So, nun gingen die Jungs um Steve Harris 1981 zum zweiten Mal ins Studio. Dennis Stratton wurde als zweiter Gitarrist durch den alten Kumpel von Davey Murray, Adrian Smith, ersetzt. Alle Stücke waren bereits geschrieben und mussten nur noch" umgesetzt werden. Als Produzenten holte man sich keinen Geringeren als Martin Birch an Bord, der u. a. auch Deep Purple produzierte. Steve Harris, dem die Produktion der ersten Platte überhaupt nicht gefiel, wollte nun alles besser machen. (Dem Rezensenten gefällt das Debütalbum trotzdem, der Sound ist halt anders, etwas dumpfer, aber die Stücke sind halt unverwüstlich!)
In der Einzelkritik bewerte ich das Album folgendermaßen:
,The Ides of March' ist ein super Instrumentalstück als Eröffnung, das nichts zu wünschen übrig lässt und vom Stil an die Kracher des Debütalbums anknüpft. Gemeint sind die Iden des März, in denen Julius Cäsar ermordet wurde. Hier hört man schon den reineren, klareren Sound, den Martin Birch herauskitzelte. 9 von 10 Punkten.
,Wrathchild': Schon ein Klassiker! Maiden spielt den Titel immer noch live! Fetzige Strophe, super Refrain, klasse Begleitung, das Solo rockt unwahrscheinlich. Eine perfekte Nr. für die Stimme von Paul di' Anno. 10 von 10 Punkten.
,Murders in the Rue Morgue' handelt von dem gleichnamigen Stück von Edgar Allan Poe. Musikalisch hören wir eine flotte Rock-Nr. mit recht einfacher Struktur, deshalb nur 8 von 10 Punkten.
,Another life' fetzt von Beginn an richtig ab und ist eine richtig gute Rock-Nr. mit Bruch in der Mitte und einem kurzem Solo, nach dem das Tempo noch ein Mal erhöht wird - ganz stark. 9 von 10 Punkten.
,Genghis Khan' ist das zweite Instrumentalstück der Platte, welches etwas sperriger als das erste ist. Nicht ganz so melodisch, aber härter und schneller. Zum Schluss wird's dann doch noch melodischer bei hohem Tempo. Natürlich geht es um den Khan der Mongolen, der die halbe Welt eroberte. 8 von 10 Punkten
,Innocent Exile' rockt im typischen Maiden Stil. Im Text geht es um die Flucht eines Mörders - eine sehr harte Nummer. 7 von 10 Punkten.
,Killers' geht ein ganz hohes Tempo und setzt Maßstäbe für den NWOBHM. Die kreischende Leadgitarre geht voll rein. Die Rhythmusgruppe gibt im Hintergrund alles. 10 von 10 Punkten.
,Prodigal Son' beginnt mit akustischer Gitarre, wird dann jedoch härter und elektrisch unterstützt. Ist aber im Ganzen ein nicht so hartes Stück. Thematisch geht es um den Verlorenen Sohn - ein biblisches Motiv. Das Gitarrensolo ist mal wieder der Hammer. 10 von 10 Punkten.
,Purgatory': Das Fegefeuer wird in sehr hohem Tempo beschrieben. Die Gitarre spielt das Hauptmotiv im Hintergrund mit, im Solo wird jedoch variiert. So schnell waren vorher noch wenige. 9 von 10 Punkten.
,Twilight Zone' ist eine harte, gute Rock-Nr., die mir etwas zu eintönig ist. 7 von 10 Punkten.
,Drifter' ist ein rockiges Stück mit einem sehr bluesigen Solo und einem Bruch gegen Ende. Sehr stark. 8 von 10 Punkten.
Killers ist ein ganz starkes Album, das auf jeden Fall 5 von 5 Punkten verdient hat. Es ist flotter als das erste und vom Klang her klarer. Für meinen Geschmack waren die Kompositionen auf Iron Maiden etwas besser und abwechslungsreicher. Es gehört auf jeden Fall in den Schrank jeden Rockfans und v. a. ab und zu in den CD-Spieler.
Folgende Frage stellt sich mir noch. Wie kann ein Bassist, der auch kaum singt, solche Melodien schreiben? Steve Harris hat die beiden ersten Alben fast im Alleingang geschrieben. Die Stücke sind auch komplex und werden nach mehrmaligem Hören immer interessanter. Da muss sich sehr viel im Kopf des Komponisten abspielen. Hut ab vor dieser Leistung. Außerdem gilt er auch technisch als einer der besten Bassisten seiner Zunft. Er ist der Navigator der Band und hält diese seit über 30 Jahren auf Kurs, von dem zum Glück kaum abgewichen wurde.