Rezension
Bevor Jana Walker zur Auftragskillerin wurde, musste sie eine harte Vergangenheit durchstehen. Drogen, Prostitution, Morde - und das mit nicht mal fünfzehn Jahren. Seit sie sich als Mörderin verdingt, lebt sie von einem Tag zum nächsten, getarnt als Studentin. Doch ihre inneren Dämonen lassen sie nie gänzlich los. Nach jedem neuen Auftrag suchen sie ihre Schuldgefühle ein, nach jedem Sex ihre Erinnerungen an die vielen Männer, die danach ihr Leben lassen mussten. Doch als sie ihren nächsten Auftrag ausführt, kann Jana nicht ahnen, dass ausgerechnet ein anderer Auftragskiller und Geheimagent den Impuls legen könnte, der ihre gesamte Handlung und Denken in Frage stellen könnte.
Bei diesem Roman handelt es sich um einen Erotik Thriller, der also von der Thematik her durchaus vom reinen Mainstream in diesem Genre abweicht. Zu Beginn der Handlung wird eingehend auf die Charakterzeichnung der Protagonistin eingegangen. Jana wird in ihren Denkprozessen und Gedanken hinsichtlich ihres Jobs und ihrer eigenen Vergangenheit detailliert vorgestellt. Oftmals schneidet der Autor einige interessante Aspekte betreffend der psychologischen Gegebenheiten an, auf die allerdings nie näher eingegangen wird. Es scheint, als könnte der Autor selbst nicht in eine tiefere Eben dringen. Somit bleibt es lediglich bei einem Kratzer an der Oberfläche im Hinblick auf Janas Emotionen und ihre Gefühlswahrnehmung. Des öfteren steht der Leser solchen Konflikten gegenüber. Immer wieder wird der Kampf in ihrem Inneren und die Selbstzweifel thematisiert, die Aussichtslosigkeit ihrer Vergangenheit hervorgehoben. Zu deutlich erkennt man, wie diese Geschehnisse auch ihre jetzige Handlung im Roman prägt. Positiv zu benennen ist, dass durchaus eine Entwicklung des Charakters stattfindet. Bald schon hinterfragt sie ihre Handlungen, stellt ihrem Gewissen selbst reflektierende Fragen und stellt sich ihren Ängsten und Schuldgefühlen. Leider entwickelt sich die Story nicht in demselben Maß. Während Jana von Auftrag zu Auftrag jagt, lernt sie Brendon kennen, ebenfalls ein Auftragskiller und Geheimagent, der sie dazu bringt, für sich zu arbeiten. Jedoch ist er, wie im Klappentext hervorgehoben, nur bedingt der Auslöser ihrer Entwicklung und von Verliebtheit kann man in diesem Falle ebenfalls nicht sprechen.
Brendon scheint zu Beginn ebenfalls ein vielversprechender Protagonist zu werden, was sich jedoch im Verlauf der Geschichte eher nicht widerspiegelt. Zu Beginn der geheimnisvolle und zurückhaltende, entpuppt er sich schnell als eine klassische Nebenfigur, die jegliche Farbe verliert und flach bleibt. Insgesamt betrachtet kommt dieser in der Geschichte nur vor, um die Handlung voranzutreiben und Janas Entwicklung einleitet, weil er der erste Mann ist, denn sie nach dem Sex nicht tötet. Im weiteren Verlauf kommt Brandon kaum noch vor und verschwindet im Abgrund der nicht weiter zu gebrauchenden Charaktere, von denen hier durchaus noch weitere vorkommen. Die Erotikszenen werden immer wieder auf unterschiedliche Weisen dargestellt, sodass hier etwas Abwechslung ins Spiel kommt. Beschrieben werden diese ihrem Zweck entsprechend - entweder leidenschaftlich romantisch oder eben auch mit etwas prägnanteren und ausdrucksstärkeren Wörtern. Mit fortschreitender Seitenzahl jedoch erkennt der Leser, dass das Potenzial, welches vor allem in der psychischen Ebene verankert ist, nicht ausgeschöpft wird. Es mangelt deutlich an Detailarbeit und Tiefe, ebenso wie Einleitungen zwischen den einzelnen Geschehnissen. Anstatt diese zusammenhängend zu gestalten, werden einfach Zeitsprünge als Übergänge genutzt. Vor allem das Ende löst beim Leser Frustration aus: Ein absoluter Cliffhanger, ja gar eine abgebrochene Handlung mitten im Geschehen. Es ist, als würde man einfach mitten in der Geschichte rauskatapultiert werden, gerade wenn es beginnt, interessant zu werden. Ein absolutes no-go, welches der Autor sich hier geleitet hat. Ob dieser Roman als Einzelband feststeht oder noch weitere Bände folgen, ist nicht bekannt, jedoch kommt der Leser zum Schluss durch das viel zu offene "Ende" absolut nicht auf seine Kosten.
Fazit:
Mangelnde Detailarbeit und ein offenes Ende verhindern den Abschluss der eigentlich gut eingeleiteten Hauptgeschichte. Der abrupte Cliffhanger am Ende sorgt deutlich für Missmut. Für Fans erotischer Literatur als kurzweilige Unterhaltung sicherlich tauglich, allerdings nicht empfehlenswert, wenn man Wert auf eine abgerundete Geschichte und ein vollständiges Ende legt.
Pro & Contra
+ Interessantes psychisches Thema
+ eingehende Einblicke in die Gedanken der Protagonistin
+ Abwechslungsreiche Erotikszenen
0 Nette Unterhaltung für Zwischendurch
- flache Nebencharaktere
- unzureichende Übergänge zwischen einzelnen Handlunssträngen
- viel zu offenes Ende (Cliffhanger)
- abruptes Unterbrechen der Geschichte mitten in der Handlung
- ungenutztes Potenzial der Hauptgeschichte
Bewertung:
Handlung: 2,5/5
Charaktere: 2,5/5
Lesespaß: 3,5/5
Preis/Leistung: 4/5
Insgesamt: 3 Sterne