Beatrix Kiddo's Racheodyssee geht weiter und schlägt im Vergleich zum ersten Teil ganz andere Töne an. Während sie im ersten Teil in einem Bruce Lee Trainingsanzug mit ihrem Hattori-Hanzo-Schwert reihenweise Gegner tötete, muss dieser krass übertriebene Splatter langen Dialogen weichen.
Der zweite Teil fängt wie der erste in der Kapelle an aber dieses Mal sehen wir alles aus einer völlig neuen Perspektive und als komplette Sequenz. Man darf jetzt nicht denken, dass Kill Bill Vol. 2 ein ganz anderer Film geworden ist. Das Hauptthema Rache ist geblieben und ihr Ziel Bill zu töten geht in die entscheidende Runde. Nachdem sie im ersten Teil O-Ren Ishii (Lucy Liu) und Vernita Green (Vivica A. Fox) getötet hat, sind noch drei weitere Gegner geblieben: Budd (Michael Madson), Elle Driver (Daryl Hannah) und Bill (David Carradine). Mit diesen drei neuen Hauptfiguren und den veränderten Schauplätzen ändert sich auch die gesamte Atmosphäre des Films. Während der erste Teil eine Hommage an das Exploitationkino und italienische Giallo-Thriller der 70er Jahre ist, zollt Tarantino in Kill Bill Vol. 2 nun Tribut an den Spaghetti-Western. Wurden im ersten Teil die von Yuen Wo-Ping perfekt choreographierte Schwertkämpfe bewundert, müssen diese im zweiten Teil vielen dialoglastigen Szenen wie in Pulp Fiction weichen. Eastern-Fans kommen dennoch, dank einer Rückblende, in den Genuss Martial-Arts-Ikone Gordon Liu als Mönch Pai Mei in Action zu sehen. Für mich war die Ausbildung von Beatrix Kiddo zu Black Mamba der absolute Höhepunkt von Kill Bill.
Erstmals hat Bill, den wir bis dahin nur als Stimme aus Vol. 1 gekannt haben, seinen großen physischen Auftritt. Nach der Meinung von David Carradine, den besten Auftritt seiner Karriere. Uma Thurmans Darstellung als Braut und besonders an der Seite von David ist grandios. Der Dialog am Ende mit Bill war Klasse aber was mich noch mehr beeindruckt hat, war als Beatrix ihrer kleinen Tochter Bebi (Beatrix-Bill) gegenüber stand und diese ihre Mutter zum Duell mit Spielzeugpistolen herausgefordert hat. Die Menschlichkeit und Verletzlichkeit in dieser Szene hat Tarantino perfekt eingefangen. Michael Madson nach Reservoir Dogs wieder mit Quentin vereint, spielt Budd (Bill's heruntergekommenen Bruder) sehr gut, kommt aber an die geniale Darstellung von Mr. Blonde aus Reservoir Dogs natürlich nicht ran. Daryl Hannah als Elle Driver macht ihre Sache super und man hält sie wirklich für ein hinterlistiges Miststück. Sie liefert sich einen genialen Kampf mit der Braut. Gordon Liu als Mönch Pai Mei beweist warum er bereits jetzt eine Eastern-Legende ist und sein Auftritt wird lange in Erinnerung bleiben obwohl hier einiges nicht gezeigt wurde, was man vorher auf Bildern sehen konnte. Der Auftritt von Michael J. White wurde leider komplett herausgeschnitten, was ich sehr schade fand. Ich hätte gerne mehr vom Kampf gegen Bill erfahren. In einem kurzen Cameo sehen wir sogar Samuel L. Jackson als Orgelspieler.
Die Musik ist neben den genialen Dialogen und der packenden Atmosphäre das Herzstück von Kill Bill Vol. 2. Sie wurde von RZA (WuTang Clan) und Tarantino-Kumpel Robert Rodriguez geschrieben und produziert. Sergio Leones Haus- und Hofkomponist Ennio Morricone, welcher mit mehreren Titeln auf dem Soundtrack vertreten ist, trägt dazu natürlich auch einen großen Teil bei. Jedes Kapitel wird von der Musik perfekt untermalt und dies zeichnet Tarantino seit Reservoir Dogs aus. Er versteht es mit der Musik den Zuschauer wie kein anderer zu fesseln. Man kann stellenweise viele Parallelen, im positiven Sinne, zwischen Tarantino und Leone erkennen.
Fazit:
Da ich Spaghetti-Western und besonders Sergio Leone liebe, hat mir der zweite Teil ein bisschen besser gefallen als der abgedrehte Erste. Hätte die Produktionsgesellschaft Tarantino nicht zu dieser Zwangstrennung gezwungen, dann wäre Kill Bill sicherlich ein wahres Meisterwerk geworden. So haben wir einen sehr guten Film gesehen, den man aber wie bei Herr der Ringe nicht als individuellen Film, sondern als Teil eines Epos sehen sollte. Wenn man sich Kill Bill Vol. 1 + Vol. 2 hintereinander ansieht, dann sieht man sich keinen Film sondern ein Kunstwerk auf Celluloid an. Die langen Dialoge waren ein Genuss für meine Ohren. Seit Sergio Leone's "Es war einmal ein Amerika" hat mich kein Film so beeindruckt, gefesselt und faszieniert. Wer den ersten Teil allerdings nicht kennt, wird der Braut nicht folgen können.