Wenn man den Klappentext so liest, dann bekommt man den Eindruck, es handele sich bei "Kill List" wieder mal um einen Auftragskillerfilm der üblichen (düsteren) Bauart.
Nichts könnte falscher sein und wer sich hier auf flotte Unterhaltung mit etwas Blut einstellt, wird vermutlich eher verärgert über Ben Wheatleys Film sein. "Kill List", den man nicht nacherzählen kann, ohne alles zu spoilern, ist Thriller, Drama und Horror in einem, erzählt in realistischer TV-Optik und verstörenden, vignettenhaften Szenen; spröde und verworren, zeitweilig nüchtern, zeitweilig träumerisch-mysteriös. Was geschieht, scheint oftmals unwichtig oder nebensächlich, scheint überflüssig zu sein, doch mit zunehmender Laufzeit wird der Film immer dunkler, abgründiger, unkontrollierbarer, bis er auf den Schlußmetern plötzlich in Okkulthorror kippt.
Der Film ist sperrig, scheinbar unattraktiv erzählt und nur sporadisch "hart", ergeht sich mitunter aber in ein paar kurzen heftigen Gewaltdarstellungen. Der bewährte Eindruck ist "unbefriedigend", aber der Film setzt sich im Hinterkopf fest und knabbert dort hartnäckig herum bis zur zweiten Sichtung, ob man das Mysterium nicht doch irgendwie aufschlüsseln kann.
Die schönen Audiokommentare sind eine gute Ergänzung, erklären jedoch nicht den Film und seine Auflösung.
Insofern ein Film mit Langzeitwirkung, den man studieren muß, den man aber nicht wirklich mögen wird. Die Ablehnungsquote prognostiziere ich jetzt mal hoch, aber dennoch wird der Film in einigen Lieblingsgenrelisten auftauchen.
Abgründig, sehenswert, aber sehr speziell.