Aus der Amazon.de-Redaktion
Von einem Freund bekommt Pi ein Modem geschenkt. Das Internet wird für sie wieder ein erster Draht zur Außenwelt. Ihr noch zögerliches Interesse für Lyrik führt sie auf eine Homepage für zynische, literarisch engagierte Selbstmord-Kandidaten, wo das "Nachtbuch" Kult-Status erreicht hat. "Das Nachtbuch wird verfasst von JD, der aus seinem Leben erzählt. JD ist arbeitslos und läßt sich treiben. Nicht selten landet er dabei in tiefen, depressiven schwarzen Löchern. Doch JD jammert nicht. Er philosophiert zynisch und manchmal nicht unkomisch über sein Leben und seine Familie. Bis er eines Tages auf die Idee kommt, was in seinem Leben fehlen könnte: Ein Horation, jemand, der einen leeren Platz auszufüllen vermag. Jemand, der ihn verstehen kann. Pi ist fasziniert von JDs Geschichten, sie tritt mit ihm in Mail-Kontakt, woraus sich ein intensiver Austausch ergibt. Pi verändert sich zusehends, sie wird offener, kann mit JD über die Vergangenheit sprechen und kokettiert in ihren Mails wieder mit philosophischen Betrachtungen. Doch eines Tages bricht JD den Kontakt ab. Pi gibt nicht auf. Sie macht sich auf die Suche.
Keusch wie Eis ist anders als die durchschnittliche, momentan so angesagte Thirty-something-Literatur. Es besinnt sich auf andere Ingredienzen als Techno-Scheiben, Ecstasy oder dem Pop-Lexikon von A bis Z. Nach E-Mail für dich-Kitsch sucht man zwischen den Buchdeckeln übrigens auch vergebens. Sylvia Brownrigg hat rund um das Medium Internet eine sanfte Liebesgeschichte gewoben, die ebenso sanft und behutsam erzählt wird. --Susanne Solau
Konr@d (3/99)
"Keusch wie Eis" läßt Shakespeare seinen Lieblingshelden Hamlet sagen - der beschreibt so die Beziehung zu seinem Vertrauten Horatio. Sylvia Brownriggs Roman spielt zwar im Jetzt, aber den einsamen Hamlet gibt es bei ihr auch: JD ist Ende zwanzig, arbeitslos und sehr verlassen. Erst im Netz findet er eine Gleichgesinnte: Pi, eine Studentin, die bei einem Brand ihr gesamtes Hab und Gut verloren hat. Die beiden lernen sich in gesichtslosen Chats kennen - sein Pseudonym ist "Hamlet", ihres "Sylvia Plath", nach einer feministischen Schriftstellerin - und Mail um Mail entsteht im Datenwirrwarr so etwas wie zarte Liebe und der Stoff für Brownriggs sehr schönen Roman.
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