Die Geschichte von dem Jungen, der träumt ein Superheld zu sein, es schafft und dann mit Schrecken erkennt, worauf er sich da eingelassen hat, ist kurz gesagt spannend, witzig und immer wieder überraschend. David wird durchaus sehr sympathisch dargestellt, eine Figur mit der sich der Leser (und nicht nur im Teenageralter) ohne Probleme identifizieren kann. Auch sein Streben nach einem tieferen Sinn im Leben, nach einer Berufung, ist ein gut nachvollziehbarer Antrieb. Überraschend ist, welche Züge Davids "neues Leben" annimmt. Gekonnt spielt Mark Millar mit den Erwartungen des Lesers. Gerade als es so aussieht, als sei es mit Davids Träumen erst mal vorbei, fängt er wieder an nachts auf den Dächern rumzuturnen. Und als es gewiss zu sein scheint, dass er es jetzt zu weit getrieben hat, und von der Gang, bei der er ins Hauptquartier geplatzt ist um einen "Auftrag" auszuführen, bestenfalls nicht umgebracht wird, taucht ein kleines Mädchen im Zorro-Outfit auf und rettet ihn.
Was ebenfalls unerwartet kommt, ist die unglaubliche Brutalität, mit der die Geschichte durchtränkt ist und die extrem blutrünstigen Darstellungen, die zunächst durchaus etwas schockieren. Blutlachen und eingeschlagene Zähne sind etwas, das eher mit einer Graphic Novel wie "Sin City" assoziiert und nicht von einer Geschichte, in der es um einen Teenager geht, der ein Superheld sein möchte, erwartet wird. Aber irgendwie machen diese Kontraste und Überraschungen den Comic auch erst richtig interessant. Man sollte sich nur darüber im Klaren sein, dass "Kick-Ass" eigentlich kein Comic für Jugendliche ist.
Insgesamt ist "Kick-Ass" für Comicfans unbedingt empfehlenswert. Er bietet eine außergewöhnliche Geschichte, eine Prise Humor und einiges an Action und Spannung, ist dabei jedoch nichts für Zartbesaitete.