Der Soundtrack erfüllt im großen und ganzen alle Anforderungen, die an eine Filmmusik Quentin Tarantinos setzt, wenn es auch ein paar nervige Kleinigkeiten gibt. Auffällig ist allerdings, dass der 'Kill Bill Vol. 1 OST' nicht so geradlinig ist wie etwa der 'Pulp Fiction OST', der stilistisch in den 70ern angesetzt doch musikalisch und stimmlich etwas gebunden war. Jedenfalls kommt diese Zusammenstellung mit viel mehr Abwechslung und unkonventionellen Tracks daher, was bis auf eine Ausnahme in meinen Augen positiv anzumerken ist.
Den Opener bildet die Nancy Sinatra Ballade "Bang Bang", ein tragisch-anmutender ruhiger, aber absolut typischer Tarantino Song, der auch in 'Pulp Fiction' nicht aus der Reihe gefallen wäre, genauso wie Tracke Nummer zwei, "That Certain Female", ein stimmungsvolles Rock 'N' Roll Tanzstück, welches im Film auch super eingesetzt wird und genauso viel Aussagen über den Sheriff zulässt wie dessen Äußeres es tut. Danach geht es erstmal mit einer Menge an alternativen Musikstilen weiter, so die grandios traurige, instrumentelle Hymne "The Grand Duel - Parte Prima", die psychopathische gepfiffene Titelmelodie, dann nach einem kurzen, aber starken Monolog von Oren Ishii kommt eine Ode an diese in Form einer Hip-Hop Performance von The RZA. Eigentlich gar nicht schlecht, vor allem vor der spannenden und atmosphärischen Hintergrund-Melodie. "Run Fay Run" erscheint dann wieder etwas konventioneller im Hinblick auf den Regiesseur, es handelt sich um feinsten Jazz von Isaac Hayes, ohne Gesang. Das hektischen "Green Hornet" im Stile des Hummelflugs passt ebenfalls gut ins Album, danach geht es auf zum Höhepunkt "Battle Without Honor Or Humanity", eine super bombastische Melodie, die so vielfältig einsetzbar ist und einfach einen Klasseeindruck hinterlässt. Der folgende Track stellt ein Problem dar: so stark der Anfang ist (lediglich diesen hört man im Film), so schwach ist der restliche Teil (und dann auch noch 10 Minuten...). Aus einem Flamenco-Intro der Sonderklasse resultiert ein stupider popiger Disco-Dauerläufer. Das machen The 5.6.7.8's dafür wieder wett mit einer etwas anderen Tanznummer, sollte man mal gehört haben. "Crane / White Lightning" ist nichts Bewegendes und zeigt nur im Kontext mit der Szene Wirkung. Danach wird nochmals die Spannweite musikalischer Richtungen erweitert, mit "The Flower Of Carnage" bekommt man eine wunderschöne traditionell fernöstliche Ballade zu hören, die zu berühren weiß (so auch der Text über Krieg und Rache, dessen englische Übersetzung im Booklet abgedruckt ist) und einen großen Teil der Philosophie von Kill Bill ausdrückt. Das Flöten-/ Trompeten Outro "The Lonely Shepherd" von Zamfir und James Last geht ebenfalls unter die Haut, verbindet man damit doch sofort die bewegenden Monologe einmal von Hatori Hanso und am Ende von Bud. Es unterstreicht das Verlangen nach Rache und die Verbittertheit und Trauer der Protagonistin.
"Diese Frau hat ihre Rache verdient... Und wir den Tod!"
Unterm strich ein wirklich gelungener Soundtrack, der das Spektrum der Gefühle und Einflüsse des Motion Pictures gut wiederzugeben vermag. Ärgerlich ist meiner Ansicht nach nur das überlange Stück von Santa Esmeralda, und noch schlimmer: ein ganz starkes episch-monumentales Stück fehlt, nämlich jenes bei der Herausforderung von Oren Ishii seitens Black Mamba im Restaurant. Wie man das vereinbaren kann, weiß ich nicht, trotzdem überzeugt das vorhandene Material auf ganzer Linie.