Denke ich an die gewaltige Anti-Atom-Demo in Berlin und an die schwerwiegenden Probleme, die die Atomenergie mit sich bringt, die Strahlungsgefährdung und den Atommüll, an Asse und Gorleben, also an die ungelöste Endlagerfrage, liest sich das Buch 'Kettenreaktion - Die Geschichte der Atombombe' von Hubert Mania erstaunlich leicht.
Es zeigt sich, dass es vor allem Visionen sind, die die Menschen antreiben und faszinieren und dass man die Anfänge begreifen sollte.
Mania beschreibt erzählerisch, spannend und literarisch auf hohem Niveau (für ein Sachbuch ungewöhnlich). Seine Passagen über die Entdeckung der Radioaktivität, ein Begriff, den mit Verlaub eine Frau, Marie Curie, prägte, hat mich sehr beeindruckt. Die Details über den Alltag dieses Ehepaares und ihre Verliebtheit, später noch mal im Labor die 'Zauberlichter' ' spontanes Leuchten des Radiums ' zu genießen, sind so bildhaft beschrieben, dass man sich in diese Zeit wunderbar zurückversetzen kann. Fast lässt sich diese Spannung der Wissenschaftler spüren und filmhaft miterleben.
Sachbücher haben oft einen langweiligen, zähen Inhalt. Bei Mania sind es die Verstrickungen der Akteure, wie z. B. Oppenheimers Chefrolle in Los Alamos, die dieses Buch auflockern und uns die Charaktere der Wissenschaftler näherbringen und für Überraschungen sorgen.
Mania ist es gelungen, ein Sachbuch für viele Leserschichten zu schreiben und schwierige Details mit Leichtigkeit rüberzubringen. Ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen. Zu guter Letzt sei noch gesagt, dass ich es gut finde, dass die Geschichte der Atombombe in Reinform erzählt wird und der Autor seine Erzählung nicht mit erhobenem Zeigefinger stört. Denn was daraus geworden ist, wissen wir ja kritisch zu hinterfragen. Aber etwas wüsste ich doch ganz gern: Warum hört das Buch 1945 auf? Gibt es einen zweiten Teil?