Kaum ein Album hab ich mehr erwartet als dieses und die drei folgenden Werke bis 2010. Ob er sich damit nicht ein wenig übernommen hat, wird erst die Zeit zeigen, Teil 1, Ki, ist jedenfalls ab heute auf dem Markt und hat nicht nur überraschende Momente parat.
Das Album bietet was gänzlich anderes als je zuvor. Ein paar härtere Passagen knüpfen Erinnerungen an die härtereren Werke, ein paar elektronische Spielereien erinnern ein Devins Ambient-Alben. Ansonsten hört man eine recht neue Facette des Meisters.
Hier herrschen minimalistische Gitarren und Bassspuren, ergänzt durch recht ungewöhnliche Synths und Ambiente-Parts, die auch gerne mal zu einem tanzbaren Beat werden. Erwähnenswert: der Schlagzeuger Duris Maxwell ist 62 Jahre alt.
Das Album beginnt mit A Monday sehr atmosphärisch und leitet zu dem tanzbaren Coast mit einem verletzlich klingenden Devin. Gegen Ende kommt der Drumcomputer doch mal durch und steigert das Schlagzeug zu einem modern klingenden Part.
Disruptr ist absolut unterschwellig. Ein kontrollierter Devin, dem man in der Stimme aber jederzeit anhört, dass er irgendetwas anbrüllen will. Das ganze wird mit recht einfachen Gitarren-Parts und Psycho-Synthie-Spieleren angereichert. In der Mitte und Ende des Songs darf er dann gleich mal ausbrechen, gleichzeitig sind die Gitarren erstmals stärker verzerrt und der Song auch heftiger, dann ist auf einmal Schluss.
Gato ist ein kleiner Stampfer mit weiblicher Gaststimme (wer das ist, wird hoffentlich im Booklet drinstehen), der immer heftiger wird. Devin brüllt wie in alten Zeiten und darf, ähnlich wie beim Vorgänger ganze zwei mal ausrasten.
Terminal bietet ein größtenteils ambienteartikes Songschema, welches mit einem gefühlvollen Devin und kleineren Akustikparts angereichert ist.
Heaven Send, der "Jam Track", und auch der einzige Track, bei dem Devin nicht nur brüllt, sondern es auch ernst meint. Die ersten drei Minuten steigert sich der jazzig angehauchte Song sich in seiner Aggresion. Die selbe weibliche Stimme wie bei Gato ist auch schon zu hören. Dann explodiert Devin. "BURN!" sag ich nur. Nach diesem Ausbruch kommt ein Solo, das von Meshuggah stammen könnte. Zumindest am Anfang, dann kommen die Synthies mit kleinerere Spielereien und ein klassisches Gitarrensolo startet. Dann bricht Devin noch zwei ganze mal aus.
Es folgen ruihgere und atmosphärische Stücke, doch dann gelangt man zu Trainfire. Eine Mischung aus Country und... Elvis + Cash. Vorallem Devins Stimme überzeugt in diesem Stück.
Lady Helen ist äußerst Balladesk, aber auch unspektakulär.
Es folgt der Titeltrack, der mehr nach Devin Townsend klingt als alle anderen Stücke des Albums. Ki bietet in der ersten Hälfte gewohnter ruhige Passagen mit minimalistischen Gitarrenparts. Dann folgt ein urtypisches Sweeping von Devin, allerdings das erste mal mit cleanen Gitarren. Dieser Part steigert sich immer weiter, mit mehreren Gesängen, einem nur leicht vernehmbaren aggressiveren Gitarrenpart im Hiuntergrund. Dann gesellt sich dazu noch ein etwas "heftigerer" Beat hinzu, dann Dein Überemotional, dann ist der Song auch zu Ende und wird mit Quiet Riot und Demon League ruhig abgeschlossen, wobei Quiet Riot wieder in die Country-Schiene reicht.
Das Album ist schwer. Es bietet viel Kost, die man so noch nie von Devin vernommen hat. Eine review im Netz besagt, dass das Album Devin Townsend Fans vergrauelen muss. Warum muss es das? Wer Freund der Devin-Alben ist, erwartet doch eigentlich immer das unerwartete? Nur ist dies bei diesem Album zugegebenermaßen wirklich anders als alles zuvor, ähnlich wie bei den Ambient Alben The Hummer und DevLab.
Das Album wächst. Das erste durchhören mag noch ein wenig anstrengend sein, aber nach und nach offenbraen sich in den minimal gehaltenen Songgerüsten die Feinheiten, vor allem Dave Young an den Keyboards macht einen außerordentlich guten Job mit Spielereien, die man nicht unbedingt sofort vernimmt.
Das Album ist ganz großes Kino, sehr erfrischend und zeigt Devin in bester Spiellaune. Und vor allem, dass er, nach dem doch von einigen als unoriginell abgestempelten Ziltoid, noch viele Ideen in Petto hat. Das Album kann eine große Hörerschaft erschließen, insofern diese tolerant genug ist, dass emotionale Chaos dieser Platte als voll zu nehmen.
Zudem scheint er nüchterner denn je zu sein. Gratuliere zu dem gelungenen "Einstand" und bin gespannt, was da noch auf uns zukommt.