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Kind L 364: Eine Lebensborn-Familiengeschichte
 
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Kind L 364: Eine Lebensborn-Familiengeschichte [Gebundene Ausgabe]

Dorothee Schmitz-Köster
4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Berlin; Auflage: 2 (20. Juli 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3871345644
  • ISBN-13: 978-3871345647
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,8 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 213.697 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Dorothee Schmitz-Köster
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Unehelich und unerwünscht, so kommt Heilwig 1938 auf die Welt – als «Kind L 364» in einem Lebensborn- Heim. Heinrich Himmler nimmt sich ihrer an. Vier Jahre später heiratet Heilwigs Mutter den SS-General und Himmler-Vertrauten Oswald Pohl. Der adoptiert das Mädchen, und Heilwig wächst in höchsten NS-Kreisen auf. Dann folgt das Kriegsende – und der jähe Absturz. Die Familie flieht vor der Roten Armee, der Adoptivvater wird in Nürnberg zum Tode verurteilt und 1951 hingerichtet. Heilwig erlebt massive Ausgrenzung. Wegen des Adoptivvaters – und wegen ihrer Lebensborn-Geburt, von der sie erst jetzt erfährt. Als sie mit 18 ihren leiblichen Vater kennenlernt, findet sie Halt. Und als sie heiratet, ist die Welt in Ordnung. Bis die eigenen Kinder sie mit der Vergangenheit konfrontieren und alles wieder aufbricht … Dorothee Schmitz-Köster erzählt, basierend auf Interviews mit Heilwig Weger und ihrer Familie sowie Dokumenten aus Archiven und Privatbesitz, eine dramatische Biographie im Schatten des Lebensborn. Eine Geschichte von Ausgrenzung, Scham und Verschweigen – und ein Stück deutscher Zeitgeschichte.

Über den Autor

1950 in Bergisch Gladbach geboren, in einer katholischen Großfamilie aufgewachsen. Dreizehn Jahre Schule, Abitur 1969. Studium der Germanistik, Philosophie und Sozialwissenschaften in Bonn, 1976 Erstes Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien. Redakteurin bei einer Bonner Auto-Zeitschrift. 1983 Promotion über DDR-Literatur, Ebert-Stipendiatin. Umzug nach Bremen, Referendariat und Zweites Staatsexamen Lehramt. Seit 1985 freiberufliche Journalistin und Autorin. Verschiedene Lehraufträge an der Universität Bremen, drei Jahre Dozentin für Journalistik an der Hochschule Bremen. Mitglied des Bremer Medienbüros von 1997 bis 2008.

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Die obige Rezensentin hat die Geschichte schon beschrieben. In der Erzählung - so empfinde ich das Buch - werden interdisziplinär Psychologie, Soziologie, Politik und der Alltag im Faschismus und im Nachkriegsdeutschland entblättert. Frei nach Böll wird ein Deutschlandbild mit Mädchen und Frau gezeichnet.
Es ist offensichtlich das große Thema der Schriftstellerin: das Individuum in der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte. Und wer glaubt das Thema sei nun endlich abgehakt (spätestens seit der Fußballweltmeisterschaft sind wir ja ein neues Volk) wird mit diesem Buch eines besseren belehrt. Der Rucksack wiegt noch schwer.
Zudem finde ich, dass Dorothee Schmitz-Köster wieder ein lesenswertes Buch geschrieben hat. Ich mag ihre Sprache, ihren Stil, ihren Ausdruck, ihren Rhythmus. Die Sprache ist klar, einfach, genau und trifft ins Herz: Der Lebensweg des Kindes L 346 ist mir nahegegangen.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ungewöhnliche Einblicke 23. Oktober 2008
Von Volkmar Weiss TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Durch ihr Erfolgsbuch Deutsche Mutter, bist du bereit...: Alltag im Lebensborn bekam die Verfasserin Kontakt mit der Erzählerin dieser sehr außergewöhnlichen Familiengeschichte, die von der Verfasserin mit objektivierender Distanz wiedergegeben wird. Es geht auch nicht nur um die Biographie der 1938 unehelich im Lebensborn Geborenen, sondern ebenso sehr um den Lebenslauf ihrer Mutter Eleonore von Brüning.

Als diese 1938 im Lebensborn-Heim in Steinhöring in Bayern vom Reichsführer SS Heinrich Himmler gefragt wird, von wem sie etwas über die Stiftung Lebensborn erfahren hat, antwortet sie wahrheitsgemäß: "Von einer jüdischen Freundin." Das hindert Himmler, der das Heim einen vollen Tag lang inspiziert hat, nicht, ein aufmerksames Auge auf sie zu werfen. Wenn sie Schwierigkeiten hätte, könne sie sich an ihn wenden.
Sie ist verwitwet, hat von ihrem Mann einen Schuldenberg geerbt und ist in Erbauseinandersetzungen um ihr Gut Brünings-Au verstrickt. Sie wendet sich an Himmler um Hilfe und der stellt ihr tatsächlich Berater aus seinem persönlichen Stab zur Seite und schaltet sich auch höchstpersönlich ein. Schließlich wird Eleonore ihre Schulden los und wird bis an ihr Lebensende dem Reichsführer SS, mit dem sie persönliche Briefe wechselt, dankbar sein.

Im Frühjahr 1942 schickt Himmler den SS-Oberführer, General der Waffen-SS und Leiter des Wirtschaftsverwaltung-Hauptamtes der SS Oswald Pohl unter einem Vorwand nach Brünings-Au. Pohl ist seit ein paar Jahren geschieden und brauche wieder eine Frau, meint Himmler. Sein Plan geht auf. Im Dezember 1942 findet die Hochzeit statt, mit Himmler und seinem Adjutanten Karl Wolff als Trauzeugen.

Mit ihrer Familie zieht Eleonore auf das SS-Versuchsgut für biologisch-dynamische Landwirtschaft Comthurey in Mecklenburg, südlich von Neustrelitz. Dort, auf dem nur von einem Jäger mit seiner Familie bewohnten Vorwerk Brückentin, bringt Pohl Hedwig Potthast unter, die Geliebte und frühere Sekretärin von Himmler. Himmler, der sich nicht scheiden lassen will, besucht seine Geliebte in Zivil und inkognito, wobei er allein reist, ohne jede Begleitung. Mehrfach holt ihn Eleonore vom Bahnhof Düsterförde mit einem Pferdewagen ab und bringt ihn nachts auf das Vorwerk. Am nächsten Tag gehen die Frauen mit Himmler spazieren und Kaffee trinken. Am 20. Juli 1944, also am Tage vor dem Attentat auf Hitler, bringt Hedwig Potthast ihr zweites Kind zur Welt.

Eleonore freundet sich mit Hedwig Potthast an. Der Kontakt reißt auch nach 1945 nicht ab. Hedwig Potthast hält sich mit ihren Kindern sogar einige Monate in Brünings-Au auf. Bis sie Ende 1951 Eleonore mitteilt,. daß sie im Interesse ihrer Kinder ein neues Leben beginnen will. Von diesem Moment an verschwinden sie und Himmlers uneheliche Kinder für immer. Sicherlich hat man ihnen geholfen, eine neue Identität anzunehmen.

Also Details und Einblicke in diesem Buch über das Privatleben der selbsternannten SS-Elite, wie sie noch nirgendwo zu lesen waren.

Dieses Buch über die Adoptivtochter Oswald Pohls reiht sich ein in eine ganze Serie von Büchern unterschiedlicher Qualität, in denen die Nachkommen oder Verwandte der einstigen Nazigrößen der ersten Reihe ihre Familiengeschichte zum besten geben, zum Beispiel Die Brüder Himmler: Eine deutsche Familiengeschichte und
Der Schatten meines Vaters sowie Leben gegen Schatten: Gelebte Zeit - geschenkte Zeit. Begegnungen - Erfahrungen - Folgerungen
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Regina Karolyi TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch erzählt die Geschichte des Mädchens Heilwig. Ihre Mutter Eleonore, Witwe mit einer Tochter, hat sich in einen verheirateten Mann verliebt und wird von ihm schwanger. Da ein uneheliches Kind Schande bedeutet, entscheidet sie sich, das Kind diskret in einem Lebensborn-Heim zur Welt zu bringen. Diese ermöglichen es Frauen, ungewollte, meist uneheliche Kinder unter Geheimhaltung zu gebären und auch schon die vorhergehenden Monate dort zu verbringen. Voraussetzung: Mutter und Vater müssen den Ariernachweis erbringen und "erbgesund" sein.
Eleonore nimmt die kleine Heilwig bald wieder zu sich. Sie ist während ihres Heimaufenthalts dem Reichsführer SS Himmler aufgefallen, an den sie sich nun wendet, weil sie mit ihren geringen Einkünften und dem neuen Baby nicht über die Runden kommt. Himmler verkuppelt sie mit seinem engen Mitarbeiter, SS-General Oswald Pohl.
Pohl adoptiert die kleine Heilwig. Die Familie zieht auf ein Gut, das der SS gehört. Relativ bald hat das recht feudale Leben ein Ende: Die Russen sind ganz in die Nähe vorgedrungen, mit Mühe gelingt die Flucht nach Oberbayern, wo Eleonore ein Haus besitzt. Pohl versteckt sich, wird aber als einer der meistgesuchten NS-Verbrecher - er war unter anderem für die KZs verantwortlich - gefasst und schließlich als einer der letzten Insassen im Landsberger Gefängnis 1951 hingerichtet.
Heilwig wird tagtäglich mit dem in Deutschland zunehmenden Hass auf ihren "Vater" konfrontiert, sie erfährt Ausgrenzung und Übergriffe, so wird sie von Dorfkindern und -jugendlichen mit Steinen beworfen.
Viele Jahre später bricht alles wieder auf. Ihre heranwachsenden Kinder, denen sie nie von ihrer familiären Vergangenheit erzählt hat, konfrontieren sie mit Pohls Namen und dem, was sie in der Schule über ihn gelernt haben.

Heilwigs Geschichte löst Bestürzung aus, macht sie doch begreiflich, welche Lasten viele unsere Mitmenschen seit dem Nationalsozialismus mit sich herumschleppen oder -geschleppt haben.
Das Buch ist, abgesehen von seinem Wert als Biografie einer außergewöhnlichen Frau und einer von den Fährnissen der Politik gebeutelten Familie, ein subjektives Stück Geschichte Deutschlands, das der offiziellen Geschichtsschreibung, zusammen mit vielen anderen persönlichen Erlebnissen, wichtige Facetten hinzufügt.
Es zeigt auf, wie manches Schicksal vom Hakenkreuz gelenkt wurde, ohne dass die betreffende Person, wie Heilwig, als kleines Mädchen von einem der NS-Paladine adoptiert, dafür verantwortlich gemacht werden kann, obwohl dies kontinuierlich versucht wurde.
Zudem kann sich der Leser darüber informieren, dass die Lebensborn-Heime keineswegs vorrangig das waren, als was sie heute vor allem gesehen werden, sondern vor allem - natürlich nicht uneigennützig - zur Verfügung gestellt wurden, um werdenden "ledigen Müttern mit zu erwartendem "rassisch wertvollem Nachwuchs" eine Chance zu geben, sich der drohenden Schande zu entziehen.
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