Anfangs wollte ich Kiharus Lebenserinnerungen drei Sterne geben, da der erste Buchteil über ihre Jugend als Geisha in Tokio durchaus interessant ist. Aber erstens umfasst dieser Lebensabschnitt nur circa 170 Seiten, nach denen sie den Geisha-Beruf aufgibt und es zunehmend langweilig wird, und zweitens wurde mir die Autorin durch ihre naive Selbstgerechtigkeit und ihr ständiges Eigenlob immer unsympathischer.
Immer und immer wieder muss der Leser sich anhören, wie schön, klug, witzig und beliebt Kiharu doch ist. Jeder, der diese Ansicht teilt, gehört für sie zu den Guten; und wer anderer Meinung ist, ist einfach voreingenommen und gemein. Diese schamlose Selbstverliebtheit kombiniert sie mit einer an Dummheit grenzenden Naivität, wenn sie zum Beispiel fröhlich davon plappert, wie lustig und vergnügt damals die Prostituierten in den Bordellen für die Seeleute gewesen wären oder in Tränen zerfließt über die armen alten Herren, die sie vor dem Krieg als Kunden kannte und die nun von den Amerikanern als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden.
Gleichzeitig fehlt Kiharu jegliches Verständnis für Menschen, die ihr in irgendeiner Form zur Last fallen. Wie sie zum Beispiel mit ihrem eigenen Sohn umgeht, ist einfach haarsträubend. Erst kommt sie von einem USA-Ausflug nicht wieder und lässt ihn allein in der Obhut ihrer Mutter und Großmutter, die sie selbst als Gewitterhexen bezeichnet. Und als sie dann nach zehn Jahren den inzwischen 16-Jährigen endlich nachholt, beschimpft sie ihn als undankbares Monster, weil er böse auf sie ist und sich nicht einfügen will.
Kiharus selbstgefälliger Egoismus ist einfach abstoßend, und da auch der Schreibstil keineswegs berauschend ist, kann ich ihren "Memoiren einer Geisha" nicht mehr als zwei Sterne geben. Die erhält die Autorin für die einigermaßen interessante Beschreibung der Tokioter Geisha-Welt vor dem zweiten Weltkrieg. Über alles, was danach kam, hätte sie im eigenen Interesse und in geishahafter Zurückhaltung lieber den Kimono des Schweigens decken sollen.