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KiWi Taschenbücher, Nr.49, Wir: Mit dem Essay 'Über die Literatur und die Revolution'
 
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KiWi Taschenbücher, Nr.49, Wir: Mit dem Essay 'Über die Literatur und die Revolution' [Taschenbuch]

Jewgenij Samjatin
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch (1984)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462016075
  • ISBN-13: 978-3462016079
  • Größe und/oder Gewicht: 18,9 x 12,4 x 1,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 148.471 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Evgenij I. Zamjatin
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Wir
OT My OA 1924 (engl.), 1952 (russ.) DE 1958Form Roman Epoche Moderne
Gegenstand des Romans von Jewgeni Samjatin ist die düstere Zukunftsvision einer kollektivistischen, mechanischen Zivilisation, welche die Menschen um des »Glücks« willen ihrer individuellen Freiheit beraubt. Das allgemeine Glück soll durch maximale Gleichschaltung der Menschen erreicht werden, da völlige Gleichheit den Neid als Quelle des Unglücks abschaffe; ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum »hundertprozentigen Glück« ist die irrationale Fantasie der Menschen – erst ihre Beseitigung werde die Individuen endgültig in restlos glückliche »menschenähnliche Traktoren« verwandeln. Zuweilen als Pamphlet gegen die sozialistische Gesellschaft gedeutet, zielt der Roman wesentlich tiefer – es geht um die Gefahr, die von jedem totalitären System ausgeht.
Entstehung: Samjatin schrieb den Roman bereits 1920 und versuchte vergeblich, ihn in der Sowjetunion veröffentlichen zu lassen. 1924 erschien die englische Übersetzung; 1927 folgte eine Übersetzung ins Tschechische, 1929 ins Französische. Die Prager russische Emigrantenzeitschrift Volja Rossii (Russlands Freiheit) veröffentlichte 1927 Auszüge des Romans als vermeintliche Rückübersetzung aus dem Tschechischen und Englischen. Die erste russische Ausgabe erschien 1952 in New York.
Inhalt: Die Handlung spielt sich in ferner Zukunft in einem totalitären »Einheitsstaat« ab. Die gleichgeschalteten Menschen tragen Nummern statt Namen, leben in gläsernen Häusern und führen ein streng reglementiertes Leben. Der vom »Wohltäter« und von den »Wächtern« geführte Staat ist von einer »grünen Mauer« umgeben, hinter der sich das Reich der Waldmenschen und der Natur befindet. Der Held und Ich-Erzähler, D-503, ist Mathematiker und Konstrukteur des Raumschiffs »Integral«, mit dem nun auch die »unendliche Gleichung des Weltalls integriert« werden soll. Als D-503 sich illegalerweise in die geheimnisvolle I–330 verliebt, gerät seine mathematisch geordnete Welt durcheinander. Ein Arzt stellt die Diagnose: »Es steht schlecht um Sie! Bei Ihnen hat sich offenbar eine Seele gebildet«. Aus Liebe zu der Frau, die sich als eine Oppositionelle erweist, willigt er ein, das »Integral«-Projekt zu sabotieren. Der Sabotageversuch scheitert – die »Wächter« von der Staatssicherheit sind vorgewarnt. Tags darauf wird die »grüne Mauer« gesprengt; der Aufstand der Opposition beginnt. Der Held trifft I-330 ein letztes Mal, doch es bleibt offen, ob seine Liebe auf Gegenseitigkeit beruhte oder ob sie ihn nur benutzt hat. Nach operativer Entfernung der Fantasie sieht D-503 ungerührt zu, wie die festgenommene ehemalige Geliebte in einem »Gas-Zimmer« gefoltert wird, um am nächsten Tag hingerichtet zu werden. Er hofft, dass der Aufstand niedergeschlagen wird, denn »die Vernunft muss siegen«.
Aufbau: Der Roman setzt sich aus 40 tagebuchartigen Aufzeichnungen des Ich-Erzählers zusammen. Die Notizen fixieren seine allmähliche seelische Veränderung – vom glühenden Anhänger des Einheitsstaats hin zum »Verbrecher« an diesem Staat, bis zur allerletzten Notiz, die belegt, dass er nach der Operation zur seelenlosen mechanisierten »Nummer« geworden ist. Über diesen äußeren Aufbau hinaus bilden Zahlensymbole sowie mathematische und geometrische Metaphern und Bilder eine komplexe bedeutungstragende Struktur, die vielfältige innere Zusammenhänge erzeugt und den Leser zu ihrer Dechiffrierung und Deutung einlädt.
Wirkung: Samjatin hat mit seinem Roman die Anti-Utopie als literarisches Genre neu begründet und die Werke u. a. von Aldous R Huxley, George R Orwell und Ray R Bradbury vorweggenommen und beeinflusst. M. Sch.

Kurzbeschreibung

Die Handlung spielt sich in ferner Zukunft in einem totalitären >>Einheitsstaat<< ab. Die gleichgeschalteten Menschen tragen Nummern statt Namen, leben in gläsernen Häusern und führen ein streng reglementiertes Leben. Der vom >>Wohltäter<< und von den >>Wächtern<< geführte Staat ist von einer >>grünen Mauer<< umgeben, hinter der sich das Reich der Waldmenschen und der Natur befindet. Der Held und Ich-Erzähler, D-503, ist Mathematiker und Konstrukteur des Raumschiffs >>Integral<<, mit dem nun auch die >>unendliche Gleichung des Weltalls integriert<< werden soll. Als D-503 sich Illegalerweise in die geheimnisvolle I-330 verliebt, gerät seine mathematisch geordnete Welt durcheinander. Ein Arzt stellt die Diagnose: >>Es steht schlecht um Sie! Bei Ihnen hat sich offenbar eine Seele gebildet<<. Aus Liebe zu der Frau, die sich als eine Oppositionelle erweist, willigt er ein, das >>Integral<<-Projekt zu sabotieren. Der Sabotageversuch scheitert - die >>Wächter<< von der Staatssicherheit sind vorgewarnt. Tags darauf wird die >>grüne Mauer<< gesprengt; der Aufstand der Opposition beginnt. Der Held trifft I-330 ein letztes Mal, doch es bleibt offen, ob seine Liebe auf Gegenseitigkeit beruhte oder ob sie ihn nur benutzt hat. Nach operativer Entfernung der Fantasie sieht D-503 ungerührt zu, wie die festgenommene ehemalige Geliebte in einem >>Gas-Zimmer<< gefoltert wird, um am nächsten Tag hingerichtet zu werden. Er hofft, dass der Aufstand niedergeschlagen wird, denn >>die Vernunft muss siegen<<.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Bernhard Nowak TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Wer George Orwells "1984" gelesen hat, sollte unbedingt den vorliegenden Roman des Russen Jewgenij Samjatin aus dem Jahre 1920 (!!!) lesen. Sajmatins Buch gehört in die Tradition der großen visionären kulturkritischen Zukunftsromane, in denen es nicht umd die Darstellung des technischen Fortschrittes geht, sondern um die Bedrohung des Individuums in einer zunehmend technisierten Welt. Schon 1920 entwarf Samjatin, Freund Maxim Gorkis und Bolschewist, in seniem Roman die alptraumhafte Welt eines totalitären Staates. D 503, Bürger des Einzigen Staates und Konstrukteur des Raketenweltraumschiffes Integral, berichtet in seniem Tagebuch vom Leben in einer strahlenden, kristallen durchsichtigen Stadt, in der die Bürger als uniformierte Nummern leben. Von der Arbeit bis zur Liebe ist das Leben streng nach mathematischen Gesetzen organisiert, jede Regung wird beobachtet und kontrolliert. Dennoch entdeckt der Konstrukteur D503, dessen Geschichte in dem Roman erzählt wird, plötzlich in sich Triebe aus einer längst vergangenen Zeit: es hat sich in ihm eine "Seele gebildet!".

Wie "1984", "Brave New World" und "Fahrenheit 451" gehört - nein begründet! - Samjatins Roman die Tradition kulturkritischer Zukunftsromane, in denen es um die Bedrohung des Individuums in einer vollkommen technisierten und totalitären Welt geht.

Die Parallelen zu Orwells "1984" sind unübersehbar. Beide, Samjatin wie Orwell, sind enttäuschte Sozialisten und Revolutionäre, die sich von ihrem Staat abgewandt haben. Beide fordern das Recht auf Glück. Die irreguläre Liebe des Konstrukteurs und Mathematikers D-503 zu der Revolutionärin I-330 kehrt bei Orwell in der Liebe von Winston Smith und Julia wieder. "Doch ist nicht zu verkennen, daß die Atmosphäre bei Orwell düsterer und bedrückender, schier hoffnungslos ist; bei ihm liefert die Menschlichkeit, so scheint es, ihr letztes Gefecht" - so völlig korrekt Jürgen Rühle in seinem hervorragenden Nachwort zur vorliegenden Ausgabe, in dem auch die Unterschiede zu Huxleys: "Schöne neue Welt" gut herausgearbeitet werden.

Aber: Samjatins prophetische Leistung steht weit über der seiner Nachfolger. Als er seinen Roman schrieb, existierte der Totalitarismus erst kurze Zeit, die russische Tscheka war eben erst gegründet worden. Als Huxley und Orwell ihre Bücher verfassten, stand Russland im Zeichen des Stalinismus, Deutschland und Italien im Zeichen von Nationalsozialismus und Faschismus - das "Zeitalter der Ideologien" (Karl-Dietrich Bracher) war angebrochen und deutlich sichtbar. Es ist diese prophetische Leistung des in der beginnenden totalitären Diktatur lebenden Samjatin (dessen Buch zum Bruch mit den Kommunisten und zu seiner von Stalin überraschenderweise genehmigten Ausreise aus der UdSSR 1931 führte), die dieses Buch so unvergleichlich macht. Für mich neben Orwells "1984" der größte utopische Roman des 20. Jahrhunderts.

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Christian von Montfort HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
1920 schrieb der russische Schiffbauingenieur Samjatin diesen Science Fiction-Roman von einer mathematisch und bürokratisch exakt durchplanten Welt etwa im Jahr 3000. Im Minutentakt ist der Tagesablauf genormt, alle Straßen und Gegenstände exakt rechtwinklig ausgerichtet, Wände aus Glas. Die Natur ist hinter einer "grünen Mauer" verbannt. Sogar das Liebesleben ist amtlich: jeder Akt wird angemeldet und per rosa Billet autorisiert. Perfekte Gleichheit, kein Neid, keine Überraschungen: endlich ist das Glück staatlich organisiert, leider unter völligem Verzicht auf die Freiheit.

In diesem Szenario wird dem Konstrukteur D-503 - Menschen haben keine Namen mehr - bewusst, dass es außerhalb der Mathematik noch mehr Dinge geben muss. Er lernt in I-330 eine Revolutionärin kennen, die ihm nicht nur in der Natur die Irrationalitäten des Lebens aufzeigt. D-503 schließt sich einer Untergrundbewegung an und nimmt an einem Putschversuch teil, der jedoch fehlschlägt. Er wird verhaftet, wieder konditioniert und in die mathematische Welt zurückgeführt.

Die Parallelen zu Orwell's "1984" sind frappierend - die beschriebenen totalitären Umstände sind ähnlich, "Big Brother" entspricht dem "Wohltäter", Winston Smith entwickelt sich exakt wie D-503 und mit Julia zeigt sich auch hier die Revolution durch eine Frau: Liebe und Begehren lassen sich durch rationale Parteiargumentation nicht unterdrücken. Da "WIR" in den damaligen politisch interessierten Kreisen ein Bestseller war, kann man mit Sicherheit sagen, dass Orwell durch diesen Roman inspiriert worden ist. Vom reinen Lesen her gefiel mir "1984" besser, Orwell hat die Idee von "WIR" übernommen, feingetuned und bestimmte Situationen noch mehr zugespitzt. Trotzdem lohnt es sich mindestens für Utopie-Interessierte, die Zeit für diese 160 Seiten zu nehmen.

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Eine Mauer umgibt den Einzigen Staat in der nahen Zukunft. Das Bollwerk gegen das Draußen ist aus Glas, aus Glas sind die Häuser und gläsern ist ebenso das Leben der vom Wohltäter regierten Bürger, die nicht Bürger, sondern Nummern heißen. Eine solche Nummer ist D-503, männlich, ledig wie alle Nummern und Konstrukteur des Raumschiffs „Integral". Sein Beruf ist vielleicht das Einzige, das ihm Individualität verleiht. Ansonsten leben alle Nummern gleich: Sie stehen alle zur selben Zeit auf, kauen 50-mal jeden Bissen der Naphta-Nahrung, ehe sie ihn schlucken, und marschieren in Vierer-Reihen zur Arbeit. Zweiundzwanzig Stunden des Tages sind die Millionen Nummern ein einziges Wir; zwei persönliche Stunden als Individuen gesteht ihnen die Stunden-Gesetzestafel zu. Zwei Stunden, in denen D-503 sein Tagebuch schreibt. Oder seinen Hormonspiegel ausgleicht, indem er mit einer weiblichen Nummer schläft.

D-503 könnte eine glückliche Nummer sein. Alles ist geplant, vorhersehbar, beruhigend. Doch D-503 hat echten Anlass für Unbehagen: Etwas stimmt nicht mit ihm, überwunden geglaubte Triebe bemächtigen sich seiner. Er ist krank, er hat - eine Seele. Als wäre das nicht schon schlimm genug, gesellt sich ein anderes Problem hinzu: I-330. Diese weibliche Nummer zieht ihn an, umgarnt und verwirrt ihn und wundert sich nicht darüber, was in D-503 vor sich geht. Sein Leben gerät zusehends aus den Fugen und es hat gerade erst begonnen ...

Bereits 1920 schrieb Jewgenij Samjatin „Wir", ein prophetisches Werk, das technische und politische Entwicklungen ankündigt. Gaskammern, Gehirnchirurgie und Geheimpolizei gehören genauso dazu wie elektronisch produzierte Musik, der Eiserne Vorhang und bemannte Raumfahrt. Mehr noch: „Wir" hat einen weiteren Meilenstein gesetzt; der Roman beeinflusste Orwells „1984" und Huxleys „Schöne neue Welt". Totale Überwachung, allmächtige Herrscher, Reglementierung des Sexual- und Familienlebens, Verbot des Alten - die Liste, wie sehr sich Orwell und Huxley am Plot Samjatins bedienten, ließe sich beliebig verlängern.

Also schon wieder einer dieser Zukunftsromane, in denen Hoffnung, Liebe und Geborgenheit nicht sein dürfen? Nein, es gibt sie. So düster ist das Szenario nicht, das Samjatin schildert. Und das ist ein weiterer Grund, „Wir" zu lesen. Gerade heute, denn die Welt wird jener in Samjatins Meisterwerk beschriebenen immer ähnlicher.

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Veröffentlicht am 18. Februar 2006 von Daniela N.
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