Das erste Album der Kilians liegt also vor mir. Nachdem mich die Band von ihren Livequalitäten im Pier 2 in Bremen auf dem Fest van Cleef überzeugt hat, erwartete ich das Album mit Spannung. Schließlich gibt es immer wieder Bands, die Live überzeugen, das Album aber das nötige Feuer nicht in die Aufnahme retten kann. Anders bei den Kilians.
Das Album überzeugt durch Abwechselung, schöne Gitarrenparts, einer rastlosen Stimme des Sängers van Hartog und einer Dynamik, die nur entsteht, wenn die Instrumente sich zu einem ganzen verschmelzen. Besonders schön ist das auf den Titeln Fight The Start, enforce yourself, when will I ever get home und sunday zu spüren.
Eine absolute Kaufempfehlung.
Zu den Tracks:
(1) Short life of Margott: Perfektes Lied für den Auftakt: Verspricht viel, hält einiges, aber lässt Spielraum nach oben. (6,5/10)
(2) Fight the Start: Macht gute Laune ab dem ersten Akkord, ideal dafür geeignet, um sich davon morgens wecken zu lassen, aufzuspringen und genug Energie für den Tag zu haben. Auch schön: reisst zum Tanzen hin. Schöne Gitarrenparts und dezent auffälliger Bass. (9/10)
(3) Enforce yourself: Hier passt so ziemlich alles. Kraftvoll, abwechselungsreich, ungeduldig, ohrwurmig. Der Sound schmiegt sich ideal an die Stimme von van Hartog. Setzt den Standard für die CD. Anspieltipp No. 1. (10/10).
(4) Little Billie, little Brother: Etwas zum sanften Hüftenschwingen mit Mundharmonika. Kein herausragender Song aber gehört ins Album! (7,5/10)
(5) Can't get along: Verzweifelter Liebessong, zwischen Vermissen und die Anwesenheit nicht Ertragen. Der Refrain ist mir deutlich zu verzweifelt, die langgezogenen leidenden Eskapaden des Sängers passen zwar in den Charakter des Liedes, aber für mich sind sie eindeutig zu viel. Dennoch: (5/10)
(6) When will i ever get home: Der Spiegelsong zu Can't get along. Eine hoffnungsvollere "Ballade", positive Melancholie, gradliniger Refrain, der durch schöne Brücken und Strophen umrandet wird. Ein Song mit vielen Rhythmenwechsel, die den sonst so häufigen Schmalz bei solchen Songs verhindert. (10/10)
(7) Sunday: Wer hat Angst vor einfachen Songs? The Kilians nicht. Ab geht's und hektisch dazu getanzt. Ein Feel-Good-Song. Sehr zugängig. (9/10)
(8) Fool to fool: Für die ruhigeren Vertreter unter euch. Ruhiger Song, der zum Hinhören der Lyrics verführt: "I am empty, lost, left below but not tired to deny to die at least in old-fashioned style", ein Song für hoffnungslos Verliebte. Sehr gut platziert, denn er zeigt: The Kilians können auch anders (7/10)
(9) Jealous Lover: Jo. So oft wollen wir gar nicht wissen, dass du ein eifersüchtiger Liebhaber bist. Gefällt mir musikalisch auch nicht so gut, obwohl es einige schöne Elemente hat. Diese werden aber dominiert von dem nervigen Gekreische vom "Jealous Lover", gut, dass das Lied so kurz ist. Für mich ein Skip-Track. (3/10).
(10) Something to Arrive: Diese Unruhe kennt jeder: "Wofür?" ist die leitende Frage des Songs. Auch hier wieder die Abwechselung in der Stimmung zwischen lässiger Ruhe und hektischer Unruhe im Rhythmus und Melodie. (8/10)
(11) Inside Outside: Der Bass gibt das Lied vor. Ein lässiger Grundrhythmus, Text und Stimme gehen den selben Weg und die Gitarren holen sich ihr wohlverdientes Solo. Ein Lied für das Ende einer Party. (7,5/10)
(12) Klare Akkorde, geradlinige Gitarren, tragender Rhythmus. Ganz ordentlich, aber keine Überraschungen. (6/10)
(13) Fassen wir es so zusammen: Man hätte den Song nicht vermisst, wenn er nicht mehr auf dem Album gewesen wäre. So ist er noch mit drauf und er stört auch nicht wirklich. (5,5/10)