnell wieder weggemacht werden. Das Buch offenbart nicht zuletzt, was aus den Kindern geworden ist, denen man eingebleut hatte, sie wären die zukünftige Elite Namibias, die man aber vollkommen vergessen zu haben schien, als das Land dann wirklich frei und unabhängig wurde.
In "Kind Nr. 95 - Meine deutsch-afrikanische Odysee" zieht Lucia Engombe Bilanz über ihr Leben, angefangen beim Flüchtlingslager Nyango in Sambia, über den Alltag im Schloss Bellin und der Schule in der DDR bis zur Rückkehr nach Namibia. Dieses Buch füllt die Lücken in der bisher veröffentlichten Geschichte der DDR-Kinder: Ein ganz persönliches Schicksal, das repräsentativ für viele ist, in seiner Einzigartigkeit, aber doch so erschütternd und herzergreifend.
Lucia Engombe war ein "Verräterkind": Ihr Vater, ein Swapo-Freiheitskämpfer, wurde von der Partei als Verräter abgestempelt. Das hatte sie schon im Flüchtlingslager in Sambia erleben müssen. Dies hat ihre Familie entzweit, darunter leidet sie noch heute. In der DDR wurde sie als 8-jährige konfrontiert mit der Aussage: Dein Vater ist tot. Als Lucia 20-jährig und wieder zurück in Namibia sich dennoch auf die Suche nach ihm macht, erfährt sie die wahre Geschichte.
Kind Nr. 95 steckt voll mit wahrhaftigen Skandalgeschichten. Elf Jahre lang werden Kinder in der DDR zur Elite des zukünftigen Namibias herangezogen. Bei der Heimkehr überreicht man ihnen, gewissermaßen die Standardausrüstung für die "Führer von morgen": eine Packung Malaria-Tabletten, eine zusammengerollte Schaumstoffmatratze, eine Decke und 50 Rand als Startkapital. Damit müssen viele der Jugendlichen und Kinder zu den Eltern ins Ovamboland, ohne ihre Schulausbildung abgeschlossen zu haben. Kochen, putzen und für die reiche Schar des Nachwuchses sorgen. Das also sollen die Aufgaben für die junge Elite des neuen Namibia sein? Das "Verräterkind" fühlt sich verraten.
Lucia Engombe erzählt aus ihrem bewundernswert großen Schatz an Erinnerungen. Mit einer Menschlichkeit und Nähe, die den meisten der bisherigen DDR-Kinder-Dokumentationen abgeht. Sehr empfehlenswert!
Jene, die Lucia vor dem möglichen Hungertod gerettet haben, werden sagen: Wir haben es doch nur gut gemeint! Aber stimmt das? Lucia schreibt es, und der Spiegel erwähnt es auch, dass Lucia die Tochter eines Feindes der damaligen und auch heutigen Machthaber in Namibia ist. Ihr Vater wusste nichts vom Schicksal seiner Tochter, die in der DDR von seinen namibischen Feinden erzogen wurde. Eines der stärksten Kapitel des Buchs ist gewiss, wie Lucia ihren Vater nach fast 20 Jahren wieder trifft. Er ist ihr fremd, mal hatte man ihr gesagt, er wäre ein Verräter, mal dass er tot ist. Erst jetzt beginnt sie das miese Spiel zu verstehen, das mit ihr gespielt wurde. Da hat sie sich gerade in Namibia eingewöhnt und muss ihren Standpunkt noch einmal neu finden. Der Spiegel schreibt, Lucia wäre ein Mensch, der viel lacht und auch auf dem Foto sieht sie optimistisch aus. Wer ist Lucia? Sie muss eine starke Frau sein, wenn sie dennoch lachen kann.
Fünf Sterne von mir, weil "Kind Nr. 95" zeigt, wie grausam Politik sein kann. Dies aber nicht mit erhobenen Zeigefinger, sondern anhand des Schicksals eines Mädchens, das sich immer gesagt hat: Ich werde trotzdem überleben. Alles Gute, Lucia!
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