Auch auf die Gefahr hin, dass meine Rezension von den vielen BDSM-Fans zerrissen wird: Dieser Roman ist nicht erotisch.
Das liegt zunächst daran, dass die sogenannten erotischen Szenen viel zu kurz sind und nicht sonderlich detailliert ausfallen. Ob das gut oder schlecht ist, ist jedoch Geschmacksache. Sprachlich ist der Roman zwischenzeitlich auch eher schlecht. In Diskussionen steht, dass Kiara Singer mit Nina Jansen vergleichbar sei, aber romantischer ist. Da Nina Jansen eine meiner Lieblingserotikautorinnen ist (und aufgrund der vielen positiven Rezensionen), habe ich dieses Buch gekauft und war sehr enttäuscht.
Der eigentliche Grund für meine Abneigung ist jedoch die sehr zweifelhafte Botschaft des Romans. Hier sind ein paar (!) Beispiele:
ACHTUNG: SPOILER
- "Mit einem Stopp-Wort ist es nur ein Spiel."...und schon ist Kiara damit einverstanden, dass gewisse notwendige Sicherheitsbedingungen weggelassen werden.
- "(Er)vergewaltigte sie mit äußerster Brutalität. Kiara ließ es über sich ergehen, wusste, sie hatte es nicht anders verdient."...KEIN KOMMENTAR!!!
- Kiara wird eine Stunde lang im gefesselten Zustand allein gelassen...siehe oben
- Kiara muss sich prostituieren (soll aber Kondome benutzen, auf Befehl hätte sie es bestimmt auch ohne gemacht), wird verschenkt, verliehen usw. und wird vollkommen respektlos behandelt.
- Frauen werden immer wieder als Tiere dargestellt, oder als charakterschwach
- Kiara lässt sich sogar ihre Ernährung vorschreiben (hauptsächlich Fleisch)
- Kiara zieht auf Marks Befehl sofort zu Beginn der Beziehung bei ihm ein.
- "Emanzipation heißt für mich auch, zu meinen Wünschen und Bedürfnissen zu stehen (...)Und ich möchte mich nun mal einem Mann unterwerfen."...eigentlich will sie nur ihr Sexleben umkrempeln, aber scheinbar geht das nur, wenn man sein komplettes Leben vom dominanten Partner kontrollieren lässt.
Bis hierhin ist Kiaras Verhalten in Ordnung, wenn sie diese 24/7-Variante durchziehen will, soll sie es eben machen. Es ist jedoch anzumerken, dass Kiara oft eigentlich sehr unglücklich scheint und man vermutet, dass sie alles nur erträgt, um Alina wiederzusehen...aber nein, weit gefehlt, denn Mark (Achtung, festhalten) "darf ihr selbstverständlich ein Kind machen", wenn er will. Ohne Worte!!! Die bewusste Zeugung eines Kindes DARF KEIN BESTANDTEIL DES BDSM-LEBENS SEIN, HIER MUSS DER/DIE SUB EINE EIGENE MEINUNG HABEN! Wenn Kiara tatsächlich so devot und masochistisch ist ist, dass ihr dieses Leben gefällt, dann soll sie eben so leben, aber: BDSM in dieser 24/7-Variante und Kinder sind absolut unvereinbar. (Zur Entwarnung: Im ersten Band wird sie nicht schwanger und die anderen lese ich bestimmt nicht.)
Alles in allem ist das Buch zwar interessant, aber kein bisschen erotisch und vor allem nicht romantisch (was die Beziehung zwischen Mark und Kiara betrifft). Zudem sind die Charaktere größtenteils unsympathisch (vor allem die Doms und ja, auch Mark).
Wer von den oben genannten Punkten nicht abgeschreckt wurde, der wird an dem Roman seine Freude haben.
PS: Wenn ich von "Kiara" rede, beziehe ich mich auf die Protagonistin, deren Verhalten ich kaum nachvollziehen kann. Wenn der Roman, wovon ich ausgehe, größtenteils autobiographisch ist, dann möchte ich klarstellen, dass ich die Autorin nicht persönlich verurteilen möchte.