Vor 4 Jahren schrieb ich in meiner Rezension zu "Pharma" folgendes:
"Das Buch wirkt leider vollkommen konstruiert und unglaubwürdig, was die Ausarbeitung der Charaktere betrifft. Hier merkt man (leider), daß ein Wissenschaftler am Werk ist und kein "gelernter" Schriftsteller, der reale Charaktere und keine Klischees beschreibt. In Indiana-Jones-Manier löst unser Held die Verschwörungen der Drogendealer und Pharmakonzerne auf - und sein Sohn, gerade mal 14 Jahre alt, hackt sich durch -zig Computersysteme der Regierung und der Pharmaindustrie, fliegt Hubschrauber, rettet Menschen ..."
Und genau das gleiche gilt für diesen neuen Thriller - fast meine ganze Rezension hätte ich 1:1 übernehmen können:
Papa ist zwar etwas weltfremd und naiv, dafür aber absolut ehrlich und integer, kommt mit seinem Sohnemann nicht ganz klar, hat aber ein fotografisches Gedächtnis, was natürlich dem Buch und der Auflösung unwahrscheinlich hilft. Sohnemann ist mittlerweile 17, wahrscheinlich einer der weltbesten Hacker (dazu ein begnadeter Techniker und Elektroniker und, zusammen mit Papa, der wiedergeborene McGyver), sie sind die ganze Zeit auf der Flucht, werden angeschossen, stürzen mit dem Flugzeug ab, werden eingesperrt, zusammengeschlagen etc etc etc, aber es ist klar, dass sie überleben.
Viele Klischees: Ein religiöser Fanatiker, eine böse, machtgeile, sexhungrige, aber wunderschöne Senatorin, korrupte Wissenschaftler - und mittendrin unsere beiden findigen Weltretter.
Sehr vorhersehbar, dadurch wenig Spannung, 150 Seiten weniger hätten es auch getan - der Showdown und die Auflösung sind so konstruiert, unglaubwürdig und überzogen im Ablauf, dass man, wie bei "Pharma", nur wiederholen kann: Weniger wäre mehr gewesen, Mr. Gerber.
Fazit: Nette Urlaubslektüre, aber viel zu konstruiert und vorhersehbar. Das wirklich gute, brisante Thema wird, für viel Action in Indiana Jones Manier, leider verschenkt.