Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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67 von 74 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hardcore der Musikwirtschaft als Flowerlebnis präsentiert, 6. März 2008
Ein Stern für Kenntnisse der Musikbranche
Der Autor (John Niven) und der Übersetzer (Stephan Glietsch) sind beide hervorragende Kenner der Musikbranche. Der Roman bezieht sich auf britische Labels in den 90er Jahren. Dennoch haben viele Episoden auch hier und heute ihren Wahrheitsgehalt. Die Unmengen von Demotapes, die bei den Labels eingehen - die (geringen) Chancenverteilungen zum (Welt-) "Star" zu werden, auch wenn die Band gesingt wurde - die Hintergründe wie Bands aufgebaut werden - der schwere Stand von Frauen (nicht nur) im MusikBiz - Hintergründe zu Vorschüssen, Messen, Meetings, Aufstieg und Fall von Künstlern - witzige Randbemerkungen zu Nightlinern, plakativen Vortragsreihen und "Fachwissen", welches mitunter nur ein undefinierbares "Bauchgefühl" ist etc. pp.: da steckt sehr, sehr viel an Wahrheit und Realität drinnen, welche mit Witz und Charme vermittelt werden. Übrigens auch bestens übertragbar auf andere (globale) Unternehmen. Fazit: Ein Abendstern der Musikindustrie.
Ein Stern für Hardcore
Das Buch ist in der Reihe "Heyne Hardcore" erschienen. Das sollte man wissen. Das sollte man auf jeden Fall wissen! Das Buch IST Hardcore pur: Hardcore-Sex, zum Teil sehr harter Hardcore-Sex - Hardcore-Drogen - Hardcore-Hass: gegen jeden und alles - Hardcore-Mord. Ein zutiefst abscheulicher Mord. Dennoch in diesem Bereich immer noch mit Stil, mit Ironie, mit Sarkasmus und daher als Fazit: ein Fixstern am "Hardcore-Himmel".
Ein Stern für die "Gleichverteilung der Negativität"
Im allgemeinen gibt es in Büchern EINIGE Vorurteile, EINIGE Gruppen werden negativ dargestellt, andere werden positiv dargestellt. Anders in diesem Buch. Der Anti-Held hasst wirklich ALLES. Seine Kollegen, seine Vorgesetzten, die Sekretärinnen. Reihenhäuser, Mietswohnungen, historische Bausubstanz. Kinder, Alte, Erfolgreiche, Loser. Major-Labels, Indie-Labels, Musikmessen, Clubs. Vertreter, Restaurantangestellte, Hotelmitarbeiter, Taxifahrer. Top-Acts, Newcomer, nebenberufliche Musiker. ALLES. Es handelt sich um eine "vollkommen gerechte Gleichverteilung des Hasses". Niemand wird verschont. Vermutlich werden sich alle Leser irgendwann (oder auch öfters) auf den Fuß getreten fühlen - sofern man sich über irgendeine Gruppierung schon einmal geärgert hat, wird man sich allerdings möglicherweise auch ertappen, hin und wieder selbstironisch zu schmunzeln. Gründlicher als in diesem Buch kann man gar nicht die verschiedensten Gruppen von Menschen ohne Kompromisse niedermachen. ALLE. Ohne jede Rücksicht. Bei aller Niedertracht: die "Neutralität" wurde sozusagen gewahrt: es trifft jeden. Fazit: Ein Meteorit des Hasses.
Ein Stern für das Flowerlebnis
Das Buch treibt voran. Die Story. Den Leser. Es zieht in den Bann - in eine eigene Umlaufbahn. Die Story fließt, strömt, reißt mit: liest sich im "Flow". Ich habe den größten Teil des Buch in kürzester Zeit während einer Dienstreise "in einem Zug" gelesen. Fazit: Ein Komet des literarischen Flow-Erlebnisses.
Ein Stern für die Übersetzung
Oftmals sind Übersetzungen "holperig" und kommen nicht an das Original heran. Dem Übersetzer Stephan Glietsch ist es hier gelungen, die Dichte, den Takt und Rhythmus von John Niven umzusetzen. Fazit: Ein Morgenstern der Übersetzung.
Viele Romane lassen sich in eine "Schublade" packen. Nicht so "Kill Your Friends". Das Buch ist anders, direkter, subtiler, sarkastischer, düsterer und härter als die meisten Romane, die ich in der letzten Zeit in die Hände bekam. Es hat mich von Anfang an in seinen Kosmos gezogen.
Fazit: Fünf Sterne.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
British Psycho, 2. September 2009
Die britische Musikindustrie der ausgehenden Neunziger befasste sich, glaubt man John Niven, ausschließlich damit, Partys zu feiern, Drogen einzuwerfen und auf Teufel komm raus herumzuhuren. Immerhin war Niven selbst in dieser Branche tätig, was diese Behauptungen in gewisser Weise stützt.
Sein Protagonist Steven Stelfox, Mitte zwanzig, arbeitet im Bereich "Artist & Repertoire" (A&R) eines Londoner Plattenlabels. Stevens Aufgabe besteht darin, neue Acts zu "signen" und im Idealfall Hits aus ihnen zu machen. Stelfox hält das Publikum für Deppen, die Musiker und den Rest der Welt aber eigentlich auch. Er ist ein Misanthrop reinsten Wassers, sogar mehr als das - der gedankliche Hass des Ich-Erzählers richtet sich gegen alles und jeden. Und irgendwie auch gegen sich selbst, wenigstens gegen die eigene Arbeit. So muss er - unter anderem - aus einem Haufen prolliger Mädchen, die weder singen, noch tanzen oder sich fehlerfrei sprachlich ausdrücken können, eine Antwort auf die "Spice Girls" formen. Der Druck, neue, erfolgreiche Bands zu "bauen", ist enorm. Gleichzeitig wächst Stelfox' Finanzbedarf quasi täglich an, weil die vielen Drogen und Prostituierten ganz schön ins Geld gehen. Das aber sind die einzigen Dinge, die ihn wirklich interessieren.
Als sich abzeichnet, dass ein anderer den begehrten Posten in der Company ergattern wird, nimmt dieser Hass auch physische Züge an. Stelfox tötet den Widersacher, beinahe beiläufig, und es bliebe für ihn auch ohne Folgen, wären da nicht ein junger Polizist und die eigene Sekretärin namens Rebecca. Doch der Polizist träumt davon, selbst Rockstar zu werden, und Rebecca wäre gerne Stelfox' Ehefrau. Zwei gute Hebel, um mit dem Problem fertig zu werden. Und zwar ziemlich endgültig.
Das Buch ist in zwölf Abschnitte unterteilt, die die Monatsnamen des Jahres - die Handlung spielt 1997 - als Titel tragen. Am Ende wird sich scheinbar nicht viel verändert haben.
Nivens Roman zeichnet das Bild einer weltfremden, arroganten, partysüchtigen und geldgeilen Branche, die von den Träumen der Kunden lebt, ohne sie auch nur ansatzweise ernstzunehmen. Neue Acts entstehen in der Retorte, jeder Mist wird auf den Markt geworfen, Talent oder Ambitionen spielen keine Rolle. Die Plattenfirmen der ausgehenden Neunziger, die kurz darauf das digitale Zeitalter verschliefen, weil sie ihre eigene Macht überschätzten, werden als korrupte Unternehmen dargestellt, die Musiker verheizen und sich gegenseitig wie Hyänen belauern. Insofern ist "Kill Your Friends" möglicherweise ein Zeitdokument.
Aber mit negativen Protagonisten ist das so eine Sache. Eine Figur, die ungestraft tun und lassen kann, worauf immer sie auch Lust hat, jede denkbare Form von Brutalität eingeschlossen, dient nur sehr eingeschränkt einerseits der Identifikation und andererseits als Symbol. Eine solche Person als Held eines Romans bedarf einer sprachlichen wie dramaturgischen Unterfütterung, die das permanente Unwohlsein des Lesers ausgleicht. Das gelingt in "Kill Your Friends" nicht immer. Im letzten Dritteln schleifen sich die literarischen "Special Effects" zusehends, das leicht Epigonenhafte des Buches drängt in den Vordergrund, Leserermüdung setzt ein.
Nichtsdestotrotz. Eine sehr brachiale, manchmal amüsante, gelegentlich erhellende und meistens unterhaltsame Lektüre. Und ein interessantes Buch über eine Branche, der zu der Zeit, in der der Roman spielt, noch von sich glaubte, über den Dingen zu stehen. Wofür sie den Gegenbeweis mithin ja selbst erbracht hat.
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16 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Aus einer vergangenen Zeit, 17. Mai 2008
Aus einer vergangenen Zeit. Als Plattenfirmen noch riesige Gewinne machten und die Spesenrechnungen kein Limit kannten.
Das Buch kann man "in einem Rutsch" lesen. Es beschreibt eine dekadente Zeit der Tonträgerindustrie, in der Künstler und Manager sich in Sex, Drogen verloren und der Rock n Roll nur Beiwerk war.
Der Protagonist hat nichts anders als Hardcore-Pornos und Drogen Kopf (Koks, Ketamin usw). Ständig lebt er seine Triebe aus: Er säuft, hurt und kokst. Am besten alles auf einmal. Die Musik ist lediglich Mittel zum Zweck. Er hasst alle die sich ernsthaft mit Musik auseinandersetzen. Seien es Musiker oder Kollegen.
Der Held ist eine zutieftst tragische Figur, die sich nur kurzzeitig amüsieren kann, aber genau dafür ist er in der richtigen Branche. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Er bringt für sein eigenes Überleben wichtige Eigenschaften mit: Er ist skrupellos bis zum Mord. Jeder Zweck heiligt die Mittel um den Status zu bewahren und weiter nach oben zu kommen.
Nach einer guten Hälfte des Buches glaubt man sicher zu sein: Jetzt stürzt er ab. Die Dekadenz hat ein Ende. Jetzt muss er büssen. Nichts da. Er findet einen Weg.
Das Buch hat eine gute Prise Humor. Speziell die Beschreibung von Business-Meetings haben bei mir ein Dejavu Erlebnis und lautes Lachen hervor gerufen. Ja, genau so war es !
Das Buch ist ein überzogenes Sittengemälde eines Insiders. Meine Kritik bezieht sich auf das detaillierte Auswalzen seiner Drogen- und Sexerlebnisse. Ein 16jähriger findet sowas vielleicht aufregend. Ältere werden sagen: So genau wollte ich es gar nicht wissen.
Wem Bukowski zu hart ist, sollte von dem Buch die Finger lassen. Oder es jemand schenken, den man nicht leiden kann. Vielleicht seiner ehemaligen Religionslehrerin ?
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