Der Film bietet viele schöne Landschaftsaufnahmen, andererseits auch schon fast eine Art Endzeitstimmung, wenn man die tristen Betonklötze und das Outfit mancher Jugendlicher sieht. Die Präsentation ist professionell und die Tatsache, dass die beiden Hauptdarsteller keine professionellen Schauspieler sind, tut dem Film eher gut, denn hier spürt man echte Emotionen in Spiel, Mimik und Ton. Die Schamanin und der Großvater werden aber von Urgesteinen der mongolischen Schauspielkunst dargestellt. Die Farbgestaltung ist sicherlich nicht so "perfekt" und bunt wie die von Hollywood-Produktionen, aber völlig akzeptabel. Ebenfalls der Ton, es werden drei Tonspuren geboten: Deutsch Dolby Digital 2.0, Deutsch Dolby Digital 5.1 und Mongolisch Dolby Digital 2.0. Die deutsche Synchronisation ist zu loben, kann sie bei den wichtigen Szenen die Wildheit der Originale wiedergeben. Ein "Hammer" ist der eingebaute Auftritt von Altan Urag, einer realen mongolischen Band, die alte Musikinstrumente mit modernen Klängen verbindet und dies mit einer ungeheuren Wirkung. Untertitel sind in deutsch, englisch, französisch und niederländisch verfügbar.
Den groben spirituellen Hintergrund kann man auch ohne wirklich großes Hintergrundwissen verstehen, aber natürlich fällt dem kundigeren Zuschauer mehr auf beziehungsweise kann er mehr oder einfacher deuten. Dass "Khadak" der Name von heiligen blauen Tüchern ist, steht dann auch auf der Hülle. Aber es lohnt sich, sich näher mit dem Hintergrund zu beschäftigen und die Presseinformation bietet hierzu auch einiges, also stellt sich die Frage, warum hat man dieses Material nicht auch auf die DVD gepackt?
Auch zum politischen Hintergrund hätte sich das angeboten. Denn das Vorgehen der Soldaten erinnert nämlich eher an das einer Besatzungsmacht oder an eine Diktatur; beides ist aber in der Mongolei nicht gegeben. Dass die eigene Regierung das Nomadentum bekämpft, muss sich der Zuschauer selbst zusammenreimen. Und das Material liegt ja vor, ebenso ein Interview mit den Machern des Films. Hier ist der große Kritikpunkt an der DVD, ein übersichtliches Menü kann nicht über fehlende Inhalte hinweg täuschen.
Khadak ist ein Film, der entweder berührt oder langweilt. Berührt er den Zuschauer und kann ihn mit seiner Wildheit und den schamanischen Bildern für sich einnehmen, wird er in den meisten Fällen dazu führen, dass man sich über ihn austauscht. Khadak ist ein Film, der nachwirkt und sozusagen das Gegenteil vom schnellvergessenen Popcorn-Kino darstellt. Durch die Vermischung von Geist- und realer Welt und dem Thema ist er auch nur bedingt "konsumierbar", ein wenig mitdenken ist schon vonnöten. Wer sich für die Mongolei und/oder Schamanentum interessiert oder einfach eine gewisse Offenheit mitbringt, wird sicherlich seine Freude an Khadak haben. Der einzige Kritikpunk, der dann auch zur Abwertung führt, ist die lieblose DVD.