Von vielen wird dieses Album als sein schwächstes angesehen. Diese Meinung kann ich nicht teilen.
Es mag daran liegen, dass dieses Album nach den Smiths meine erste Morrissey-Platte war und ich so an seine künstlerische Laufbahn herangeführt wurde. Aber eigentlich steckt da mehr drin.
"Fast" jedes Morrissey-Album enthält musikalische Überflieger und kleinere Aussätzer, dazwischen immer die liebgewonnenen wunderschönen Melodien und Texte die sich oft erst nach mehrmaligem hören so richtig entfalten.
Kill Uncle reiht sich hier nahtlos ein. Einzig der Überflieger fehlt hier etwas, vielleicht noch "Our Frank". Als Aussätzer würde ich mal den den gleich darauf folgenden Titel "Asian Runt" bezeichnen, da ich bis heute nicht an ihn rankomme.
Die weiteren Titel präsentieren sich überwiegend beschwingt und leichtfüßig, wobei man bei "Sing your Life", "Mute Witness" und "King Leer" fast schon von Swing reden kann. Diese Seite an Morrissey gefällt mir auch nach all den Jahren noch sehr gut.
Es folgt das treibende "Found, Found, Found", das etwas an The Jesus and the Mary Chains erinnert.
Die beiden Stücke "Driving Your Girlfriend Home" und "The Harsh Truth Of The Camera Eye" sind eher ruhig und passen sich gut in das Gesamtkonzept der Platte ein.
Und dann das "(I'm) The End Of The Family Line": Irgendwie stimmt mich das Lied immer noch traurig. Wunderschön, aber traurig.
Naja, aber selbst wenn unser guter Stephen Patric Kinder in die Welt setzen würde, würden sie doch sicher nie an seinen Genius heranreichen. Das hat schon bei Zappa, Lennon und Co. nicht geklappt.
Fazit: Die Platte ist musikalisch leicht und "fluffig". Das Instrumentarium ist im Gegensatz zu seinen anderen Veröffentlichungen hier mehr zurück genommen (oft ist das Schlagzeug eher als Jazzbesen zu hören, irgendwo zupft leise ein Kontrabass etc.), was dieser Platte auch ohne große Hits einen hohen Wiedererkennungswert verleiht.