Dieses Buch erzählt die Geschichte des Mädchens Heilwig. Ihre Mutter Eleonore, Witwe mit einer Tochter, hat sich in einen verheirateten Mann verliebt und wird von ihm schwanger. Da ein uneheliches Kind Schande bedeutet, entscheidet sie sich, das Kind diskret in einem Lebensborn-Heim zur Welt zu bringen. Diese ermöglichen es Frauen, ungewollte, meist uneheliche Kinder unter Geheimhaltung zu gebären und auch schon die vorhergehenden Monate dort zu verbringen. Voraussetzung: Mutter und Vater müssen den Ariernachweis erbringen und "erbgesund" sein.
Eleonore nimmt die kleine Heilwig bald wieder zu sich. Sie ist während ihres Heimaufenthalts dem Reichsführer SS Himmler aufgefallen, an den sie sich nun wendet, weil sie mit ihren geringen Einkünften und dem neuen Baby nicht über die Runden kommt. Himmler verkuppelt sie mit seinem engen Mitarbeiter, SS-General Oswald Pohl.
Pohl adoptiert die kleine Heilwig. Die Familie zieht auf ein Gut, das der SS gehört. Relativ bald hat das recht feudale Leben ein Ende: Die Russen sind ganz in die Nähe vorgedrungen, mit Mühe gelingt die Flucht nach Oberbayern, wo Eleonore ein Haus besitzt. Pohl versteckt sich, wird aber als einer der meistgesuchten NS-Verbrecher - er war unter anderem für die KZs verantwortlich - gefasst und schließlich als einer der letzten Insassen im Landsberger Gefängnis 1951 hingerichtet.
Heilwig wird tagtäglich mit dem in Deutschland zunehmenden Hass auf ihren "Vater" konfrontiert, sie erfährt Ausgrenzung und Übergriffe, so wird sie von Dorfkindern und -jugendlichen mit Steinen beworfen.
Viele Jahre später bricht alles wieder auf. Ihre heranwachsenden Kinder, denen sie nie von ihrer familiären Vergangenheit erzählt hat, konfrontieren sie mit Pohls Namen und dem, was sie in der Schule über ihn gelernt haben.
Heilwigs Geschichte löst Bestürzung aus, macht sie doch begreiflich, welche Lasten viele unsere Mitmenschen seit dem Nationalsozialismus mit sich herumschleppen oder -geschleppt haben.
Das Buch ist, abgesehen von seinem Wert als Biografie einer außergewöhnlichen Frau und einer von den Fährnissen der Politik gebeutelten Familie, ein subjektives Stück Geschichte Deutschlands, das der offiziellen Geschichtsschreibung, zusammen mit vielen anderen persönlichen Erlebnissen, wichtige Facetten hinzufügt.
Es zeigt auf, wie manches Schicksal vom Hakenkreuz gelenkt wurde, ohne dass die betreffende Person, wie Heilwig, als kleines Mädchen von einem der NS-Paladine adoptiert, dafür verantwortlich gemacht werden kann, obwohl dies kontinuierlich versucht wurde.
Zudem kann sich der Leser darüber informieren, dass die Lebensborn-Heime keineswegs vorrangig das waren, als was sie heute vor allem gesehen werden, sondern vor allem - natürlich nicht uneigennützig - zur Verfügung gestellt wurden, um werdenden "ledigen Müttern mit zu erwartendem "rassisch wertvollem Nachwuchs" eine Chance zu geben, sich der drohenden Schande zu entziehen.