Also ein richtiger A-Film ist es trotz den drei herausragenden Schauspielern eher nicht geworden. Zwar spielt hier Heather Graham die Hauptrolle, die wir in "From Hell" und einer Folge von Austin Powers kennen und lieben gelernt haben. Sie sieht hier wie immer wunderschön aus. Und welche Schauspielerin kann schon mit ihren Augen und Beinen mehr Erotik verströmen als sie? Und da gibt es ja außerdem noch Natasha McElhone zu sehen, deren etwas spröde, elegante Schönheit das optimale Kontrastprogramm zur Graham bildet. Seit "Solaris" bin ich ein stiller und etwas verliebter Bewunderer. Und dann haben wir noch ganz nebenbei Joseph Fiennes, ich sage nur "Shakespeare in Love". Alle drei sorgen für wunderschöne Bilder auf der Leinwand. Und ja, allein die schöne Oberfläche sorgt schon dafür, dass der männliche Zuschauer vom Film gefesselt ist. Buchstäblich.
Natürlich ist "Killing Me Softly" vor allem ein Erotikfilm. Tatsächlich gehören die Szenen zwischen Heather Graham und Joseph Fiennes zu den gelungensten und - sagen wir mal - leidenschaftlichsten Darstellungen von Sex in einem Film, vielleicht wirklich nur übertroffen von der Intensität der entsprechenden Szenen in der Verfilmung von "Der Liebhaber". Natürlich ist die Wirkung auf den Zuschauer hier immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks des Betrachters. Aber die Erotik in diesem Film scheint mit Liebe gemacht zu sein - es geht nicht nur um die optische Darstellung von Sex. Jede Liebesszene im Film hat eine kleine Geschichte, die die Spannung langsam steigert und einen die Freude der Personen im Film auf das kommende Ereignis ein wenig spüren lässt. So muss ich sagen, dass ich die erste Hälfte des Films eigentlich ohne Einschränkung gelungen finde.
Warum denn trotzdem die Kritik? Ja, es ist einfach ein B-Film. Die Handlung strotzt nur so von Stereotypen. Und der Schluss, die Auflösung der Rätsel um den geheimnisvollen Ehemann, erscheint schlicht misslungen. Wo man bei der Darstellung der Erotik mit Sorgfalt gearbeitet hat, wird hier nur ein Ende mit vorgeblichem Überraschungseffekt und mit wenig Rücksicht auf die Charakterisierung der Hauptpersonen aus dem Hut gezaubert. Filme, die es schaffen, Erotik und eine gute Krimihandlung zu verbinden, sind eben doch seltene Einzelfälle in der Kinogeschichte. Leider.
Weiterhin scheint über lange Strecken die Aussage des Films trotz der wunderbaren Nacktszenen eher konservativ zu sein. Lieber Zuschauer, wenn Du wirklich guten Sex hast, muss in Deinem Leben etwas falsch laufen. Denn guter Sex ist böse, also muss der leidenschaftliche Liebhaber und Ehemann gleich noch mit einer Neigung zu Gewaltausbrüchen gesegnet sein. Die Überschrift dieser Rezension ist natürlich ein Zitat aus dem Film. Es ist der moralische Appell der es gut meinenden Freundin. Ich persönlich möchte diesen Satz in der Überschrift hier einfach mal mit "Doch, man darf" beantworten. Warum auch nicht? Gibt es denn überhaupt eine wirklich gute Beziehung ohne guten Sex? Ich fürchte allerdings, dass der Drehbuchautor meine Überzeugung nicht teilt. Und das war schade für den Film, denn so hätten wir vielleicht auch ein anderes Ende gesehen, und das hätte dem Film gut getan.
Nun ja, ich hatte trotzdem meinen Spaß. Und nach dem Film auch ein klein bisschen Sehnsucht nach Heather und Natasha. Ob das gut so ist? Ich glaube schon.