Zwei Jahre nach seinem letzten richtigen Studioalbum präsentiert uns Tech N9ne uns seine nächste Doppel-LP, mit einem Titel, der ihn nicht unbedingt zum Traumschwiegersohn macht. "Killer" erinnert nicht nur namentlich an "Thriller", nein auch das Cover sowie das komplette Art-Work ist ein Verschnitt von Jacko's Album für die Ewigkeit. Wenn man sich daran erst mal satt gesehen hat, macht schon gleich der Blick auf die Tracklist noch mehr Lust darauf, die ersten CD endlich in den Player zu legen, denn Tecca Nina hat sich auch auf "Killer" nicht lumpen lassen und nahm Stars en masse, u.a. Shawnna, Paul Wall, Ice Cube, Krizz Kaliko, Dirtball, Scarface und Mitah FAB, sowie einige Leute aus seinem Umfeld mit ins Studio.
CD 1 ist die deutlich härtere der beiden. Dies bekommt man gleich von Anfang an zu spüren. Introsong wartet mit einigem an dröhnenden Beats, abgefahrenen Elektro-Elementen und Schüssen diverser Waffen auf und bietet einen Tecca in Bestform, der seine Reime spuckt, wie die Knarre, nach der er sich benannt hat. Besonders sein Hook mit den Worten "Killer, killer, it's the gorilla" regt sofort zum mitmachen an. So muss ein Album anfangen! Noch eine Spur härter wird mit "Everybody Move" gefahren, bei dem es noch penetranter und wuchtiger aus den Speakern pumpt und wir mit Tech N9ne das Beste zu hören bekommen, was der mittlere Westen der USA zu bieten hat. Düster und Slow, also schon fast Texas-Style, gibt's mit "Get The Fuck Outta Here", bei dem passender Weise Houston-Rapper Paul Wall neben Tecca und The Popper mit am Mic steht. Am besten rappt hier natürlich Tech, dessen Skills einfach einmalig sind, aber auch Paul ist nicht zu verachten. Dass der gute Tecca eine kleine Schwäche für sexy Kellnerinnen hat, macht er uns auf "Waitress" klar. Ein Song, der wieder einmal mit knallharten Beats, aber auch verdammt maskulinen Crunk-Elementen bestückt ist und einen Rapper bietet, der aufzeigt, dass auch Bedienungen das Recht haben, ein Meisterwerk gewidmet zu bekommen. Ruhiger, fast schon etwas traurig kommt "Crybaby" daher und bietet somit den perfekten und auch notwendige Kontrast zu den ganzen harten Banger davor und danach. Dröhnende Gitarrenriffs, Schlagzeuge und alles was sonst noch zu perfekten Rock-Show dazugehört, werden uns mit "Shit Is Real" aufgetischt. Der Song rockt schlicht und einfach ohne Ende und ist eine Bereicherung in jeder Musiksammlung. Böse, düster und sehr drückend geht es mit "Blackboy" (feat. Brother J, Ice Cube & Krizz Kaliko) und "Pillow Talkin'" (feat. Scarface) weiter, zwei Lieder, die sich perfekt ins Gesamtbild einfügen und einen Tech N9ne zeigen, der trotz Legenden wie Ice Cube und Scarface neben sich immer der Mittelpunkt bleibt. Das ist einfach Rap at its Finest. Highlight, nicht nur von Disc 1, sondern des ganzen Albums, ist "Psycho Bitch II", das neben donnernden Beats auch noch "Phantom der Oper"-Samples beinhaltet - Horrorstimmung garantiert! Insgesamt kann man eigentlich über die komplette erste CD nur positive Worte verlieren, denn ausnahmslos jeder Song ist großartig geworden, weshalb man sich sicher fragt, ob dieses Niveau auch weiter gehalten werden kann oder ob nicht auch nur eine CD gereicht oder gar besser gewesen wäre. Um es gleich vorweg zu nehmen: an die Genialität von CD 1 kommt Nummero 2 nicht heran, bietet einem Tecca-Fan jedoch noch einiges an großartigen Tracks. Los geht's mit der Abrechnung mit der Ex auf "I Love You But Fuck You", einer angenehm melodischen Nummer, die durch den gesungenen Refrain auch noch einen Touch R'n'B erhält. Nachdenklich und ebenfalls etwas ruhiger zeigt sich Tech N9ne auf "One Good Time", welches ein schönes und emotionales Gitarrenstück sein Eigen nennen kann und einem mit Tech's tiefgründigen Rhymes sehr nahe geht. Nach diesem "Weichspüler" geht es in gewohnter Manier mit einem echten Brecher in Form von "Drill Team" weiter. Imposantes und wuchtiges Instrumental, dazu das "Drill Team" bestehend aus Tecca, Snug Brim, BG Bulletwound und Krizz Kaliko, welche uns ihre harten Raps an den Kopf schmeißen. Gefühlvoll und entspannt präsentiert sich der Star aus Kansas City auf "Why You Ain't Call Me", das sowohl durch seinen kraftvollen Beat, als auch durch seine akustichen Instrumente (Gitarre & Streicher) zum echten Ohrwurm und damit Highlight der zweiten Scheibe wird. "I Am Everything" (feat. Hed P.E. & Kottonmouth Kings) erinnert eher an Heavy Metal als an Heavy Mental und dürfte daher nur den wenigsten gefallen, auch wenn die Raps wieder echt klasse sind, was einen aufgrund des doch etwas übertriebenen Instrumentals nicht besonders interessiert. Richtig dramatisch wirkt "Happy Ending", was vor Allem dem Piano und den Geigen, aber auch den bedrückenden Versen Teccas liegt und so ein weiterer Hit entsteht.
Insgesamt ist die zweite CD deutlich ruhiger und nachdenklicher, teilweise jedoch auch etwas zu eintönig. Schlechte Lieder gibt es zwar auch hier keine, so mitreißend wie die erste Scheibe ist die zweite aber bei Weitem nicht. Trotz diesen kleinen Makels muss man sagen, dass "Killer" ein absolutes Top-Album geworden ist, das gerade wegen der unterschiedlichen Klänge der beiden Discs genau das richtige für jede Stimmung bietet. Tech N9ne kann sich auch hier wieder als einer der besten, leider aber auch unbekanntesten, MCs der Staaten auszeichnen und liefert dem Fan, was er haben möchte. Ein Doppel-Album mit ausschließlich guten bis großartigen Songs gibt es im Rap-Bereich äußerst selten, so etwas schaffen nur die ganz Großen, Stichwort: "All Eyez On Me". Das riecht schwer nach Album des Jahres...