Produktinformation
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| 1. Everything In Its Right Place |
| 2. Kid A |
| 3. The National Anthem |
| 4. How To Disappear Completely |
| 5. Treefingers |
| 6. Optimistic |
| 7. In Limbo |
| 8. Idioteque |
| 9. Morning Bell |
| 10. Motion Picture Soundtrack |
© Stereoplay -- Stereoplay
In einer Zeit, in der Musik zum bloßem Konsumprodukt, zur kostenlosen Beilage in billigen Werbeheften degradiert wird, ist es gut eine Band wie Radiohead zu sehen, die bereit ist, in musikalische Grenzbereiche vorzudringen, die mit "Kid A" ein Album herausbrachten, das selbst den herausforderte, der glaubte, bereits wirklich alles gehört zu haben.
Von der existentiellen Schwermut auf Ok Computer und den meterhohen Gittarenwänden Floydscher Prägung ist nichts mehr entdecken.
Stattdesen regiert ein surreal anmutender, filigraner Abstrahismus von Text und Ton , der engstirnigere Zeitgenossen bereits beim Opener "Everything In Ist Right Place" die Haare zu Berge stehen lassen wird:
Thom Yorkes freischwebende Stimme windet sich um ein E- Piano, dazu berichtet Mr. Yorke, daß ergestern morgen an einer Zitrone saugend erwacht ist. Nichts scheint sich an dem ihm zugedachten Platz zu befinden, doch dieses kreative Chaos ist Konzept.
Aufgeschlossenere Hörer könnten in Kid A den idealen Soundtrack für den Film namens Leben finden, da es in seiner Symbiose von kalten Elektronik- Sounds und völlig losgelösten Strukturen eine perfekte Reflektion der Hektik, Konfusion und gegenseitigen Entfremdung, von denen das ausgehende Jahrtausend zweifelsohne
geprägt ist, darstellt.
Viele Songs basieren auf minimalistischen Grundideen wie der pulsiernden Basslinie des "National Anthem", der in einer Kakophonie aus Bläsern und infernalischem Geschrei mündet. Man fühlt sich an A Day In The Life erinnert, bloß energetischer. Größer.
Was folgt, ist die Ruhe nach dem großen Sturm: "How To Disappear Completely". Der Name ist Programm: Ein Song, so erhaben und elegisch, daß es einem den Atem raubt.
Streicher lassen uns den Liffey entlangfließen, entführen uns ins Nichts, wo das unheimlich- ambiente "Treefingers" bereits auf unsere Ankuft wartet.
Was folgt sind die ersten konventionell gespielte Gitarren. "Optimistic", die potentielle Single, mit seinem Strophe- Refrain- Strophe- Aufbau noch am ehesten
an die alten Radiohead von The Bends- Zeiten erinnernd.
Mr. Yorke erzählt von Dinosauriern, die die Erde beherrschen.
Wen er damit wohl meint? Multinationale, gewissenlos Ressourcen ausbeutende Großkonzerne? Von Korruption und Machtdenken zerfressene Politiker? Die eingefahrene, seit Jahrzehnten nur noch Gesichter vermarktende Musikindutrie? Medien, die Meinungen zu Wahrheiten transferieren?
Diese kryptische Haltung in Yorkes Texten, die sich durch das komplette Album zieht, mag einigen sauer aufstoßen, doch läßt sie mehr Freiraum für eigene Interpretationswelten, im Kopf jedes Hörers entstehen andere Bilder, Farben und Formen.
Überwältigend.
Bereits 5 Minuten später ist man zurück „In Limbo".
"Idioteque": Der Superhit jeder Androidendisco.
Kantig, großartig; was haben wir gelacht...
"Motion Picture Soundtrack" entläßt uns schließlich nach 45 Minuten versöhnlich mit extra- kitschigen Harfen in den Himmel, Engelchöre nehmen uns an die Hand; man fühlt sich an alte Hollywood- Musicals erinnert.
Der einzige Song, in dem Yorke einen Blick auf sein Innerstes freigibt ,was ihn schon fast parodistische Züge annehmen läßt.
„Red wine and sleeping pills help me get back to your arms, cheap sex and sad
films help me get backwhere I belong..."
Wer jemals geliebt und hier keine Träne im Auge hat, ist längst tot.
Kid A besitzt eine vertraute, fast metaphysische Qualität.
Man hat das Gefühl, diese Songs schon irgendwann einmal gehört zu haben.
Nachts.
Im Traum.
Einem anderen Leben.
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