Nach "The Works" waren Queen zwar wieder auf der Bildfläche, hatten in einem Jahr fünf Hits in den Charts und etablierten sich endgültig (und anders als viele andere 70er-Legenden) im neuen Jahrzehnt - aber etwas fehlte. Man konnte nicht genau beschreiben was. Vielleicht war es das "Bohemian Rhapsody" der 80er, oder legendäre Aufritte wie 1974 im Rainbow Theatre oder 1976 im Hyde Park. Die richtige Antwort hatte Bob Geldof, der mit seinem Projekt "Live Aid" etwas schuf, das sich als großartige Möglichkeit erwies. Queen waren zuerst eine von vielen Bands bzw. Künstlern, die an dem größten Rockkonzert aller Zeiten teilnahmen, doch als sie die Bühne betraten, geschah etwas unaussprechliches. Freddie Mercury hatte das riesige Publikum vor ihm und die Millionen an den Fernsehbildschirmen gepackt und ließ sie 20 Minuten lang nicht mehr los. Die Band spielte eine Reihe ihrer größten Hits, und es ist schlichtweg atemberaubend, wenn die Masse bei "Radio Ga Ga" getreu dem Video die Hände in die Luft streckt und klatscht - egal ob sie Queen-Fans waren oder nicht, ob sie überhaupt wussten was sie taten oder nicht. Die Band hatte wieder die Sonne berührt, und sie hatten nicht vor, sie allzu schnell wieder loszulassen.
Nun ging alles Schlag auf Schlag. Aus den Eindrücken von Live Aid schuf die Band den Song "One Vision", der ursprünglich von Roger Taylor stammt - vormals handelte das Lied von Martin Luther King, doch mit der Zeit wandelte es sich. Erstmals begleiteten Kameras die Arbeit an dem Stück im Studio, und man merkt, wieviel Ehrgeiz die Band an den Tag legte.
"One Vision" wurde zum Hit, gilt als eines der besten Lieder Queens. Es lief alles fabelhaft, umso verblüffender schien es, dass man sich eine Ruhezeit voneinander gönnen wollte. Die Arbeiten an "One Vision" waren hart, und die Band hatte nicht die rechte Lust, sofort ein neues Album aus dem Boden zu stampfen. Die Zellen waren leer, wollten aufgeladen werden, neue Ideen sollten den Weg weisen. Glücklicherweise kam das Glück angeflogen wie einst Live Aid, diesmal in Form eines neuen Films: Highlander, mit Christopher Lambert. Regisseur Russell Mulcahy wollte etwas Großes für die musikalische Untermalung, und so traf er sich mit der Band. Sie sahen sich den halbwegs fertigen Film an; man wollte ein paar Songs aufnehmen, doch am Ende wuchs das Projekt, es wurden auch Lieder aufgenommen, die nichts mit dem Film zutun hatten, und die Band hatte mehr oder weniger unabsichtlich ein ganz neues Album aufgenommen.
Für neue Fans, die nach Live Aid zu der Band gefunden haben, war "A Kind Of Magic" so etwas wie das "A Night At The Opera" für die Fans der 70er. "One Vision" eröffnet das neue Album, darauf folgt der poppige Titelsong (übrigens das erste Mal bei Queen, dass es einen richtigen, gleichnamigen Titelsong gab), der sich als Vorab-Single auch als Hit weltweit erwies. Die nächste Single "Friends Will Be Friends" (eine typische Mercury/Deacon Komposition) plazierte sich auch noch gut, doch dann trat eine Ernüchterung ein. Zwar verkaufte sich das Album blendend und sicherte sich zweimal Platin allein in Großbritannien, doch die Single "Who Wants To Live Forever", welche bis heute als einer der größten Songs Queens gehandelt wird, landete in der Heimat lediglich auf #24. Der großartige Rocker "Princes Of The Universe" sollte in den USA eigentlich ein Hit werden (und sollte Queens "Rock"-Ambitionen nach dem dortigen Desaster mit dem Pop-Song "I Want To Break Free" glatt bügeln), plazierte sich aber gar nicht erst in den Charts. Dann gab es da noch zwei exklusiv auswärts veröffentlichte Singles; zum einen das muntere "Pain Is So Close To Pleasure", das in Deutschland auf #52 kam, und die Queen-ungewöhnliche Deacon-Nummer "One Year Of Love" (bisher auch der einzige Song aus dem Band-Katalog mit einem Saxophon!), die in Frankreich und Spanien allerdings auch nichts reißen konnte. Sei's drum, die Lieder sind trotzdem erste Sahne (auch wenn die Sentimentaliät, die "One Year" ausdrückt, für viele Queen-Fans so übertrieben ist wie eine Packung Pralinen in einem Fass voll Zucker). Abseits davon gibt es dann noch "Gimme The Prize" - ein harter May-Kracher, mit einem Freddie, der fast schon ins Mikrofon beißt und einem fabelhaften Solo - und "Don't Lose Your Head", der gewohnte Drum-orientierte Taylor-Song.
Dann gibt es da natürlich auch wieder die Bonus-EP, und diesmal ist es wirklich ärgerlich geraten. Die normale CD-Ausgabe des Albums hatte bereits drei Bonus-Lieder; zwei nicht besonders brauchbare Mixe von "A Kind Of Magic" und "Friends Will Be Friends" (die normalen Extended-Versionen, nur gekürzt - originell ist anders), sowie eine nette Piano-Fassung von "Who Wants To Live Forever", mit dem eigenen Titel "Forever". Nun, eben besagtes "Forever" und das nervige "Friends Will Be Friends Will Be Friends..." haben es SCHON wieder als "Bonus"-Songs auf die EP geschafft. Aber man hat wenigstens zwei großartige Trostpunkte; zum einen die Highlander-Version von "A Kind Of Magic", weniger poppig als die Fassung auf dem Album und bis dato sehr schwer zu kriegen (lassen wir mal Youtube außer Acht); und das bislang völlig unbekannte "A Kind Of Vision", eine interessante Verschmelzung von "One Vision" und "A Kind Of Magic" - im Booklet dann die Erklärung, dass Taylor bereits häufiger meinte, dass die beiden Songs aus der selben Grundidee stammten, und nun hätten wir hier den Beweis! Dazu gibt es dann noch den sehr netten Single-Remix von "Pain Is So Close To Pleasure" und eine Live-Aufnahme von "One Vision", aufgenommen beim Wembley-Konzert - aber nicht vom regulär bekannten Samstags-Konzert, sondern von der weniger beachteten Show am Freitag.
Im Endeffekt ist "A Kind Of Magic" in der Tat eine magische Angelegenheit geworden. Vor einigen Jahren noch konnte ich dem Album nicht viel abgewinnen, es wirkte in meinen Augen unrund und voller Kanten. Auch heute bin ich noch der Meinung, dass man die Müdigkeit, die die Band als Grund für eine mögliche Pause nach 1985 angab, hier und da hören kann. Aber das ist eine rein subjektive Meinung, denn wegdenken kann man sich diese "Art von Magie" dann auch nicht - es ist ein sehr wichtiger Bestandteil im Queen-Kosmos. Und dank den eben schon genannten, legendären Live-Konzert(en) in Wembley 1986 vergisst auch die Allgemeinheit dieses Album nicht so schnell.
Schließen wir ab mit einer Zeile aus "Brighton Rock", von 1974: "A little people magic if you will!"