Dieser Film von 1968 ist ein weiterer Beweis, wie innovativ der japanische Film - gerade im Vergleich mit Hollywood -schon immer war. KILL und andere Filme seiner Generation sind quasi ein Äquivalent zu den amerikanischen Western der Sechziger- und Siebziger-Jahre, wie bei diesen wird ein nationaler Mythos kritisch unter die Lupe genommen und umgedeutet, dort das amerikanische Grenzland, hier die Kaste der Samurai. Der Film spielt in der späten Tokugawa-Ära, einer Zeit, die das Ende der traditionellen japanischen Gesellschaftsordnung einläutete und in der die Samurai bereits einen Anachronismus darstellten, eine Elite mit völlig verkrusteten, degenerierten Normen, die ihren Platz an der japanischen Gesellschaftsspitze mit allen Mitteln zu bewahren versuchte. Dieser Konflikt wird in dem Film anhand von zwei überzeugenden Hauptprotagonisten gezeigt, einem bärenstarken, aber etwas tumben Bauern, der sich als Samurai ausgibt und einem Samurai, der sich als Kleinganove getarnt durchs Leben schlägt und seine eigene Kaste und ihre falschen Ehrbegriffe mit Ekel und mattem Zynismus betrachtet. Diese beiden konträren Charaktere kommen in eine Region, die durch interne Konflikte und unzählige Intrigen gebeutelt ist. Ähnlich wie in den beiden Kurosawa-Klassikern "Yojimbo" und "Sanjuro" helfen sie einigen jugendlichen Idealisten, die einzelnen Parteien gegeneinander auszuspielen und die schlimmsten Galgenvögel ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Dieses cineastische Machwerk spielt streckenweise sehr gekonnt mit verschiedenen Einflüssen des europäischen und amerikanischen Kinos, insbesondere die Stilmittel des Spaghetti-Westerns - darunter auch eine gelegentlich gewöhnungsbedürftige Filmmusik - ziehen sich durch den ganzen Film, das wird gerade auch bei der Charakterzeichnung und den eingestreuten Slapstick-Momenten deutlich. Die Schwarzweißbilder sind sehr gut komponiert, die Kameraeinstellungen oft originell, wie man das vom japanischen Kino auch gewohnt ist. Auch die Schauspielleistungen, allen voran Tatsuya Nakadai, der "achte Samurai", sind auf hohem Niveau. Insgesamt ein Film, der vielleicht für den europäischen Betrachter zu sehr zwischen verschiedenen Genres hin- und herpendelt, der es aber trotzdem schafft, cineastische Innovation mit hohem Unterhaltungswert zu verbinden und trefflich die Eruptionen einer zutiefst verunsicherten Gesellschaft porträtiert, im Grenzbereich zwischen Komödie, Historiendrama und Sozialgroteske.