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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Dies ist Musik für Puzzlefreunde und Hundehasser, 22. Juli 2008
Dies ist Musik für Puzzlefreunde und Hundehasser. Warum? Ganz einfach: Nach dem Kauf und erstem Anhören dieser Platte konnte ich entspannt puzzeln, aber der Hund meiner Ex-Freundin verließ irgendwann mit einem entnervten Blick das Zimmer. Im Gegensatz zu dieser CD ist "Ok computer" ein Kinderspiel. Die ersten beiden Songs rauschen an einem vorbei, dann erweckt der Basslauf bei "The national anthem" dein Interesse, ebenso die Stimme von Thom Yorke, die hier klingt, wie wenn sie durch einen Schlauch geleitet wird. Der Song endet dann in einem chaotischen FreeJazz-Theme, welches an das Einstimmen eines Theaterorchesters erinnert. Der Song "How to disappear completely" stellt dann eine Situation dar, bei der man nicht beteiligt und die nie passiert ist, und die durch die schmerzhaften Aufschreie "I´m not here" getragen wird. Das folgende Instrumentalstück "Treefingers" erinnert an eine dunkle kalte Nacht in einem Wald. Der Begriff "Optimistisch" und Radiohead passen eigentlich nicht zusammen, daher wird man in "Optimistic" auch darüber aufgeklärt, das diejenigen, die immer ihr bestes geben, als Futter für die Tiere auf einer Farm enden. Leichte TripHop-Klänge, die später in einem ausgewachsenen Drum´n´Bass-Stück enden, erklingen bei "Idioteque". Wer schon mal mit einem Filmriss und einem Kater aufgewacht ist, kann den Text von "Morning bell" sehr gut nachvollziehen, genauso wie den Text von "Motion picture soundtrack", wenn man schon einmal Liebeskummer hatte. Letzterer Titel, der auch mit Selbstmordgedanken spielt, endet nach 3.19 Minuten, es folgt eine knapp einminütige Stille, bevor ein fünfzigsekündiges Orchestra-Instrumental folgt um dann nach eineinhalb minütiger Stille zu enden. Ziemlich krank. Als eingängig kann man diese Platte bestimmt nicht zählen, sie zieht dich aber genauso wie "OK computer" irgendwann auch in den typischen "Radiohead-Bann".
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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Dieses Werk ist was ganz Spezielles!, 25. April 2008
Vorweg: Ich werde hier weder einzelne Songs bewerten, noch über die inhaltlichen und musikalischen Tragweiten philosophieren - das haben andere ja bereits getan.
Mit "Kid A" konnte ich lange Zeit überhaupt nichts anfangen, da ich von den eingängigen Stücken von "Ok Computer" verwöhnt war. Ich hörte "Kid A" bestimmt vier/fünf Mal und es zündete einfach nicht. Es waren zwar durchaus Passagen dabei, die mir gefielen, aber insgesamt gesehen kam ich mit diesem Werk einfach nicht klar und legte es schließlich etwas enttäuscht beiseite.
Nun hörte ich neulich das Album "Wish you were here" von Pink Floyd und war dadurch wahrscheinlich "sensibilisiert" für etwas tiefgründigere und unzugänglichere Musik. Jedenfalls fiel mir spontan "Kid A" ein und ich legte es in den Player. Ich saß einfach nur da mit meinen Kopfhörern (sehr zu empfehlen) und hörte zu. Was soll ich sagen, ich war schlichtweg beeindruckt. Das Universum von "Kid A" erschloss sich mir mit einem Male und ließ mich nicht mehr los. Wichtig: Ich schreibe oft bei vielen Alben, diese unbedingt am Stück zu hören und nicht nur einzelne Titel, aber auf dieses Album hier trifft das in besonderem Maße zu!
Es hat lange gedauert, aber "Kid A" ist bei mir endlich angekommen, oder bin ich endlich bei "Kid A" angekommen? Ich weiß es nicht. Und so blöd es klingt, aber ich sitze hier weit weg von meinem Zuhause (wo auch das Album liegt), und kann es echt kaum erwarten endlich heimzukommen und "Kid A" zu hören. Hab schon die ganze Zeit die albumstartenden Orgelsounds im Ohr...
Was braucht man um so eine Platte zu machen? Kreativität?! Ja! Innovation auch?! Ja! Sich keinem (kommerziellen) Druck beugen?! Auch!
Meiner Meinung nach braucht man aber vor Allem "Mut", um so eine Platte rauszulassen. Denn ich war bestimmt nicht der Einzige, der mit den eingängigen Vorgängeralben sehr gut leben konnte. Radiohead hat es nicht geschert und wer lange genug durchhält, wird auch "Kid A" entsprechend würdigen können! Und an diesem Punkt bin ich nun angekommen!
P.S.: Hört man am Anfang von "Everything is in the right place" die Worte "Geh nicht, geh nicht", oder täusche ich mich da?! Passt darauf mal auf beim Hören.
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21 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
The sound of an entire life passing by., 26. Juni 2003
Es gibt Ereignisse, die unser Leben verändern. Das erste Mal verliebt sein. Das erste Mal. Das erste Mal Kid A.In einer Zeit, in der Musik zum bloßem Konsumprodukt, zur kostenlosen Beilage in billigen Werbeheften degradiert wird, ist es gut eine Band wie Radiohead zu sehen, die bereit ist, in musikalische Grenzbereiche vorzudringen, die mit "Kid A" ein Album herausbrachten, das selbst den herausforderte, der glaubte, bereits wirklich alles gehört zu haben. Von der existentiellen Schwermut auf Ok Computer und den meterhohen Gittarenwänden Floydscher Prägung ist nichts mehr entdecken. Stattdesen regiert ein surreal anmutender, filigraner Abstrahismus von Text und Ton , der engstirnigere Zeitgenossen bereits beim Opener "Everything In Ist Right Place" die Haare zu Berge stehen lassen wird: Thom Yorkes freischwebende Stimme windet sich um ein E- Piano, dazu berichtet Mr. Yorke, daß ergestern morgen an einer Zitrone saugend erwacht ist. Nichts scheint sich an dem ihm zugedachten Platz zu befinden, doch dieses kreative Chaos ist Konzept. Aufgeschlossenere Hörer könnten in Kid A den idealen Soundtrack für den Film namens Leben finden, da es in seiner Symbiose von kalten Elektronik- Sounds und völlig losgelösten Strukturen eine perfekte Reflektion der Hektik, Konfusion und gegenseitigen Entfremdung, von denen das ausgehende Jahrtausend zweifelsohne geprägt ist, darstellt. Viele Songs basieren auf minimalistischen Grundideen wie der pulsiernden Basslinie des "National Anthem", der in einer Kakophonie aus Bläsern und infernalischem Geschrei mündet. Man fühlt sich an A Day In The Life erinnert, bloß energetischer. Größer. Was folgt, ist die Ruhe nach dem großen Sturm: "How To Disappear Completely". Der Name ist Programm: Ein Song, so erhaben und elegisch, daß es einem den Atem raubt. Streicher lassen uns den Liffey entlangfließen, entführen uns ins Nichts, wo das unheimlich- ambiente "Treefingers" bereits auf unsere Ankuft wartet. Was folgt sind die ersten konventionell gespielte Gitarren. "Optimistic", die potentielle Single, mit seinem Strophe- Refrain- Strophe- Aufbau noch am ehesten an die alten Radiohead von The Bends- Zeiten erinnernd. Mr. Yorke erzählt von Dinosauriern, die die Erde beherrschen. Wen er damit wohl meint? Multinationale, gewissenlos Ressourcen ausbeutende Großkonzerne? Von Korruption und Machtdenken zerfressene Politiker? Die eingefahrene, seit Jahrzehnten nur noch Gesichter vermarktende Musikindutrie? Medien, die Meinungen zu Wahrheiten transferieren? Diese kryptische Haltung in Yorkes Texten, die sich durch das komplette Album zieht, mag einigen sauer aufstoßen, doch läßt sie mehr Freiraum für eigene Interpretationswelten, im Kopf jedes Hörers entstehen andere Bilder, Farben und Formen. Überwältigend. Bereits 5 Minuten später ist man zurück „In Limbo". "Idioteque": Der Superhit jeder Androidendisco. Kantig, großartig; was haben wir gelacht... "Motion Picture Soundtrack" entläßt uns schließlich nach 45 Minuten versöhnlich mit extra- kitschigen Harfen in den Himmel, Engelchöre nehmen uns an die Hand; man fühlt sich an alte Hollywood- Musicals erinnert. Der einzige Song, in dem Yorke einen Blick auf sein Innerstes freigibt ,was ihn schon fast parodistische Züge annehmen läßt. „Red wine and sleeping pills help me get back to your arms, cheap sex and sad films help me get backwhere I belong..." Wer jemals geliebt und hier keine Träne im Auge hat, ist längst tot. Kid A besitzt eine vertraute, fast metaphysische Qualität. Man hat das Gefühl, diese Songs schon irgendwann einmal gehört zu haben. Nachts. Im Traum. Einem anderen Leben.
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