![]() Gutschein erhalten
Tauschen Sie jetzt KiWi Taschenbücher, Nr.49, Wir: Mit dem Essay 'Über die Literatur und die Revolution' gegen einen Amazon-Gutschein in Höhe von EUR 0,25 ein - einlösbar für Tausende von Artikeln bei Amazon.de. Entdecken Sie mehr eintauschbare Bücher im Bücher Trade-In Shop. Bitte beachten Sie die Teilnahmebedingungen.
Jetzt für Amazon Student anmelden und um 20% erhöhten Eintauschwert sichern. |
Produktinformation
|
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
Wie "1984", "Brave New World" und "Fahrenheit 451" gehört - nein begründet! - Samjatins Roman die Tradition kulturkritischer Zukunftsromane, in denen es um die Bedrohung des Individuums in einer vollkommen technisierten und totalitären Welt geht.
Die Parallelen zu Orwells "1984" sind unübersehbar. Beide, Samjatin wie Orwell, sind enttäuschte Sozialisten und Revolutionäre, die sich von ihrem Staat abgewandt haben. Beide fordern das Recht auf Glück. Die irreguläre Liebe des Konstrukteurs und Mathematikers D-503 zu der Revolutionärin I-330 kehrt bei Orwell in der Liebe von Winston Smith und Julia wieder. "Doch ist nicht zu verkennen, daß die Atmosphäre bei Orwell düsterer und bedrückender, schier hoffnungslos ist; bei ihm liefert die Menschlichkeit, so scheint es, ihr letztes Gefecht" - so völlig korrekt Jürgen Rühle in seinem hervorragenden Nachwort zur vorliegenden Ausgabe, in dem auch die Unterschiede zu Huxleys: "Schöne neue Welt" gut herausgearbeitet werden.
Aber: Samjatins prophetische Leistung steht weit über der seiner Nachfolger. Als er seinen Roman schrieb, existierte der Totalitarismus erst kurze Zeit, die russische Tscheka war eben erst gegründet worden. Als Huxley und Orwell ihre Bücher verfassten, stand Russland im Zeichen des Stalinismus, Deutschland und Italien im Zeichen von Nationalsozialismus und Faschismus - das "Zeitalter der Ideologien" (Karl-Dietrich Bracher) war angebrochen und deutlich sichtbar. Es ist diese prophetische Leistung des in der beginnenden totalitären Diktatur lebenden Samjatin (dessen Buch zum Bruch mit den Kommunisten und zu seiner von Stalin überraschenderweise genehmigten Ausreise aus der UdSSR 1931 führte), die dieses Buch so unvergleichlich macht. Für mich neben Orwells "1984" der größte utopische Roman des 20. Jahrhunderts.
In diesem Szenario wird dem Konstrukteur D-503 - Menschen haben keine Namen mehr - bewusst, dass es außerhalb der Mathematik noch mehr Dinge geben muss. Er lernt in I-330 eine Revolutionärin kennen, die ihm nicht nur in der Natur die Irrationalitäten des Lebens aufzeigt. D-503 schließt sich einer Untergrundbewegung an und nimmt an einem Putschversuch teil, der jedoch fehlschlägt. Er wird verhaftet, wieder konditioniert und in die mathematische Welt zurückgeführt.
Die Parallelen zu Orwell's "1984" sind frappierend - die beschriebenen totalitären Umstände sind ähnlich, "Big Brother" entspricht dem "Wohltäter", Winston Smith entwickelt sich exakt wie D-503 und mit Julia zeigt sich auch hier die Revolution durch eine Frau: Liebe und Begehren lassen sich durch rationale Parteiargumentation nicht unterdrücken. Da "WIR" in den damaligen politisch interessierten Kreisen ein Bestseller war, kann man mit Sicherheit sagen, dass Orwell durch diesen Roman inspiriert worden ist. Vom reinen Lesen her gefiel mir "1984" besser, Orwell hat die Idee von "WIR" übernommen, feingetuned und bestimmte Situationen noch mehr zugespitzt. Trotzdem lohnt es sich mindestens für Utopie-Interessierte, die Zeit für diese 160 Seiten zu nehmen.
D-503 könnte eine glückliche Nummer sein. Alles ist geplant, vorhersehbar, beruhigend. Doch D-503 hat echten Anlass für Unbehagen: Etwas stimmt nicht mit ihm, überwunden geglaubte Triebe bemächtigen sich seiner. Er ist krank, er hat - eine Seele. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gesellt sich ein anderes Problem hinzu: I-330. Diese weibliche Nummer zieht ihn an, umgarnt und verwirrt ihn und wundert sich nicht darüber, was in D-503 vor sich geht. Sein Leben gerät zusehends aus den Fugen und es hat gerade erst begonnen ...
Bereits 1920 schrieb Jewgenij Samjatin „Wir", ein prophetisches Werk, das technische und politische Entwicklungen ankündigt. Gaskammern, Gehirnchirurgie und Geheimpolizei gehören genauso dazu wie elektronisch produzierte Musik, der Eiserne Vorhang und bemannte Raumfahrt. Mehr noch: „Wir" hat einen weiteren Meilenstein gesetzt; der Roman beeinflusste Orwells „1984" und Huxleys „Schöne neue Welt". Totale Überwachung, allmächtige Herrscher, Reglementierung des Sexual- und Familienlebens, Verbot des Alten - die Liste, wie sehr sich Orwell und Huxley am Plot Samjatins bedienten, ließe sich beliebig verlängern.
Also schon wieder einer dieser Zukunftsromane, in denen Hoffnung, Liebe und Geborgenheit nicht sein dürfen? Nein, es gibt sie. So düster ist das Szenario nicht, das Samjatin schildert. Und das ist ein weiterer Grund, „Wir" zu lesen. Gerade heute, denn die Welt wird jener in Samjatins Meisterwerk beschriebenen immer ähnlicher.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|