In einer Parteitagsrede forderte die designierte Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel: „Wir brauchen keine jobgerechten Familien, sondern familiengerechte Jobs!"
Die Autorin Maren Lehky scheint sich für die widerspruchslose Anpassung an die Marktbedingungen auszusprechen. Betriebswirtschaftlich sperrige Familienverhältnisse dürfen mit dem zukünftigen und potentiellen Arbeitgeber unter keinen Umständen kollidieren. Frau hat ihre Familiensituation so zu organisieren, dass dem Unternehmen kein Risiko daraus erwächst und die Leistungskraft der Arbeitnehmerin ausnahmslos zur Verfügung steht. Mit dieser Einstellung mögen einige aus der alten patriarchalischen Unternehmenskultur ja noch konform gehen, was aber in meinen Augen absolut inakzeptabel ist, dass die Rolle der Mutter und der Wert der Erziehung in diesem „Ratgeber" herabgewürdigt werden. Und das Schlimmste ist: Die Identität der Frau wird nicht nur in Frage gestellt, es wird sogar empfohlen, diese zu leugnen! (S. 29: „Besonders für Karrierefrauen ist es wichtig, auch während der Schwangerschaft so „männlich" wie möglich zu bleiben, das heißt, alle Eigenschaften, wegen derer Sie es so weit gebracht haben, weiter zu pflegen und zu demonstrieren. Das wird wahrscheinlich noch schwerer fallen als sonst, weil Sie eigentlich vom Körper her mit ganz anderen hormonellen Signalen versorgt werden, aber halten Sie das Schauspiel durch!"). Das Buch ist voll von Äußerungen dieser Art. Obwohl die Autorin ein Soziologie- und Psychologiestudium absolviert hat, scheint sie selbst der „Vaterfalle" (Sigrid Steinbrecher) nicht entkommen zu sein.
Wenn jeder Einzelne die „Erziehung zur Persönlichkeit" (Rattner/Danzer) hinbekäme, würde die Spezies Patriarch schnell aussterben. Das Niveau einer Zivilisation hat sich in der Geschichte stets am Einfluss von Frauen gezeigt (Schwanitz „Bildung").
Zum Abschluss sei noch hinzugefügt: Wenn laut Verfasserin schon wegen eines einzigen Orthografiefehlers ein Bewerbungsschreiben in die Ablage „Papierkorb" wandert, so ist dieses Buch aufgrund seiner darin enthaltenen Druckfehler nicht wert, gelesen zu werden. Ich saß mit der Lektüre des beschriebenen Buches auf jeden Fall im falschen Film!